Von da an rechnete ich. Still, ohne Ankündigung. Und genauso still begann ich, Rücklagen zu bilden.
Was Michael Gross ebenfalls nicht wusste: Mein durchschnittliches Einkommen lag bei etwa 2.200 Euro im Monat. Ich hatte nie damit geprahlt. Das Geld ging auf ein separates Konto, von dem er nicht einmal ahnte, dass es existierte. Für den Haushalt überwies ich meine angeblich „bescheidenen“ 400 bis 500 Euro, die er großmütig entgegennahm und dabei sagte: „Na, wenigstens etwas.“
Dann kam also der Abend der großen Budgettrennung.
„Lass uns das ordentlich machen“, sagte ich und klappte den Laptop auf. „Ich erstelle eine Tabelle. Wer wofür zuständig ist.“
„Einverstanden“, meinte er und ließ sich wie ein Sieger auf dem Sofa breitfallen. „Nebenkosten übernehme ich. Ich bin schließlich der Mann im Haus. Die Finanzierung ist ja abbezahlt. Lebensmittel teilen wir. Kinderkurse ebenfalls. Kleidung kauft jeder für sich.“
„Und das Auto?“
„Das ist meins. Ich fahre damit.“
„Gut. Und die Wohnung?“
„Die läuft auf meinen Namen, das weißt du doch“, sagte er mit diesem gönnerhaften Lächeln. „Aber du wohnst hier, also mach dir keine Sorgen.“
„Ich mache mir keine Sorgen, Michael. Überhaupt keine.“
Er sah mich misstrauisch an. Doch sein männlicher Stolz ließ ihn schweigen.
In dieser Nacht schlief ich so tief wie seit Jahren nicht mehr.
Den ersten Monat genoss er seine neue Ordnung in vollen Zügen. Er stolzierte geradezu durch die Wohnung.
„Sandra, dein Anteil für den Einkauf: 143 Euro. Überweis mir das bitte.“
„Mach ich gleich, Liebling.“
„Sandra, Louis Weiß braucht neue Turnschuhe. Hälfte-Hälfte, also 45 Euro von jedem.“
„Natürlich, Michael.“
Ich zahlte. Wortlos. Freundlich. Mit einem Lächeln. Er kostete seinen Triumph aus.
Gleichzeitig hörte ich auf, viele andere Dinge für ihn zu erledigen. Ebenfalls ohne Kommentar.
Ich kaufte seine geliebte Barilla-Pasta nicht mehr, sondern nahm für mich und die Kinder die günstige Sorte. Er öffnete den Kühlschrank, runzelte die Stirn, sagte aber nichts. Schließlich hatte er selbst die getrennten Kassen eingeführt.
Seine Hemden wusch ich nicht länger separat, sondern warf sie einfach zur übrigen Wäsche. Eines lief ein, ein anderes verfärbte sich. „Das ist dein Hemd, Michael, damit habe ich nichts zu tun. Tut mir leid.“
Ich vereinbarte keine Zahnarzttermine mehr für ihn, erinnerte ihn nicht mehr an die Hauptuntersuchung und kaufte ihm keine Socken und Unterwäsche mehr.
