„Natürlich“, erwiderte Julia Krüger gelassen. „Ich lege dir sogar noch die Gebrauchsanweisung zu dem Präparat dazu, das du eben zusammen mit der sauren Sahne verdrückt hast.“
Maximilian Lang zog die Stirn kraus. „Was redest du da für einen Unsinn?“
„Die Tropfen, die dir dein Arzt verschrieben hat – erinnerst du dich?“ Sie neigte den Kopf leicht zur Seite, beinahe interessiert. „Ich habe eine ordentliche Menge davon unter den Salat gemischt. In Kombination mit Hochprozentigem und dieser fettigen Sahne… nun ja. Ich schätze, in ungefähr zehn Minuten wird es sehr… intensiv für dich.“
Mit einem Mal lag eine dichte Stille im Raum. Von draußen drang nur das leise Rauschen vorbeifahrender Autos herein.
Finn Hartmann legte langsam seine Gabel ab, als hätte er Angst, irgendein Geräusch könne die Situation verschärfen.
Maximilians Gesicht verlor zusehends seine Farbe. Er wusste nur zu gut, welche Wirkung das Mittel beim letzten Mal gehabt hatte. Sein Magen begann bereits verdächtig zu rumoren. In der gespannten Ruhe war das unmissverständliche Grollen deutlich zu hören.
„Bist du… komplett verrückt geworden?“ presste er hervor und klammerte sich an die Tischkante. Schweiß glänzte auf seiner Stirn.
„Im Gegenteil“, antwortete Julia ruhig und stieß sich von der Wand ab. „Ich habe vor, bei klarem Verstand zu bleiben. Und morgen auf der Jubiläumsfeier kannst du deiner Mutter gern ausrichten, dass man bei Restaurantbuffets vorsichtig sein sollte. Man weiß ja nie.“
Maximilian wollte abrupt aufstehen, doch ein Krampf zwang ihn in die Knie. Mit dem Ellenbogen stieß er ein leeres Gefäß an, das klirrend über den Boden rollte.
„Finn…“, keuchte er, unfähig sich aufzurichten. „Ruf ein Taxi… sofort. Ich muss ins Bad. Schnell!“
Ungelenk hastete er in Socken den Flur entlang. Eine Tür schlug zu, gleich darauf klickte der Riegel.
Julia ging ohne Hast ins Schlafzimmer. Sie schloss den Koffer, zog den Mantel vom Bügel und nahm ihr Gepäck. Als sie wenig später in den Flur trat, waren die Freunde ihres Mannes bereits dabei, sich hastig die Schuhe anzuziehen – keiner von ihnen schien gewillt, Zeuge des weiteren Verlaufs zu werden.
Draußen hatte der Regen aufgehört. Die Luft roch nach nassem Asphalt und frischer Kühle. Zum ersten Mal seit Langem atmete Julia tief durch. Sie umfasste den Griff ihres Koffers und machte sich auf den Weg zur Hauptstraße.
In ihrer Tasche vibrierte das Handy – die erste Nachricht ihrer Schwiegermutter bezüglich der Feier am nächsten Tag. Julia wischte sie ungelesen fort. Vor ihr lag ein Abend mit einer Freundin, heißem Tee und dem beruhigenden Gefühl, endlich in ein anderes, normales Leben aufzubrechen.
