„Überlasst uns euren Urlaub, die Familie braucht ihn dringender!“ kreischte die Schwiegermutter an der Tür, während Laura fassungslos am Bügelbrett stand

Ihre gnadenlose Anspruchshaltung war zutiefst verletzend.
Geschichten

— Da schaut mich der Kerl an der Rezeption an und fragt: „Was für All inclusive? Bei Ihnen steht nur Zimmer.“ Nur das Zimmer, verstehst du? Ich halte ihm den Gutschein unter die Nase, und er lacht mir ins Gesicht! Er behauptet, das Ding sei gefälscht!

— Lukas, bitte! Tu endlich etwas! Deine Frau hat uns in ein Gefängnis verfrachtet! Ruf den Veranstalter an, die Polizei, irgendwen!

Lukas starrte Laura an, als hätte er plötzlich vergessen, wie man den Mund schließt.

Laura nahm ihm ganz ruhig das Handy aus der Hand.

— Niemand hat euch betrogen.

— Was soll das heißen?! — keuchte Julia.

— Ihr wolltet kostenlos verreisen. Genau das ist passiert. Einem geschenkten Gaul schaut man bekanntlich nicht ins Maul.

— Du… du hast das Hotel ausgetauscht?

— Ich habe euch eine Unterkunft gebucht, die zu eurer Rolle passt. Ihr seid doch die armen Verwandten, die bemitleidenswerten Waisen. Zwei Sterne sind für euch schon Luxus genug. Richtigen Komfort muss man sich verdienen — oder eben selbst bezahlen.

— Ich bring dich um! — kreischte Julia. — Sobald wir zurück sind, kratze ich dir die Augen aus!

— Ihr kommt aber nicht früher zurück, — sagte Laura und lächelte. — Die Rückfahrt ist erst in zehn Tagen. Vorher fährt für euch nichts. Also genießt die Sonne. Man sagt doch, Ostseeluft sei gut für Kinder.

Dann beendete sie das Gespräch und schaltete das Telefon vollständig aus.

In der Küche wurde es so still, dass man das leise Summen des Kühlschranks hören konnte.

Lukas sah seine Frau an, als begegne er ihr zum ersten Mal — mit Schrecken im Blick, aber auch mit etwas, das gefährlich nach Bewunderung aussah.

— Du hast das… mit Absicht gemacht?

— Ja, Lukas. Ganz bewusst.

— Und das Geld? Unsere zweitausendfünfhundert Euro?

— Ist wieder auf der Karte. Abzüglich der Stornogebühr und dieser kleinen Rattenpension für die beiden. Das waren Peanuts, ungefähr dreihundert Euro. Der Rest ist da. Morgen können wir endlich dein Auto reparieren lassen. Oder ich kaufe mir einen Mantel. Mal sehen.

Lukas saß eine Weile reglos da und verarbeitete, was er gerade gehört hatte.

Dann schnaubte er.

Kurz darauf gluckste er leise.

Und im nächsten Moment brach er in Gelächter aus. Es klang nervös, fast ein wenig hysterisch, aber es war echtes Lachen.

— Du bist eine Hexe, Laura… Eine verdammte Schlange bist du.

— Eine Schlange, — bestätigte Laura gelassen und schenkte sich Wein nach. — Aber wenigstens kein Fußabtreter. Und auch keine heilige Märtyrerin mit Dummheitskrone.

Die folgenden zehn Tage wurden wunderbar.

Laura und Lukas fuhren nirgendwohin. Sie blieben zu Hause.

Sie schliefen aus, frühstückten spät, gingen im Park spazieren und sahen sich im Kino Filme an, für die ihnen sonst immer die Zeit gefehlt hatte.

Ihre Telefone blieben ausgeschaltet.

Laura wusste auch so, dass an der Ostsee gerade ein kleines Drama aufgeführt wurde. Julia und Emma, die sonst weiche Betten, Buffets und Klimaanlagen gewohnt waren, ernährten sich von Instantnudeln, weil der nächste Laden weit weg lag und das Geld knapp war. Zum Strand mussten sie laufen, denn der Bus fuhr nur einmal am Tag. In ihrem Zimmer brieten sie ohne Klimaanlage vor sich hin.

Julia kam zehn Tage später dunkel gebräunt zurück, aber ihr Gesicht war vor Wut völlig verzerrt.

Emma war von Mücken derart zerstochen, dass kaum eine unversehrte Stelle auf ihrer Haut geblieben war.

Sandra holte die beiden am Bahnhof ab — Laura und Lukas dachten gar nicht daran, dort aufzutauchen. Natürlich bekam Sandra sofort einen Anfall, nur musste sie ihn diesmal ohne Laura als Zielscheibe ausleben.

Seitdem spricht die Schwiegermutter kein Wort mehr mit Laura. In der ganzen Verwandtschaft erzählt sie, ihre Schwiegertochter sei „der Teufel im Rock“.

Laura nimmt es gelassen.

Lukas dagegen ist seit jener Geschichte weich wie Samt.

Bevor er seiner Mutter irgendetwas verspricht, sieht er zuerst zu Laura hinüber — vorsichtig, fragend, beinahe ängstlich.

Er fürchtet sie.

Und das ist auch gut so.

LebensKlüber