„Elias wird es schon überleben. Dann verbringt er den Sommer eben im Gartenhaus!“ sagte Maximilian verärgert, während Emilia schweigend die T-Shirts ihres Sohnes zusammenlegte

Egoistisch, schmerzhaft und dennoch seltsam verständlich.
Geschichten

gebracht werden. Da bleibt keine Minute zum Durchatmen. Maximilian soll sich schließlich erholen. Er schuftet den ganzen Tag, bringt das Geld nach Hause, hält die Familie über Wasser. Er braucht vernünftige Gesellschaft und nicht die Aufgabe, einem kleinen Kind quer über den Strand hinterherzurennen.

Emilia sah erst ihre Schwiegermutter an, dann ihren Mann. Maximilian stand mit leicht eingezogenen Schultern da, doch man merkte ihm an, wie sehr ihn die Rückendeckung seiner Mutter stärkte.

— Und wann genau hattet ihr vor, mir das mitzuteilen?

Sie zog den Reißverschluss von Elias’ Rucksack zu.

— Morgen am Flughafen? Direkt vor dem Check-in? „Überraschung, Emilia, wir fliegen ohne unseren Sohn. Ruf schnell deine Mutter an, sie soll Elias sofort abholen“?

Auf Maximilians Gesicht breiteten sich rote Flecken aus. Er hasste es, wenn Emilia so sprach: leise, ruhig, ohne ein einziges überflüssiges Wort — und trotzdem traf jeder Satz wie ein Nagel, der in den Boden geschlagen wurde.

— Was spielt das denn für eine Rolle, wann?

Er machte eine wegwerfende Handbewegung.

— Entscheidend ist, dass die Sache geklärt ist. Mutter kommt mit. Schluss. Ich bin der Mann in diesem Haus, ich habe entschieden. Mach jetzt keine Vorstellung daraus.

— Ich mache keine Vorstellung.

Emilia schwang sich den Rucksack über die Schulter.

— Elias, zieh dich an!

Aus dem Kinderzimmer stürmte ein siebenjähriger Junge, der ein nagelneues Spielzeugflugzeug hinter sich herzog.

— Mama, fahren wir jetzt schon?

— Ja, mein Schatz. Zieh bitte deine Turnschuhe an.

Katharina schnalzte missbilligend mit der Zunge.

— Wohin wollt ihr ihn denn um diese Uhrzeit noch schleppen? Der Flug geht morgen früh. Das Kind soll schlafen.

— Wir fahren jetzt, — sagte Emilia knapp.

Maximilian blinzelte verwirrt. Von seiner eben noch so demonstrativen männlichen Entschlossenheit war plötzlich kaum noch etwas übrig.

— Emilia, was hast du dir denn jetzt wieder ausgedacht? Wohin willst du? Und wozu?

— Zu meiner Mutter.

Emilia zog gelassen ihre Jacke über.

— Wenn Elias den Sommer ohnehin im Ferienhaus verbringen soll, bringe ich ihn eben sofort hin. Morgen fahre ich von meiner Mutter aus direkt zum Flughafen. Wir sehen uns am Terminal.

Maximilian atmete hörbar erleichtert aus. Offenbar hatte er mit einem gewaltigen Streit gerechnet, mit zerschlagenem Geschirr, Geschrei und vielleicht sogar dem Wort Scheidung. Stattdessen blieb alles ruhig. Seine Frau hatte kurz gemurrt und sich gefügt. Wie immer.

— Na gut.

Er brachte sogar den Ansatz eines Lächelns zustande.

— Siehst du, Mama? Hab ich doch gesagt: Emilia ist eine kluge Frau, sie versteht das schon. Fahr vorsichtig, Emilia. Morgen um acht an den Check-in-Schaltern.

— Ganz bestimmt, — erwiderte Emilia und zog die Wohnungstür hinter sich zu.

Die riesige Abflughalle summte wie ein Bienenstock. Zwischen den Schaltern zog ein kühler Luftzug hindurch, Reisende schoben hastig ihre Koffer aneinander vorbei, Kinder quengelten, Lautsprecherdurchsagen verhallten unter der hohen Decke. Maximilian warf immer wieder nervöse Blicke auf die große elektronische Anzeigetafel.

Neben ihm stand Katharina, eine Hand auf den Griff ihrer neuen Reisetasche gestützt. Sie trug eine helle Leinenbluse und einen breitkrempigen Hut, der sie ein wenig wie einen gewaltigen Steinpilz aussehen ließ.

— Wo bleibt sie denn?

Maximilian kontrollierte zum zehnten Mal sein Handy.

— Der Check-in läuft schon. Gleich steht hier eine endlose Schlange.

Katharina verzog den Mund.

— Ach, immer dasselbe mit ihr.

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