„Elias wird es schon überleben. Dann verbringt er den Sommer eben im Gartenhaus!“ sagte Maximilian verärgert, während Emilia schweigend die T-Shirts ihres Sohnes zusammenlegte

Egoistisch, schmerzhaft und dennoch seltsam verständlich.
Geschichten

Katharina klappte der Mund auf. Der ganze angriffslustige Schwung, mit dem sie eben noch aufgetreten war, fiel in einem einzigen Augenblick von ihr ab.

— Du hast… du hast Geld von unserem Konto genommen?

— Meinen Anteil, Katharina. Nur meinen. Den Teil, den ich genauso ehrlich verdient habe.

Emilia sah ihre Schwiegermutter so kalt an, dass diese unwillkürlich einen kleinen Schritt zurückwich.

— Und was wird dann aus uns?

Maximilian bekam rote Flecken im Gesicht. Hastig machte er einen Satz auf seine Frau zu und griff nach den Papieren, doch Emilia schob die Ausdrucke bereits ruhig zurück in den Rucksack.

— Ihr fliegt genau so, wie ihr es euch ausgedacht habt.

Ihre Stimme blieb vollkommen gleichmäßig. Kein Zittern, kein Schluchzen, keine Wut.

— Das Zimmer ist wunderbar. Für zwei Personen. Das Meer ist warm, die Luft tut gut, deine Mutter kann ihre Gelenke schonen, ihr esst Süßigkeiten, liegt in der Sonne und niemand läuft euch vor den Füßen herum. Niemandem muss man einen Sonnenhut aufsetzen, niemand quengelt, niemand stört. Ein perfekter Urlaub für einen erwachsenen Mann und seine Mutter.

— Emilia, du kommst sofort zurück!

Maximilian brüllte jetzt. Die Menschen in der Schlange drehten sich unverhohlen zu ihnen um.

— Die Reise ist für drei Personen gebucht! Für dich ist bezahlt worden!

— Dann regelst du die Erstattung mit dem Veranstalter. Oder ihr genießt euer Doppelzimmer eben zu zweit, mit allem Komfort.

Emilia wandte sich an ihren Sohn.

— Komm, Elias. Wir müssen noch durch die Sicherheitskontrolle.

— He!

Maximilian fuhr zu seiner Mutter herum. Sein Gesicht war vor Zorn verzerrt.

— Das hast du mir eingebrockt, Mama! Du hast mir meine Frau gegen mich aufgebracht!

Er riss die Arme hoch.

— Ich habe doch gesagt, dass sie ausrasten wird! Ich habe gesagt, wir sollten nicht heimlich umbuchen! Das war deine Idee!

Katharina richtete sich empört auf.

— Ach, jetzt bin ich schuld?

Sie stach mit dem Finger in seine Richtung.

— Du hast doch behauptet, sie würde es erst am Flughafen merken! Du hast gesagt, wir stellen sie einfach vor vollendete Tatsachen, dann könne sie nirgendwo mehr hin! Ein Waschlappen bist du, Maximilian, kein Mann. Deine Frau tanzt dir auf der Nase herum!

Emilia wartete nicht ab, wer von beiden diesen großartigen Plan nun tatsächlich zuerst gehabt hatte. Sie nahm Elias an die Hand, drehte sich um und ging.

Noch eine ganze Weile hörte sie hinter sich die gedämpften, durch die Entfernung verschluckten Stimmen: Katharinas schrille Vorwürfe, Maximilians Rechtfertigungen, dazwischen das unzufriedene Murmeln der anderen Reisenden. Die beiden stritten direkt am Check-in-Schalter weiter, als gäbe es niemanden außer ihnen.

Zwei Wochen später saß Emilia auf einer einfachen Kunststoffliege am Strand und beobachtete, wie Elias aus feuchtem Sand eine gewaltige Burg baute.

Das Meer rauschte leise über kleine Steine. Die Sonne sank langsam tiefer und legte einen rosafarbenen Schimmer über das Wasser.

Auf dem Tischchen neben ihr vibrierte kurz das Handy. Wieder eine Nachricht von Maximilian. Die fünfte an diesem Tag.

„Emilia, wir sind gelandet. Lass uns reden. Meine Mutter hat mir den ganzen Urlaub verdorben, es war die Hölle. Komm nach Hause, dann besprechen wir, wie es weitergeht.“

Emilia wischte die Benachrichtigung weg, ohne den Chat überhaupt zu öffnen.

Sie nahm ihr kühles Glas Saft, schloss für einen Moment die Augen und atmete tief die salzige Luft ein. Elias’ Sandburg wurde großartig.

Und zu besprechen gab es für sie rein gar nichts mehr.

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