Maximilian blinzelte irritiert. „Wie bitte?“ Seine Augen verengten sich, als hoffe er, sich verhört zu haben.
„Ich packe meine Sachen“, erwiderte Julia Krüger sachlich. „Ich gehe zu Clara Krüger. Und am Montag reiche ich die Unterlagen ein. Für die offizielle Trennung.“ Noch während sie sprach, drehte sie sich um und verschwand im Schlafzimmer.
Das metallische Klicken der alten Kofferschlösser durchschnitt die Stille. Sie riss den Schrank auf, zog mehrere Blusen von den Bügeln und warf sie achtlos aufs Bett. Im Flur polterten schwere Schritte. Im nächsten Moment stürmte Maximilian ins Zimmer, so hastig, dass er beinahe den Türrahmen streifte.
„Was für eine Trennung? Morgen feiert meine Mutter ihren Jubiläumsgeburtstag!“, brüllte er und stellte sich demonstrativ in den Durchgang. „Bist du noch ganz bei Trost? Das ganze Verwandtschaftschaos sitzt im Restaurant!“
Sein Atem ging stoßweise. Eine Fahne von abgestandenem Alkohol schlug ihr entgegen, sodass Julia unwillkürlich einen Schritt Richtung Fenster wich.
„Johanna Friedrich ist eine wunderbare Frau. Richte ihr bitte meine Entschuldigung aus“, sagte sie ruhig und stopfte ihre Kosmetiktasche in den Koffer. „Erfinde irgendetwas für die Gäste. Dass ich krank bin. Oder verschwunden. Es spielt keine Rolle.“
Er trat näher. Die schwere Sohle seines Schuhs drückte auf den geöffneten Koffer.
„Du bleibst hier“, zischte er nun leiser, doch die Drohung war deutlicher als jedes Gebrüll. „Du gehst jetzt in die Küche, bereitest etwas vor und setzt dein freundliches Gesicht auf. Ich lasse mich vor meinen Leuten nicht lächerlich machen. Klar?“
Julia musterte die angespannte Ader an seinem Hals, die geballten Fäuste. Mit einem angetrunkenen Mann in einem abgeschlossenen Raum zu diskutieren, war sinnlos. Ihr kam Claras Stimme vom Morgen in den Sinn: „Julia, er kennt keine Grenzen mehr. Leg dich nicht frontal mit ihm an. Sei klüger.“
„In Ordnung“, sagte sie schließlich und ließ den Pullover aus der Hand gleiten. „Nimm den Fuß weg. Ich mache einen Salat. Aber morgen gehst du allein zu diesem Essen. Das ist meine Bedingung.“
Ein selbstzufriedenes Grinsen huschte über sein Gesicht. In seiner Vorstellung hatte er soeben triumphiert.
„Siehst du, geht doch“, murmelte er gönnerhaft und klopfte gegen den Türrahmen. „Zehn Minuten. Und mit dem Dressing nicht sparen.“
Er verzog sich ins Wohnzimmer, wo kurz darauf wieder Geschirr klirrte. Julia schloss leise die Schlafzimmertür, blieb einen Moment stehen und atmete tief durch. Dann ging sie in die Küche.
Der Kühlschrank bot kaum Auswahl. Unten lagen drei große Tomaten, eine einzelne Gurke und ein Plastikbecher mit saurer Sahne.
