„Ich warne Sie – ich lasse mich nicht beleidigen!“ rief ich empört, während der Speisesaal verstummte und Stefanie mit dem Mikrofon erstarrte

Wütend und stolz, unnachgiebig gegen hochnäsige Verachtung.
Geschichten

— Wenn meine tägliche Arbeit in Ihren Augen so abstoßend ist, dann werde ich entsprechend handeln.

Ich richtete mich auf und ließ meinen Blick noch einmal über die Runde schweifen.

— Wenn mein Beruf bei Ihnen derart nachhaltigen Ekel hervorruft, werde ich Ihre vornehmen Hände künftig nicht länger mit meinem Geld beschmutzen. Sämtliche Investitionen ziehe ich mit sofortiger Wirkung zurück.

Ich sprach langsam, jedes Wort klar und scharf wie ein Hammerschlag.

— Ab morgen begleichen Sie sämtliche Nebenkosten selbst. Strom, Gas, Wasser. Die Reinigungsfirma, den Gärtner, den Sicherheitsdienst ebenfalls. Ich bin sicher, Ihre Leidenschaft für das Ballett lässt sich gewinnbringend einsetzen, wenn im Winter die Heizkostenabrechnung ins Haus flattert.

Behutsam legte ich das Mikrofon auf die Tischkante, als wäre damit ein Vertrag endgültig besiegelt.

Philipp Schröder sprang abrupt auf. Sein Stuhl kratzte laut über den Boden.

— Lena, warte! Das meinst du doch nicht ernst! Du kannst uns doch nicht einfach so sitzen lassen!

Ich begegnete seinem Blick ohne Zögern.

— Doch. Genau das kann ich.

Zu meiner eigenen Überraschung fühlte ich nichts mehr. Kein Stechen, keine Bitterkeit, kein Bedauern. In mir breitete sich eine ungeahnte, glasklare Leichtigkeit aus — als hätte jemand ein Fenster geöffnet.

— Du darfst selbstverständlich bleiben, Philipp. Lach weiter über die brillanten Pointen deiner Mutter.

Ohne eine weitere Reaktion abzuwarten, drehte ich mich um und ging mit festen Schritten zur Tür.

Draußen auf dem breiten steinernen Vorbau blieb ich kurz stehen. Die Nachtluft war kühl und roch nach feuchtem Laub und Wald. Ich atmete tief ein, als müsste ich mich vergewissern, dass diese Freiheit real war.

Während ich die Stufen in den Garten hinabstieg, zog ich mein Handy hervor und wählte die Nummer meines Finanzdirektors. Es dauerte einige Sekunden, bis abgehoben wurde.

— Florian Schmitt, guten Abend. Entschuldigen Sie die späte Störung, — sagte ich ruhig. — Bitte sehen Sie sich morgen früh sämtliche Verträge im Zusammenhang mit der Familie Schröder an. Stoppen Sie alle Daueraufträge auf deren Konten. Und kündigen Sie jede einzelne Dienstleistung für dieses Landhaus. Ab sofort fließt kein Cent mehr dorthin.

Am anderen Ende hörte ich das Rascheln von Papier. Florian arbeitete, wie so oft, noch immer im Büro.

— Lena Lange, ich setze die Anweisungen selbstverständlich um, — antwortete er sachlich. — Allerdings gibt es einen Punkt, den wir bedenken müssen. Ganz so einfach können wir dieses Objekt nicht sich selbst überlassen.

Ich blieb stehen.

— Damals, als wir sie vor der Insolvenz bewahrt haben, bestanden die Banken auf harten Sicherheiten, — fuhr er fort. — Wir haben nicht nur ihre Kredite abgelöst, sondern auch die belasteten Vermögenswerte übernommen. Juristisch betrachtet gehören das Herrenhaus und das Grundstück unserem Agrarunternehmen. Es handelt sich um Ihre persönliche Gewerbeimmobilie. Wenn wir nun Heizung und Bewachung einstellen, riskieren wir Schäden am Gebäude. Das würde den Marktwert unseres eigenen Vermögens erheblich mindern.

Vor meinem inneren Auge tauchten Stapel von Verträgen auf, die Florian mir vor drei Jahren zwischen Baustellenbesichtigungen neuer Gewächshäuser zur Unterschrift vorgelegt hatte.

Damals war ich so erschöpft gewesen, dass ich viele Seiten kaum mehr als flüchtig überflog. Ich vertraute ihm vollkommen. Für mich waren es lediglich weitere Posten in einer endlosen Liste von Ausgaben, die ich stillschweigend für die Familie meines Mannes trug.

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