„Die Besen könnt ihr in der Ecke abstellen, und eure Heiligenscheine hängt bitte an die Garderobe, damit sie mir nicht die Decke zerkratzen“ entgegnete Sophie kühl und verweigerte die Gastgeberrolle

Diese dreiste Einmischung ist beschämend und unerträglich.
Geschichten

„He! Finger weg! Lass mich sofort runter! Ich rufe die Polizei!“, kreischte Felix Huber, als seine Sneaker plötzlich gute zehn Zentimeter über dem Boden baumelten.

„Nur zu, Kumpel“, erwiderte Jonas Lange gelassen. „Dann kannst du den Beamten gleich erklären, wie du deiner Ex-Frau Wohnraum abpressen wolltest. Erpressung ist juristisch gerade ein ziemlich angesagtes Thema.“

Mit dieser trockenen Bemerkung trug er Felix in Richtung Flur, als hätte er nicht einen erwachsenen Mann, sondern einen schlecht gefüllten Wäschesack in der Hand.

Clara Walter und Mila Simon trippelten hinterher, jammerten, keuchten und flatterten mit den Händen, sodass sie wie zwei aufgescheuchte Gänse wirkten.

Ich war so freundlich und riss die Wohnungstür weit auf. Jonas manövrierte den verlorenen Erzeuger vorsichtig hinaus ins Treppenhaus, beinahe behutsam, damit ja kein Türrahmen litt. Schließlich war hier frisch renoviert worden. Von Felix. Das musste man selbstverständlich würdigen.

Am Aufzug drückte Jonas auf den Knopf. Die Türen glitten auf, als hätten sie nur auf diesen Moment gewartet. Dann stellte er Felix ganz hinten in die Ecke der Kabine, ordentlich und streng, wie einen Schüler, der nachsitzen musste.

„Meine Damen“, sagte ich und deutete mit einer einladenden Handbewegung in den Lift, „Ihr Gepäck ist verstaut. Bitte begeben Sie sich nun zum Abflug.“

Clara Walter und Mila Simon schossen mir Blicke zu, in denen Verwünschungen für mindestens sieben Generationen lagen, huschten aber trotzdem zu ihrem kostbaren Felix hinein.

„Ach, und Ihr Zettelchen nehmen Sie bitte auch mit.“ Ich zerknüllte die sogenannte Entschädigungsvereinbarung und warf sie in die Kabine. Die Papierkugel landete sauber mitten auf Felix’ Brust.

„Kaufen Sie einen hübschen Rahmen dafür und hängen Sie ihn über das Bettchen des Erben. Als Erinnerung daran, dass Gier zwar menschlich ist, man die Unterlippe aber rechtzeitig wieder einrollen sollte.“

Die Aufzugtüren setzten sich in Bewegung.

„Hure!“, spuckte Clara Walter noch heraus.

„Dafür eine Hure mit Wohnung!“, rief ich fröhlich hinterher.

Mit einem dumpfen Klacken schloss sich der Lift, und der ganze Wanderzirkus verschwand Richtung Erdgeschoss. Jonas klopfte sich die Hände ab, sah mich schief grinsend an und fragte:

„Also? Erst Eiweißshake oder machen wir direkt den Cognac auf?“

„Jonas, du bist mein persönlicher Superheld“, sagte ich und merkte erst da, wie die Anspannung aus meinen Schultern wich.

Dann atmete ich tief durch.

„Mach den Cognac auf.“

„Auf gute Quadratmeter“, sagte Jonas.

„Und auf Superhelden mit Hausbesuch“, ergänzte ich.

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