„Die Besen könnt ihr in der Ecke abstellen, und eure Heiligenscheine hängt bitte an die Garderobe, damit sie mir nicht die Decke zerkratzen“ entgegnete Sophie kühl und verweigerte die Gastgeberrolle

Diese dreiste Einmischung ist beschämend und unerträglich.
Geschichten

Ich prustete derart los, dass ich mit dem Ellenbogen beinahe die Vase vom Tisch gefegt hätte.

„Vor Gericht? Wegen Laminat?!“, brachte ich zwischen zwei Lachanfällen hervor und wischte mir die verlaufene Wimperntusche von den Wangen.

„Mädels, ihr hättet wenigstens einmal ins Bürgerliche Gesetzbuch schauen können, bevor ihr Papier verschwendet. Das hier ist eine Schenkung!“

Ich wedelte mit dem Blatt. „Stellt mir doch gleich noch die Rechnung für den Lufterfrischer im Bad aus. Immerhin hat Felix Huber drei Jahre lang dieselbe Luft geatmet. Felix, hast du den Kassenbon für den Tapetenkleister aufgehoben, oder hat Mama die Kostenaufstellung frei aus dem Gedächtnis erfunden?“

Meine ehemalige Schwiegermutter lief dunkelrot an und sog schon Luft ein, offenbar für einen Schrei in einer Frequenz, die Glas hätte sprengen können. Doch genau in diesem Moment klingelte es im Flur. Noch immer glucksend ging ich zur Tür.

Draußen stand kein Lieferbote. Auf der Schwelle ragte Jonas Lange auf. Mein Kumpel aus dem Fitnessstudio, der Trainer, bei dem ich mich direkt nach der Scheidung angemeldet hatte, um den ganzen Stress aus mir herauszuschwitzen.

Zwei Meter geballte Muskelmasse, Fäuste wie Vorschlaghämmer und dazu das gutmütige Lächeln eines Menschen, der vermutlich zum Aufwärmen einen Kleinwagen stemmen konnte.

„Sophie, du gehst nicht ans Handy. Ich wollte dir das Protein vorbeibringen, wie besprochen“, brummte Jonas mit seiner tiefen Stimme, verstummte aber, als sein Blick über meinen Kopf hinweg ins Wohnzimmer fiel.

„Was ist das denn für eine Aktionärsversammlung? Die Gesichter sehen aus, als hätten alle gerade in eine Zitrone gebissen und den Tequila vergessen.“

„Ach, nichts Besonderes.“ Ich zuckte mit den Schultern. „Ein Wohltätigkeitskomitee ist angerückt, um mich zu enteignen. Die Wohnung soll offenbar zugunsten der jüngeren Generation umverteilt werden. Und falls ich mich weigere, drohen sie mit Prozessen wegen drei angenagelter Sockelleisten.“

Jonas trat ein. Der Boden knarrte unter seinen Schuhen in Größe sechsundvierzig nicht einmal, dafür gab Felix Huber ein dünnes Geräusch von sich. Die ganze Delegation verlor schlagartig an Volumen und presste sich auf dem Sofa zusammen.

„Wer ist das?“, piepste Mila Simon und verschwand halb hinter dem breiten Rücken ihrer Mutter.

„Mobiler Reinigungsdienst“, sagte Jonas freundlich und ließ die Fingerknöchel knacken. „Ich entsorge Sperrmüll. Kostenlos und mit Durchzug.“

Gemächlich ging er auf Felix Huber zu, der neben ihm plötzlich winzig, zerbrechlich und beinahe durchsichtig wirkte. Dann packte Jonas meinen Ex-Mann mit müheloser Leichtigkeit am Kragen seiner teuren Markenjacke, als wäre er ein unartiges Kätzchen.

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