„Schon wieder? Sie war doch erst letztes Wochenende hier“ brummte Oskar, als Marie mit zwei Kindern seine Arbeitsruhe im Ferienhaus unterbrach

Aufdringliche Wärme ist tröstlich und zermürbend.
Geschichten

Clara Hermann stand auf der Veranda des Ferienhauses und sah, wie sich vom Gartentor her eine vertraute Gestalt den schmalen, gewundenen Weg entlang näherte — im Schlepptau zwei Kinder. Marie Lange trug, wie immer, eine riesige Tasche, aus der Spielsachen, Handtücher und ein aufgeblasener Schwimmring ragten. Hinter ihr trippelten die achtjährige Emma Friedrich und der fünfjährige Paul Baumann her, die schon auf halbem Weg lautstark berieten, was sie an diesem Tag alles unternehmen wollten.

„Schon wieder“, murmelte Clara und trat vom Fenster zurück. „Oskar, deine Schwester ist da.“

Oskar Roth hob den Kopf vom Laptop. Seit drei Stunden saß er über beruflichen Unterlagen, sortierte Dateien, prüfte Verträge und versuchte, endlich in Ruhe voranzukommen. Für ihn bedeutete das Haus im Grünen längst nicht nur Erholung, sondern vor allem die seltene Möglichkeit, fern vom Lärm der Stadt konzentriert zu arbeiten. Doch diese Ruhe wurde mit beunruhigender Regelmäßigkeit durch Maries Besuche beendet.

„Schon wieder? Sie war doch erst letztes Wochenende hier“, brummte er, speicherte seine Datei und klappte den Laptop zu.

Im nächsten Augenblick klopfte es bereits an der Tür: zweimal kurz, einmal lang, dann wieder zweimal kurz. Maries unverkennbares Zeichen.

„Hallo, ihr Lieben!“ Marie stürmte herein wie ein warmer Sommerwind, nur deutlich lauter. Sofort füllten ihre Stimme, ihre Bewegung und ihre Selbstverständlichkeit den ganzen Raum. „Kinder, begrüßt Onkel und Tante!“

Emma und Paul drückten den beiden gehorsam einen flüchtigen Kuss auf die Wange. Danach rannten sie auch schon los, um das Haus zu erkunden, als beträten sie es zum ersten Mal — obwohl sie erst vor einer Woche hier gewesen waren.

„Na, wie geht’s euch? Alles gut bei der Arbeit?“ Marie blickte sich um und schien gleichzeitig abzuschätzen, wo sie ihre Sachen am bequemsten ablegen konnte. „Bei uns in der Stadt ist es unerträglich heiß. Wirklich, man hält es kaum aus! Und hier bei euch ist es wie im Paradies: frische Luft, Stille, Platz. Keine Sorge, wir bleiben nicht lange. Nur ein bisschen baden, etwas essen, dann fahren wir wieder. Die Kinder haben so gebettelt, dass sie raus ins Ferienhaus dürfen!“

Clara schwieg. Sie kannte diese Vorstellung bereits. Marie kam grundsätzlich „nur kurz“ vorbei, blieb dann aber zuverlässig bis zum Abend, manchmal sogar über Nacht. Eine passende Begründung fand sich immer: Die Kinder seien erschöpft, die Rückfahrt lohne sich nicht mehr, oder es sei schlicht zu spät geworden.

„Marie, könnten wir beim nächsten Mal vielleicht vorher telefonieren?“ fragte Clara vorsichtig. „Es kann ja sein, dass wir beschäftigt sind oder selbst irgendwohin wollen.“

„Ach was, ihr macht euch viel zu viele Gedanken!“ Marie winkte ab, als sei der Vorschlag völlig absurd. „Wir gehören doch zur Familie! Emma, Paul, fasst bitte nicht Onkels Papiere an!“

Doch die Kinder hatten sich längst im Wohnzimmer ausgebreitet. Spielsachen lagen über den Boden verstreut, Paul schaltete den Fernseher auf eine Lautstärke, die durch das ganze Haus dröhnte, und Emma zog bereits neugierig die Schubladen der Kommode auf.

„Tante Clara, habt ihr etwas Leckeres da?“ fragte sie und steuerte ohne Umwege auf den Kühlschrank zu.

„Natürlich, mein Schatz.“ Clara öffnete die Kühlschranktür, holte Joghurt, Obst und Saft heraus und stellte alles auf den Tisch. Tief im Inneren wusste sie, dass die Kinder nichts für die Rücksichtslosigkeit ihrer Mutter konnten. Trotzdem sammelte sich bei jedem Besuch ein wenig mehr Ärger in ihr an.

Marie hatte sich inzwischen schon in ihren Badeanzug geworfen und auf einer Liege am Pool niedergelassen. Von dort aus rief sie den Kindern gelegentlich Anweisungen zu, während diese kreischend im Wasser planschten. Oskar versuchte noch einmal, an seine Arbeit zurückzukehren, doch an Konzentration war nicht zu denken. Die Kinder quietschten, der Fernseher lief, und Marie telefonierte laut mit einer Freundin, der sie begeistert von ihrem „herrlichen kleinen Urlaub im Grünen“ erzählte.

Gegen Mittag machte Clara einen einfachen Salat und wärmte die Suppe vom Vortag auf. Marie lobte das Essen überschwänglich, begann jedoch sofort zu erklären, wie sie selbst dieses Gericht zubereite — natürlich „ganz anders“ und mit einer geheimen Zutat. Emma und Paul aßen mit gutem Appetit, hinterließen Krümel, Kleckse und benutztes Geschirr, ohne auch nur daran zu denken, etwas wegzuräumen.

„Oskar, sag mal, hast du irgendwelches Werkzeug?“ fragte Marie schließlich, offenbar schon auf der Suche nach der nächsten Beschäftigung. „Paul möchte unbedingt etwas reparieren oder bauen. Er ist so geschickt mit den Händen, aus ihm wird bestimmt mal ein richtiger Handwerker!“

Oskar legte mit einem schweren Seufzer alles, womit er gerade beschäftigt gewesen war, zur Seite.

LebensKlüber