„Wenn es dir nicht passt, dann pack deine Sachen!“ sagte Maximilian verächtlich, während Julia reglos im Türrahmen stand

Diese feige, erbärmliche Demütigung bricht Herzen.
Geschichten

Im Flur hing ein schwerer Geruch aus getrocknetem Fisch, abgestandener Kleidung und Bierdunst. Julia Krüger zog die Wohnungstür behutsam hinter sich zu, damit weder Schloss noch Schlüsselbund ein Geräusch verursachten. Fast vierzig Minuten hatte sie an der Haltestelle im Regen gestanden; ihr dünner Mantel war völlig durchweicht, und kalte Tropfen liefen ihr nun an den Waden hinab.

Aus dem Wohnzimmer dröhnte schallendes Männerlachen.

— …das habe ich ihr genauso gesagt: Wenn es dir nicht passt, dann pack deine Sachen! — tönte die vertraute, leicht heisere Stimme von Maximilian Lang. — Und wohin will sie denn? Die Wohnung gehört mir, das Auto auch. Heult sich kurz im Bad aus und steht danach wieder am Herd.

Jemand kicherte unsicher, Glas klirrte.

Julia schlüpfte aus den nassen Stiefeletten. Der Stoff ihres Mantels klebte unangenehm an den Schultern. Vorsichtig setzte sie Schritt für Schritt durch den Flur, darauf bedacht, die klebrigen Flecken auf dem Laminat zu meiden, und blieb schließlich im Türrahmen stehen.

An ihrem neuen Esstisch aus hellem Holz — den sie selbst mühsam aus einem Katalog ausgesucht hatte — saßen drei Männer. Maximilian hatte am Kopfende Platz genommen, lässig zurückgelehnt, ein Bein über das andere geschlagen. Ihm gegenüber hockte Finn Hartmann, sein Kollege aus der Werkstatt, neben ihm ein fremder Kerl in ausgeleierter grauer Kapuzenjacke. Auf der Tischplatte stapelten sich leere Flaschen, zerknüllte Papiertücher und Fischreste mit schimmernden Schuppen.

— Ach, sieh mal einer an, — bemerkte Maximilian sie aus dem Augenwinkel und drehte träge den Kopf. Nicht einmal die Haltung änderte er. Sein Gesicht war gerötet, das Haar fettig glänzend. — Warum stehst du da? Geh in die Küche und besorg uns noch was zu essen. Der Käse ist alle.

Finn räusperte sich verlegen und starrte angestrengt in sein leeres Glas, als wäre dessen Boden plötzlich hochinteressant.

Julia blickte ihren Mann ruhig an. Ihre Knie zitterten nicht, Tränen blieben aus. Stattdessen lag eine bleierne Schwere in ihr. Seit acht Monaten ging alles bergab. Maximilian hatte seine Stelle im Zentrum verloren, hangelte sich von Auftrag zu Auftrag und wurde dabei immer dreister. Ihre Dienstpläne, ihre Erschöpfung nach den Schichten in der Klinik, wo sie am Empfang arbeitete, nahm er längst nicht mehr wahr. Der Alkohol war zunächst ein Wochenendritual gewesen, dann eine Laune — und schlechte Laune hatte er inzwischen ständig.

— Ich werde nichts für euch vorbereiten, — sagte Julia mit fester, erstaunlich ruhiger Stimme.

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