„Ich gehe, damit du endlich begreifst, wen du verlierst!“ rief Lukas theatralisch, stopfte Socken in seine Sporttasche und riss dabei beinahe die Lieblingsvase vom Regal

Diese beschämende Heuchelei ist einfach unerträglich.
Geschichten

Das Poltern schwoll an, als würde eine Horde Wildpferde durch den Flur donnern, unmittelbar gefolgt von einem tiefen, vibrierenden Bellen, das selbst die schwere Wohnungstür erzittern ließ.

„Wer ist da?“ dröhnte eine Männerstimme mit unverkennbarem Akzent.

Lukas Hermann machte einen Schritt zurück.

„Äh… ich bin Lukas. Der Ehemann. Machen Sie bitte auf!“

Mit einem Ruck flog die Tür auf. Im Rahmen stand David Kraus – ein Mann, der die Breite des Eingangs nahezu ausfüllte, bekleidet mit einem ärmellosen Shirt. In der Hand hielt er einen langen Metallspieß; offenbar brutzelte auf einem Elektrogrill gerade Fleisch. Neben ihm saß Bruno, hechelnd, mit wachsamen Augen.

„Welcher Ehemann?“ fragte David erstaunt. „Anna ist nicht da. Anna ist weggefahren. Wir wohnen jetzt hier. Miete bezahlt, Vertrag unterschrieben. Und du bist wer, hm?“

„Ich… ich bin der Eigentümer!“ kreischte Lukas, dessen Stimme kippte. „Das ist meine Wohnung! Also… die meiner Frau! Wir leben hier!“

„Hör zu, mein Lieber“, sagte David gelassen und klopfte ihm freundschaftlich mit dem Spieß auf die Schulter, wobei ein fettiger Abdruck auf dem Hemd zurückblieb. „Anna hat gesagt: kein Mann da, Mann wohnt bei Mama. Wohnung frei. Also wir eingezogen. Wenn du Mama hast, geh zu Mama, ja? Stör nicht beim Essen. Stella, bring bitte die Soße!“

Noch bevor Lukas antworten konnte, schlug die Tür ihm direkt vor der Nase zu.

Keine Minute später vibrierte mein Handy. Ich saß in einem Restaurant mit Blick aufs Wasser, genoss gebratene Jakobsmuscheln und ein Glas kühlen Weißwein.

„Ja?“ meldete ich mich träge.

„Was hast du da angerichtet?!“ brüllte Lukas so laut, dass ich das Telefon vom Ohr weghalten musste. „Wer sind diese Leute in unserer Wohnung? Wieso lassen die mich nicht rein? Ich komme nach Hause, und da campiert irgendein Zirkus!“

„Lukas, spar dir das Geschrei“, unterbrach ich ihn ruhig. „Du bist doch gegangen. Eine Woche, vielleicht für immer – damit ich ‘nachdenke’. Nun, ich habe nachgedacht. Allein ist es langweilig und teuer. Also habe ich die Wohnung für drei Monate vermietet. Ganz offiziell.“

„Drei Monate?!“ Seine Stimme überschlug sich. „Und wo soll ich bitte wohnen?“

„Bei deiner Mutter, natürlich. Dort hast du doch Vollpension – pürierte Suppe und Handtücher nach energetischem Prinzip gefaltet. Bleib doch da und genieße es. Ich bin geschäftlich unterwegs, und das noch eine Weile.“

„Ich lasse mich scheiden! Ich rufe die Polizei!“ fauchte er.

„Nur zu. Die Wohnung gehört mir. Ich stehe im Grundbuch. Der Mietvertrag ist rechtsgültig, die Steuern zahle ich. Bist du hier gemeldet? Nein. Juristisch bist du nichts weiter als ein Besucher, der die Gastfreundschaft überstrapaziert hat.“

Ich beendete das Gespräch.

Zehn Minuten später erschien der erwartete Anruf von Katharina Hermann. Allein für diese Vorstellung nahm ich ab.

„Anna!“ Ihre Stimme klirrte wie zersplitterndes Glas. „Was bildest du dir ein? Du setzt meinen Sohn vor die Tür! Das ist unmenschlich! Eine Ehefrau hat ihrem Mann Rückhalt und ein warmes Abendessen zu sichern!“

„Frau Hermann“, erwiderte ich betont höflich, „im Bürgerlichen Gesetzbuch steht etwas von Gleichberechtigung der Ehepartner. Und im Eigentumsnachweis dieser Wohnung findet sich ausschließlich mein Name. Ihr Sohn wollte mich erziehen, indem er demonstrativ verschwindet? Das Experiment war erfolgreich. Die Schülerin hat offenbar schneller gelernt als der Lehrer.“

„Du bist ja… du bist doch nur berechnend“

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