„Schon wieder? Sie war doch erst letztes Wochenende hier“ brummte Oskar, als Marie mit zwei Kindern seine Arbeitsruhe im Ferienhaus unterbrach

Aufdringliche Wärme ist tröstlich und zermürbend.
Geschichten

Die Unterlagen, die er immer noch nicht hatte durchsehen können, blieben auf dem Tisch liegen, während er Paul zum Geräteschuppen führte. Clara Hermann räumte derweil hinter den Kindern her. Dabei überschlug sie im Stillen, wie viel von ihren Vorräten inzwischen verschwunden war, und wunderte sich zum wiederholten Mal darüber, wie viel Chaos so ein kurzer Besuch anrichten konnte.

Als Marie Lange sich am Abend endlich anschickte, nach Hause zu fahren, hielt Clara es nicht länger aus.

„Marie, meinst du nicht, es wäre besser, wenn wir solche Besuche vorher absprechen würden? Wir kommen hierher, um zu arbeiten und uns ein bisschen zu erholen, nicht um jedes Wochenende Unterhaltung für Gäste zu bieten.“

Maries Gesicht wurde lang, und sofort trat ein gekränkter Ausdruck in ihre Augen.

„Ach, so ist das also! Wir stören euch! Und ich dachte immer, wir gehören zur Familie und wären hier willkommen. Oskar, hörst du eigentlich, was deine Frau da sagt?“

Oskar Roth geriet sichtbar zwischen die Fronten. Auf der einen Seite stand seine Frau, auf der anderen seine Schwester.

„Clara, jetzt übertreib doch nicht gleich… Marie, natürlich freuen wir uns, wenn ihr kommt. Aber vielleicht wäre es wirklich besser, wenn ihr vorher Bescheid sagt…“

„Das ist ja unglaublich!“, ereiferte sich Marie. „Wir kommen doch nicht mit leeren Händen! Und die Kinder sind gut erzogen, die benehmen sich doch völlig normal…“

Clara musste sich beherrschen, um nicht laut aufzulachen. Diese „gut erzogenen“ Kinder hatten bis dahin bereits eine Tasse zerschlagen, den Tisch mit Filzstift verziert und im Badezimmer eine kleine Überschwemmung verursacht.

„Es geht nicht nur um die Kinder“, erklärte Clara so ruhig, wie sie konnte. „Es geht darum, dass wir eigene Pläne haben. Ein eigenes Leben. Und ehrlich gesagt wäre es schön, wenn du wenigstens ab und zu etwas mitbringen würdest. Ein paar Kekse zum Tee, Obst für die Kinder, irgendetwas. Wir bewirten jedes Mal alle und räumen danach auch noch alles wieder auf.“

Marie plusterte sich auf wie eine beleidigte Pute.

„Na, entschuldige bitte, dass wir solche Schmarotzer sind! Ich wusste ja nicht, dass man bezahlen muss, um seinen eigenen Bruder besuchen zu dürfen!“

„Verdreh es nicht“, sagte Oskar erschöpft. „Es geht nicht ums Geld, sondern darum, dass…“

„Ich habe schon verstanden!“, schnitt Marie ihm scharf das Wort ab. „Wir werden euch nicht mehr belästigen.“

Sie trommelte die Kinder zusammen, setzte sich ins Auto und knallte die Tür so demonstrativ zu, dass es über den Hof hallte. Oskar und Clara blieben zurück und beseitigten die Spuren des Besuchs: nasse Handtücher, verstreute Spielsachen, schmutzige Teller und Gläser.

„Glaubst du, sie hat es begriffen?“, fragte Oskar, während er Kinderbücher vom Boden aufsammelte.

Clara seufzte.

„Eher nicht. Aber vielleicht haben wir jetzt wenigstens zwei Wochen Ruhe.“

Es wurden fast drei Wochen daraus, ehe Marie wieder anrief. Ihre Stimme klang versöhnlich, doch darunter lag ein deutlich zur Schau gestellter beleidigter Unterton.

„Oskar, hallo. Wie geht es euch? Alles in Ordnung gesundheitlich?“

„Ja, alles gut“, antwortete Oskar vorsichtig. „Und bei euch?“

„Auch alles bestens. Hör mal, könnten wir am Wochenende vielleicht vorbeikommen? Die Kinder vermissen das Häuschen so sehr. Sie fragen ständig, wann wir wieder zu Onkel und Tante fahren.“

Oskar sah zu Clara hinüber. Sie schüttelte vielsagend den Kopf.

„Marie, wir wollten eigentlich…“

„Wir kommen diesmal auch nicht mit leeren Händen!“, fiel Marie hastig ein. „Ich kaufe etwas Leckeres, bringe Obst für die Kinder mit. Ehrenwort, wir benehmen uns vorbildlich!“

Clara hörte mit und nickte nach kurzem Zögern. Vielleicht hatte Marie die Kritik ja doch verstanden. Vielleicht würde sich diesmal wirklich etwas ändern.

„Gut“, sagte Oskar schließlich. „Dann kommt am Samstag zum Mittagessen.“

„Danke, mein Lieber! Wir freuen uns so! Bis dann!“

Am Samstag erschien Marie mit einer großen Tasche, aus der sie feierlich ein Stück teuren Käse, eine Tüte Pfirsiche und mehrere kleine Saftpäckchen für die Kinder hervorholte.

„Da, wie versprochen!“, verkündete sie stolz. „Der Käse soll fast wie französischer schmecken, im Laden haben sie ihn sehr gelobt. Und schaut euch nur die Pfirsiche an, sind die nicht herrlich?“

Clara war ehrlich angenehm überrascht. Der Käse sah tatsächlich verlockend aus, die Pfirsiche dufteten nach Sommer, und die Kinder freuten sich über den Saft.

„Danke, Marie“, sagte sie aufrichtig. „Das ist wirklich nett von dir.“

„Ach was, wir sind doch Familie!“ Marie strahlte, als hätte sie mit dieser Tasche alles wieder ins Lot gebracht.

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