„Grüß bitte Sebastian Roth von mir.“ sagte er beiläufig im Büro, während Laura ahnungslos und erschöpft zurückblieb

Diese heimliche Lüge fühlte sich schrecklich verräterisch an.
Geschichten

Noch vor wenigen Stunden hatte dieser Mann gemeinsam mit seiner Mutter darüber gesprochen, wie man sie am geschicktesten um ihr Eigentum bringen könnte. Und jetzt stellte er sich hin, als wäre er das unschuldige Opfer einer ungeheuren Anschuldigung.

Laura verschränkte die Arme vor der Brust.
„Du hast heute Nachmittag vergessen, das Gespräch zu beenden“, sagte sie ruhig. „Ich habe jedes einzelne Wort mitgehört, das du mit deiner Mutter gewechselt hast.“

Sebastian fuhr sichtbar zusammen. Für einen Moment flackerte nackte Angst in seinen Augen auf, doch er fing sich schnell wieder.

„Da hast du bestimmt etwas falsch verstanden“, redete er hastig weiter und trat näher an den Tisch. „Wir haben nur ein bisschen herumgesponnen, weiter nichts. Meine Mutter und ich – das war doch nicht ernst gemeint.“

„Herumgesponnen?“ Lauras Stimme blieb erstaunlich gefasst. „Darüber, wie ihr mich dazu bringt, mein Vermögen auf dich zu überschreiben? Über gefälschte Unterlagen und eine erfundene Diagnose? Ist das deine Vorstellung von harmlosen Träumereien?“

„Schatz, bitte…“ Er breitete beschwichtigend die Arme aus. „Wir gehören doch zusammen. Glaubst du wirklich so einen Unsinn? Nach allem, was wir haben?“

Sie wich einen Schritt zurück. Selbst jetzt versuchte er noch, sie mit süßen Worten einzulullen, während er ihr dreist ins Gesicht log.

„Pack deine Sachen“, sagte sie mit eisiger Klarheit. „Die Wohnung gehört mir. Ich habe sie lange vor unserer Ehe gekauft. Für dich ist hier kein Platz mehr.“

„Du kannst mich nicht einfach vor die Tür setzen!“ Seine Stimme überschlug sich. „Ich bin dein Ehemann!“

„Du warst mein Ehemann“, korrigierte sie nüchtern. „Der Scheidungsantrag ist eingereicht. Die Unterlagen liegen in dieser Mappe.“

Sebastian begann rastlos durch die Küche zu laufen, rang sichtlich nach Argumenten. Die Maske des fürsorglichen Partners war endgültig gefallen.

„Wenn du Krieg willst, kannst du ihn haben!“, schrie er schließlich. „Ich klage mir die Hälfte deiner Ersparnisse ein. Dann sehen wir ja, wer am Ende gewinnt!“

Laura zuckte nicht einmal mit der Wimper. „Versuch es. Alles, was ich besitze, stammt aus der Zeit vor unserer Hochzeit. Und meine Rücklagen liegen seit Jahren auf Geschäftskonten. Du wirst keinen Cent davon sehen.“

Seine Schultern sanken. In diesem Moment begriff er, dass sein Plan gescheitert war.

Keine Stunde später verließ Sebastian die Wohnung mit einem einzigen Koffer. Noch am selben Abend ließ Laura sämtliche Schlösser austauschen.

Die Scheidung wurde erstaunlich schnell vollzogen. Sebastian blieb am Ende nur eine geringe Abfindung, weit entfernt von dem, was er sich erträumt hatte.

Etwa vier Wochen danach klingelte Dorothea Wolf an Lauras Tür. Mit verweinten Augen stand sie im Hausflur, rang die Hände und beteuerte schluchzend, sie habe von alledem nichts gewusst, ihr Sohn habe sich alles allein ausgedacht.

„Kindchen“, jammerte sie, „ich habe dich doch wie meine eigene Tochter behandelt. Du weißt, dass ich zu so etwas nicht fähig bin.“

„Jetzt weiß ich sehr genau, wozu Sie fähig sind“, entgegnete Laura und blieb im Türrahmen stehen, ohne sie hereinzubitten.

„Aber wir waren doch eine Familie“, versuchte Dorothea es erneut. „Könnten wir nicht wenigstens in Verbindung bleiben? Du bedeutest mir so viel.“

Laura schüttelte langsam den Kopf. „In einer Familie hintergeht man einander nicht.“

Damit schloss sie die Tür.

Am nächsten Tag besorgte sie sich eine neue Telefonnummer und blockierte Sebastian sowie dessen Mutter in allen sozialen Netzwerken. Dorothea musste fortan ohne die regelmäßige finanzielle Unterstützung auskommen, und Sebastian mietete sich ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft.

Laura hingegen richtete ihren Blick nach vorn. Sie baute ihr Leben neu auf – mit dem festen Entschluss, ihre Grenzen künftig konsequent zu schützen und den wahren Wert von Vertrauen niemals wieder zu unterschätzen.

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