…und ernährte sich in dieser Phase großzügig von meinem Gehalt, während er gleichzeitig auf erlesene Speisen bestand, um, wie er es nannte, seinen „schwindenden Lebensmut“ zu stabilisieren.
Die Wohnungstür fiel ins Schloss. Kurz darauf stand Andrea Krüger im Flur – meine Schwiegermutter. Selbstverständlich mit eigenem Schlüssel, den sie unter keinen Umständen herausrücken wollte. Es sei ihre mütterliche Pflicht, regelmäßig nachzusehen, ob ihr „Junge“ auch ja nicht darben müsse.
„In der DDR hat eine Ehefrau ihren Mann noch geschützt und unterstützt!“, verkündete sie anstelle einer Begrüßung und ließ ihre antiquiert wirkende Handtasche mit Pathos auf einem Küchenhocker nieder. „Ich war damals im Haus der Jugend als Sekretärin tätig. Unser Direktor, Michael Braun, trat stets geschniegelt mit gestärktem Kragen auf. Seine Frau hielt ihm den Rücken frei, hat ihm jeden Wunsch von den Augen abgelesen. Und du, Katharina Krause, treibst Sebastian mit deiner Nörgelei in den Wahnsinn. Ein Mann ist empfindlich wie Kristall – man muss ihn behutsam behandeln!“
Ich legte den Pfannenwender zur Seite, spülte mir ruhig die Hände ab und lehnte mich mit verschränkten Armen gegen die Spüle.
„Andrea Krüger“, entgegnete ich gleichmäßig, meine Stimme so sachlich wie das Summen eines Kühlschranks, „Michael Braun hat vermutlich sein Gehalt nach Hause gebracht, anstatt fünf Jahre lang das Sofa zu hüten und auf eine Generalsposition zu warten. Ihr Sohn war zuletzt 2021 berufstätig. Seitdem hat er zwei Hosen durchgesessen und sämtliche Level von ‚Panzerschlacht‘ auf meinem Computer gemeistert. Kristallvase? Eher ein gusseiserner Waschtopf.“
Empört riss sie die Hände hoch, verfing sich mit ihrem weiten Ärmel in der offenen Salzschale, die klirrend auf den Fliesenboden stürzte. Weiße Körnchen spritzten in alle Richtungen.
„Das ist doch nur eine Übergangsphase! Er ist einfach zu begabt für niedere Arbeiten!“, fiepte sie und versuchte hektisch, das Salz zusammenzuwischen, wobei sie es nur noch weiter verteilte.
Wie ein Luftballon, dem plötzlich die Spannung entwich, verlor sie schlagartig ihre kämpferische Haltung und zog sich hastig in den Flur zurück.
Am nächsten Tag stand mir eine Doppelschicht bevor. Im Restaurant war ein Bankett für sechzig Gäste geplant, und innerlich stellte ich mich bereits auf vierzehn Stunden ununterbrochenes Stehen ein. Doch am Morgen platzte im großen Saal ein Rohr. Wasser wurde abgestellt, die Feier abgesagt. Erschöpft vom Chaos kehrte ich unerwartet schon gegen Mittag heim.
Leise schloss ich mit meinem Schlüssel auf. Aus dem Wohnzimmer drang Sebastians heitere, selbstzufriedene Stimme. Er telefonierte mit einem Freund.
„Wohin soll sie schon gehen, Jonas Krause?“, hörte ich ihn sagen, während er genüsslich Pistazien knackte – jene, die ich am Wochenende für meine Auftragskuchen gekauft hatte. „Frauen ticken doch alle gleich.“
