„Katharina, hast du den Krebs mitgebracht?“ fordert Sebastian theatralisch — sie legt wortlos eine Packung tiefgekühlte Lodde auf die Arbeitsplatte

Sein Anspruch ist unverschämt, ihre Geduld bewundernswert.
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— Katharina, hast du den Krebs mitgebracht? — Die Stimme von Sebastian Braun drang aus dem Wohnzimmer zu mir herüber, geschniegelt selbstgefällig und fordernd, als ginge es um internationale Börsenkurse und nicht um ein Abendessen, das von meinem Gehalt bezahlt wurde.

Ohne ein Wort legte ich stattdessen eine Packung tiefgekühlte Lodde auf die Arbeitsplatte.

— Welchen Krebs denn, Sebastian? — Ich trocknete mir die Hände am Küchentuch. — Gestern haben wir die Nebenkosten überwiesen, und die Preise sind schon wieder gestiegen. Heute habe ich nur das Nötigste für die Woche eingekauft. Mittelmeer-Krabben sprengen unseren Etat vollkommen.

Im Türrahmen erschien mein achtundvierzigjähriger Ehemann. Er trug einen bordeauxfarbenen Seidenmorgenmantel mit goldgestickten Drachen — eine wenig durchdachte Anschaffung meinerseits, bezahlt von meiner Weihnachtsprämie, damit er es „zu Hause gemütlich“ habe.

— Aber ich habe dich doch darum gebeten! — Sebastian rang theatralisch die Hände und rückte den verrutschten Kragen zurecht. — Nach dem gestrigen Termin beim Arbeitsamt bin ich nervlich völlig ausgelaugt. Dort sitzen nur Unfähige! Mein Gehirn braucht leicht verdauliches Eiweiß und Jod. Du bist Küchenchefin in einem angesehenen Restaurant — sollte es da nicht möglich sein, deinem eigenen Mann eine angemessene Ernährung zu organisieren?

— Eiweiß und Jod liefert auch Lodde mehr als ausreichend, — entgegnete ich ruhig, während ich Messer und Brett hervorholte. — In preiswertem Seefisch stecken oft sogar mehr Spurenelemente. Schon im zwölften Jahrhundert stellten die Japaner aus Weißfisch Surimi her, um mit minimalen Mitteln maximalen Nutzen zu erzielen. Vielleicht ist ein wenig samuraische Bescheidenheit genau das Richtige für dich.

Ich wendete die bemehlten Fischstücke und legte sie in die heiße Pfanne. Sofort bildete sich eine goldbraune Kruste — das Ergebnis der Maillard-Reaktion, bei der Aminosäuren und Zucker unter Hitze miteinander reagieren. Faszinierend, wie verlässlich chemische Gesetze funktionieren, während moralische Prinzipien im Alltag so erschreckend biegsam sind.

Sebastian stieß ein demonstratives Schnauben aus, als hätte ich soeben die Institution Ehe persönlich beleidigt, und verzog sich zurück vor den Fernseher, um dort weiter zu leiden. Ich sah ihm nach und spürte, wie sich in mir etwas festigte, Schicht für Schicht, wie langsam auskristallisierendes Salz.

Fünf Jahre. Fünf endlose Jahre befand sich mein Mann inzwischen im „kreativen Selbstfindungsprozess“. Zuvor hatte er als Wachmann in einem Lager für exklusive Sanitäranlagen gearbeitet, kündigte jedoch, weil es ihm dort angeblich „an die Füße zog“. Danach fuhr er kurze Zeit für einen Geschäftsmann, bis es zum Zerwürfnis kam — der Arbeitgeber verlangte doch tatsächlich Pünktlichkeit, was Sebastian als Zeichen unterwürfiger Denkweise interpretierte. Seitdem befand er sich auf der Suche nach sich selbst und lebte in dieser Zeit von meinem Einkommen.

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