„Darum kümmerst du dich ab jetzt selbst, Schatz. Wir haben doch getrennte Finanzen.“
Im zweiten Monat merkte er langsam, dass sein großartiges System auch Haken hatte.
„Sandra, wo ist mein Joghurt?“
„Deiner? Ich habe für mich und die Kinder eingekauft. Auf meiner Liste stand kein Joghurt für dich.“
„Ich dachte, du bringst mir einfach einen mit.“
Ich sah ihn mit betont unschuldiger Miene an. „Michael, überweist du mir dann die Hälfte vom Preis? Oder wie stellst du dir das vor?“
Er schnaubte nur und verschwand.
Im dritten Monat wollte er plötzlich „zurück wie früher“, also wieder eine gemeinsame Kasse.
„Sandra, lass uns diesen Unsinn beenden. Das fühlt sich irgendwie falsch an.“
„Nein, Michael“, antwortete ich ruhig. „Du hattest recht. Es ist sehr praktisch. Jeder sorgt für sich, genau wie du es wolltest. Ganz modern, ganz europäisch.“
„Sandra, jetzt reicht es aber!“
„Vor einem Monat hast du mir noch vorgeworfen, ich würde dir auf der Tasche liegen. Ich erfülle nur deinen Wunsch. Ich möchte dir nicht länger zur Last fallen.“
Daraufhin war er beleidigt. Und zwar gründlich.
Im sechsten Monat geschah schließlich das, worauf ich mich innerlich längst eingestellt hatte. In Michaels Firma begann eine „Optimierung“. Er wurde herabgestuft, sein Gehalt sank auf 950 Euro. Als er nach Hause kam, war sein Gesicht grau.
„Sandra, ich habe Ärger bei der Arbeit…“
„Das tut mir leid, Liebling.“
„Wir müssen sofort wieder eine gemeinsame Kasse machen. Ich schaffe die Nebenkosten, das Auto, die Kfz-Versicherung nicht mehr… Und da ist noch die Kreditkarte. Ich hatte doch Geld für die Renovierung genommen, weißt du noch?“
Natürlich wusste ich das. Renoviert hatte er seine Garage. Ohne mich.
Ich holte den Taschenrechner, setzte mich ihm gegenüber und blieb vollkommen sachlich.
„Michael, rechnen wir. Fair, so wie du es magst. In den letzten sechs Monaten habe ich 840 Euro für Lebensmittel bezahlt, 670 Euro für die Kinder. Für Kleidung für mich: null, ich habe alte Sachen getragen. Zusammen sind das 1.510 Euro aus meinem angeblich lächerlichen Einkommen.“
„Ich habe aber auch gezahlt!“
„Du hast 480 Euro Nebenkosten übernommen. Das war alles, Michael. Das Auto ist deins, die Wohnung ist abbezahlt, weitere Familienausgaben hattest du nicht. Die Differenz beträgt 1.030 Euro zu meinen Gunsten.“
„Du… du hast das notiert?“
„Du wolltest es doch europäisch. In Europa schreibt man so etwas auf, Michael.“
