„Moment… Du hast sie eingeladen, zwei Wochen bei uns zu wohnen, ohne vorher auch nur ein Wort mit mir zu wechseln?“ rief Sophie fassungslos und stellte die Kaffeetasse so heftig ab, dass Kaffee über den Rand schwappte

Diese unverschämte Anmaßung bricht mir das Herz.
Geschichten

Sebastian sprang so abrupt auf, dass der Stuhl hinter ihm krachend gegen den Schreibtisch stieß.

— Ich habe dir doch erklärt, dass ich nicht irgendeinen Job annehmen kann! Ich brauche eine Position, die meiner Qualifikation entspricht. Und du… du denkst nur an dich!

Die Tür zum Arbeitszimmer fiel mit einem lauten Knall ins Schloss.

Sophie blieb allein im Wohnzimmer zurück — in jenem Raum, den sie mit so viel Hingabe restauriert hatte, um dem alten Haus wieder Würde und Charakter zu verleihen. Jede Nuance stammte aus ihrer Feder: die warmen Wandtöne, die sorgsam ausgewählten Leuchten, selbst die nostalgischen Lichtschalter aus gebürstetem Messing. Und nun sollte dieses Zuhause für zwei Wochen zur Bühne eines stillen Machtkampfes mit Magdalena Schubert werden.

Am Abend verstaute Sophie ihren Laptop, mehrere Mappen mit Bauplänen sowie sämtliche Unterlagen für die Präsentation in einer geräumigen Tasche. Als Sebastian sie dabei beobachtete, verzog er spöttisch die Lippen.

— Willst du jetzt ernsthaft im Café arbeiten? Übertreib doch nicht. Meine Mutter kommt erst morgen Abend.

— Ich fahre zu Clara. Ein paar Tage Abstand werden mir guttun. Ich muss mich konzentrieren.

Clara Friedrich war weit mehr als nur Kollegin. Fünf gemeinsame Jahre im Architekturbüro hatten aus beruflicher Zusammenarbeit eine enge Freundschaft entstehen lassen. Sie war es gewesen, die Sophie ermutigt hatte, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen.

— Zu dieser Clara? — Sebastian zog die Augenbrauen hoch. — Zu der, die dir ständig diese emanzipierten Flausen einredet?

— Sie ist eine erfolgreiche Architektin. Und sie versteht, wie wichtig dieses Projekt für mich ist.

— Aha. Und ich verstehe das angeblich nicht?

Mit müder Bewegung schloss Sophie den Reißverschluss der Tasche.

— Du hast deine Eltern für zwei Wochen in mein Haus eingeladen, ohne auch nur ein Wort mit mir zu wechseln. Und das, obwohl du genau weißt, dass ich mich auf die bedeutendste Präsentation meiner bisherigen Laufbahn vorbereite. Was genau nennst du daran Verständnis?

In Claras kleiner Wohnung duftete es nach frisch gebrühtem Kaffee und warmem Gebäck. Ohne viele Worte nahm Clara sie in die Arme und setzte sie anschließend an den Tisch, der unter Architekturzeitschriften und Skizzenbüchern beinahe verschwand.

— Erzähl, sagte sie ruhig.

Und Sophie erzählte. Nicht nur von Sebastians jüngstem Ausbruch, sondern von all dem, was sich seit Monaten in ihr angestaut hatte. Von seinen spitzen Bemerkungen, sobald sie einen neuen Auftrag gewann: „Langsam wirst du ja zu wichtig für uns Normalsterbliche.“ Von dem Theater, das er veranstaltet hatte, als eines ihrer Einfamilienhäuser in einem renommierten Magazin vorgestellt wurde: „Du hättest wenigstens sagen können, dass fotografiert wird. Dann hätte ich mein Hemd gebügelt.“ Und davon, dass er nie widersprochen hatte, wenn Magdalena Schubert vor Gästen verkündete: „Eine richtige Frau sollte niemals mehr verdienen als ihr Mann — das verletzt seinen Stolz.“

— Weißt du, was am meisten wehtut? — Sophie blickte auf die Entwürfe für das Kulturzentrum. — Ich war immer stolz auf meine Unabhängigkeit, darauf, mir alles selbst erarbeitet zu haben. Und trotzdem fühle ich mich zu Hause schuldig für jeden einzelnen Erfolg.

Am nächsten Tag saß sie in ihrem Atelier und arbeitete konzentriert an den letzten Details der Präsentation, als die Tür plötzlich mit Schwung aufgerissen wurde. Sebastian trat ohne anzuklopfen ein, sein Gesicht vor Zorn gerötet.

— Du kommst sofort nach Hause! — schleuderte er ihr entgegen, ohne eine Begrüßung. — Meine Mutter ist zutiefst beleidigt, dass du einfach verschwunden bist. Hast du keinen Respekt vor Älteren?

Sophie hob langsam den Kopf. Zwei Mitarbeiter saßen ebenfalls im Raum und taten angestrengt so, als seien sie vollkommen in ihre Arbeit vertieft.

— Sebastian, lass uns ins Besprechungszimmer gehen und in Ruhe reden, schlug sie leise vor.

— Nein! Du packst jetzt deine Sachen und kommst mit. Und dann entschuldigst du dich bei meiner Mutter!

— Ich arbeite. In zwei Tagen präsentiere ich ein Projekt im Wert von vierzig Millionen Euro.

— Dein Projekt ist mir egal! — Er schlug mit der Faust auf den Tisch, sodass Stifte zu Boden rollten. — Du bist meine Frau. Es ist deine Pflicht, zu Hause zu sein, wenn meine Eltern ankommen!

Der junge…

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