„Dreihunderttausend Euro auf meinen Namen aufgenommen! Dreihunderttausend!“ schrie Alexander verzweifelt und schob die Scheine wie wertlosen Abfall auf das Bett

Dieses nervöse Schweigen ist unerträglich und beschämend.
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— …einfach verantwortungslos, — stieß er hervor. — Du wirfst Geld zum Fenster hinaus. Rechnen konntest du noch nie. Mit deinem ganzen Moos- und Treibholz-Kram verdienst du keinen Cent, aber ausgeben kannst du, als wärst du eine Prinzessin. Den Kredit habe ich auf meinen Namen aufgenommen, Sophia. Auf meinen! Und du stehst daneben wie ein hübsches Ausstellungsstück, für das ich jetzt auch noch Zinsen zahlen darf.

In ihr zerbrach etwas. Der letzte Rest Hoffnung, er würde sie verteidigen oder wenigstens verstehen, zerfiel zu Staub. Zwei Jahre hatte sie diesen Mann geliebt — und plötzlich stand da ein Fremder vor ihr. Kleinlich. Verunsichert. Gesteuert von seiner Mutter.

— Ein Ausstellungsstück also? — fragte sie leise. — Hattest du bei deinem Heiratsantrag eigentlich schon den Taschenrechner griffbereit?

— Werde nicht frech! — fuhr Katharina Roth dazwischen. — Jetzt entdeckt sie ihre Stimme! Statt hier Widerworte zu geben, solltest du deinem Mann zu Füßen liegen und überlegen, wie du die Schulden begleichst. Verkauf doch deinen Pelzmantel. Oder den Schmuck, den deine Eltern dir geschenkt haben.

— Welchen Schmuck denn, Katharina? — mischte sich Matthias Werner ein. — Das ist doch alles billiger Modeschmuck. Ich sag’s ja: Diese Hochzeit war ein Reinfall. Alexander, du hast dich gewaltig vertan. Eine Frau ohne Mitgift, aber mit großen Ansprüchen.

Sophia sah ihren Mann an, wartete darauf, dass er seinem Onkel Einhalt gebot. Doch Alexander nickte nur.

— Onkel Matthias hat nicht unrecht. Ich dachte, wir wären ein Team, Sophia. Aber du… du bist eher eine Last.

Die Enttäuschung in ihr kippte in Wut. Sie brannte heiß, doch ihr Kopf blieb klar. Mit einem Schlag sah sie ihre Zukunft: ständige Vorwürfe, Kontrolle durch die Schwiegermutter, jede Ausgabe würde kommentiert, ein Mann, der sich in Selbstmitleid suhlte.

— Ich bin keine Last, — sagte sie ruhig. — Ich bin deine Ehefrau. War es zumindest.

— Wie bitte, „war“? — Katharina Roth richtete sich kerzengerade auf. — Überlege dir gut, was du sagst. Du hast jetzt Verpflichtungen. Bei uns im Garten wartet Arbeit, und in Alexanders Wohnung ist die Renovierung noch nicht abgeschlossen. Du hast es dir lange genug bequem gemacht. Jetzt wird angepackt. Schluss mit dem leichten Leben.

Alexander trat ans Fenster und drehte ihr demonstrativ den Rücken zu.

— Ehrlich gesagt bereue ich es, dass wir geheiratet haben, — murmelte er gegen die Scheibe. — Wir hätten erst zusammenziehen sollen. Uns prüfen. Und jetzt hängt mir das alles um den Hals… der Kredit, du… Weißt du was, Sophia? In diesem Kleid für vierzigtausend Euro wirkst du gerade einfach nur lächerlich. Teuer eingepackt, aber ohne Wert.

Das Wort „bereuen“ blieb im Raum hängen. Ebenso „lächerlich“.

In diesem Moment hörte sie auf, sich wie eine Braut zu fühlen. Sie richtete die Schultern, ging wortlos zum Schrank und zog ihre Reisetasche hervor.

— Was soll das werden? — rief Katharina scharf. — Wir sind noch nicht fertig! Wer übernimmt die Raten?

Sophia antwortete nicht. Vor den Augen aller löste sie den Schleier aus ihrem Haar und warf ihn aufs Bett — direkt auf die verstreuten Geldscheine.

— Behalt ihn, — sagte sie zu Alexander. — Vielleicht bekommst du noch ein paar Euro dafür.

Im Bad streifte sie das Kleid ab, schlüpfte in Jeans und T-Shirt, während draußen weiter diskutiert und gestritten wurde. Als sie zurückkam, zählten Mutter und Sohn bereits zum dritten Mal das Geld durch, und Matthias Werner trank den Rest Champagner direkt aus der Flasche.

— Ich gehe, — erklärte Sophia.

— Dann geh doch! — fauchte Alexander. — Mal sehen, wie weit du kommst. In zwei Tagen stehst du wieder hier.

— Lass sie ziehen, — ergänzte Katharina kühl. — Morgen reichen wir die Scheidung ein, solange noch keine Kinder da sind. Ein Glück, dass uns das erspart bleibt.

Sophia nahm ihre Tasche und verließ das Hotelzimmer. Die Tür fiel laut ins Schloss. Der stille Flur kam ihr vor wie eine Erlösung nach dem Lärm und der Gier hinter ihr.

Ein Taxi brachte sie durch die nächtliche Stadt nach Hause.

Thomas Becker saß noch am Küchentisch, Sabine Becker stellte gerade den Wasserkocher an. Als ihre Tochter mit Tasche, ohne Ehemann und mit verweinten Augen in der Tür stand, stellten sie keine überflüssigen Fragen.

— Hat er dir wehgetan? — fragte Thomas ruhig. In seiner Stimme lag die nüchterne Festigkeit eines Mannes, der sein Leben lang auf Expeditionen gearbeitet hatte.

Und Sophia erzählte alles. Vom Kredit. Von den achtzigtausend Euro. Von Katharina Roth. Von „Last“ und „bereuen“.

Sabine schlug erschrocken die Hand vor den Mund. Thomas’ Kiefer spannte sich an.

— Widerliche Menschen, — sagte er leise. — Kleinlich und gierig.

Sophia wischte sich über das Gesicht.

— Papa, sie haben behauptet, ihr… wir seien Bettler, — brachte sie stockend hervor.

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