— Wahrscheinlich wühlt sie wieder ewig in ihren Sachen herum.
Katharina rückte den Hut zurecht und schnaubte leise.
— Ich habe dir gleich gesagt, Maximilian, wir hätten ohne sie fahren sollen. Ihre Reise hätten wir einfach aufs nächste Jahr verschoben, und wir drei hätten uns in Ruhe erholt. Meine Gelenke hätten die Wärme wirklich gebrauchen können.
— Mama, bitte, hör auf.
Maximilian verzog gereizt das Gesicht.
— Es war schon schwer genug, das alles überhaupt so hinzubekommen.
Da tauchte zwischen den wartenden Reisenden plötzlich eine vertraute Jacke auf. Emilia kam ihnen entgegen, ruhig, aufrecht, mit einem Schritt, der keinen Zweifel zuließ. Neben ihr trippelte Elias, die kleinen Beine eifrig in Bewegung, und zog einen Kinderkoffer hinter sich her, der wie ein Pinguin geformt war.
Maximilian starrte sie an. Das Lächeln, das eben noch auf seinem Gesicht gelegen hatte, gefror.
— Emilia? Was macht er denn hier?
Emilia blieb etwa einen Meter vor ihm stehen. Weder Zorn noch Tränen waren in ihrem Gesicht zu sehen.
— Was wohl? Er fliegt mit ans Meer.
Maximilian warf hektisch einen Blick zur Schlange vor Schalter zweiundvierzig. Einige Leute hatten bereits begonnen, neugierig herüberzusehen.
— Emilia, bist du jetzt völlig durchgedreht?
Er trat dicht an sie heran und presste die nächsten Worte nur noch als scharfes Flüstern hervor.
— Wir haben das gestern besprochen! Für ihn gibt es kein Ticket! Ich habe dir erklärt, dass Mama eingetragen ist. Man lässt uns so gar nicht erst durch!
Katharina schob sich drohend näher an ihre Schwiegertochter heran.
— Emilia, also wirklich, das geht nun endgültig zu weit. Warum tust du dem Kind so etwas an? Erst schleppst du ihn hierher, damit ihr gleich wieder umdrehen müsst? Gib Maximilian die Pässe und schick den Jungen mit einem Taxi nach Hause!
Elias drückte sich erschrocken an das Bein seiner Mutter.
— Ich fahre nirgendwo mit dem Taxi hin.
Emilia legte ihre Hand fester um seine.
— Entschuldigung, könnten Sie bitte einmal nachsehen?
Maximilian hielt es nicht mehr aus. Er schoss zum Check-in-Schalter vor und rempelte dabei einen Mann mit Rucksack zur Seite.
— Prüfen Sie unsere Buchung! Maximilian, Emilia und Katharina!
Die Mitarbeiterin mit dem Tuch in den Firmenfarben hob kaum den Blick. Gleichgültig tippte sie auf ihrer Tastatur.
— Ja, ich habe Sie hier. Drei Reisende. Bitte die Ausweise.
Triumphierend drehte Maximilian sich zu seiner Frau um.
— Hast du gehört? Drei Personen! Emilia, mach dich nicht lächerlich. Gib die Unterlagen her, wir halten alle auf.
— Du hast recht, Maximilian.
Emilia zog ihren Pass aus der Jackentasche.
— Drei Reisende.
Dann trat sie einen Schritt zurück.
— Nur fliege ich nicht mit euch.
Maximilian blieb mit ausgestreckter Hand wie erstarrt stehen.
— Was soll das heißen, du fliegst nicht mit?
— Genau das, was ich gesagt habe.
Emilia öffnete ihren Rucksack und holte zwei ausgedruckte Reisebestätigungen hervor.
— Wie gut, dass ich vor drei Wochen zufällig in deinen Laptop geschaut habe. Während du deine Überraschungen geplant hast, habe ich ebenfalls Vorbereitungen getroffen. Von unserem gemeinsamen Sparkonto habe ich exakt meine Hälfte abgehoben. Dazu kam mein Urlaubsgeld. Für zwei hat es vollkommen gereicht.
Sie hob die Ausdrucke leicht an.
— Elias und ich fliegen in einen anderen Ferienort. Vom Terminal 3. Unser Flug geht in zwei Stunden.
