„Bis Samstag räumt ihr euer Schlafzimmer. Laura zieht ein“ verkündete meine Schwiegermutter am Telefon, nachdem sie Laura schon den Wohnungsschlüssel gegeben hatte

Warmherzig, aber manipulativ und erbarmungslos im Kern.
Geschichten

Er blieb ungewöhnlich lange im Bad, wusch sich die Hände, trocknete jeden Finger sorgfältig ab und schien dabei innerlich ganze Reden zu ordnen. Offenbar hatte seine Mutter bereits auf einem anderen Kanal ihre Lagebesprechung abgehalten.

— Emilia, meinst du nicht, wir könnten Tante Laura doch aufnehmen? — begann Lukas Peters zögerlich, als er sich zum Abendessen setzte. — Mama hat wirklich darum gebeten. Sie sagt, man müsse Menschen helfen. Es wäre eine gute Tat, nur für einen Monat. Laura sei ruhig, sie werde niemandem zur Last fallen.

Ich blieb im Flur stehen und sah meinen Mann an.

— Lukas, — sagte ich und stützte mich mit beiden Händen auf die Stuhllehne. — Deine Mutter bekommt den Ruhm einer Retterin. Ich bekomme Kochen, Waschen und eine fremde Frau in meinem Schlafzimmer. Du bekommst vier Wochen auf dem durchgesessenen Sofa und Fahrdienste für ihre Erledigungen. Klingt das für dich immer noch nach einer guten Tat?

Lukas erstarrte mit der Gabel in der Hand. Langsam schien ihm klarzuwerden, welche Katastrophe sich da anbahnte. Sein Blick wanderte zum Arbeitszimmer, in dem das alte Gästesofa stand, dessen mittlere Feder die widerliche Angewohnheit hatte, sich genau zwischen die Rippen zu bohren.

— Moment mal… Sie soll in unserem Bett schlafen?

— Ganz genau. Auf unserer Matratze. Und du wirst sie zur Arztpraxis und zum Markt fahren, weil deine Mutter ihr das ebenfalls versprochen hat.

— Ich rufe Mama sofort an, — sagte er entschlossen und schob den Teller weg.

— Lass es, — erwiderte ich mit einem kleinen Lächeln und goss mir Tee ein. — Sie soll ruhig kommen.

Am Samstagmorgen wurde die friedliche Wochenendstille von merkwürdigen Geräuschen zerschnitten. Jemand steckte beharrlich einen Schlüssel ins Schloss und versuchte, ihn umzudrehen. Der Trick war simpel: Ich hatte weder die Schlösser ausgetauscht noch Möbel vor die Tür geschoben. Ich hatte lediglich den inneren Nachtriegel vorgeschoben. Dagegen half von außen kein Schlüssel der Welt.

Nach etwa fünf Minuten vergeblichen Herumprobierens drückte die ungebetene Besucherin auf die Klingel. Lang, fordernd und mit deutlich hörbarem Vorwurf.

Ich ging ohne jede Eile zur Tür, löste den Riegel und öffnete.

Auf der Schwelle stand Laura Huber. Neben ihr türmten sich drei gewaltige Koffer, eine riesige karierte Tasche und aus irgendeinem Grund ein ausladender Ficus in einem Keramiktopf. Annas beste Freundin wirkte wie eine verwitwete Kaiserin im Exil, der man versehentlich eine zu unbequeme Kutsche geschickt hatte.

— Guten Tag, Emilia Meier, — sagte sie kühl, ohne auch nur daran zu denken, sich für den Überfall zu entschuldigen. — Was ist denn mit Ihrem Schloss? Anna Möller hat mir den Schlüssel gegeben, aber er lässt sich nicht drehen. Nehmen Sie die Koffer, sie sind schwer, und ich darf nichts Schweres heben.

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