„Ich habe meine Tasche gepackt. Ich bleibe erst einmal bei meiner Mutter. Von diesem ganzen Wanderzirkus hier habe ich genug“ verkündete Maximilian Krüger kalt im Flur, während Emma und Theo wie angewurzelt dastanden

Diese selbstsüchtige Stille schien grausam und unentschuldbar
Geschichten

Zuerst wurde er mit warmen, gefüllten Teigtaschen abgefüttert, während Gabriele Hoffmann mitleidig über seine angebliche Magerkeit seufzte. Kaum war der letzte Bissen verschwunden, zog sie jedoch ein Blatt Papier hervor. Eine Aufgabenliste.

Maximilian Krüger rief mich am Mittwoch an. Dem hohlen Widerhall nach zu urteilen, stand er irgendwo auf nacktem Beton.

— Lau… — Seine Stimme klang wie die eines angeschossenen Reihers. — Sie lässt mich den Boden auf dem Balkon neu verlegen. Und morgen fahren wir zum Gartenhaus. Sie hat sich in den Kopf gesetzt, einen alten Baumstumpf herauszureißen und den ganzen Krempel vom Dachboden wegzuschaffen.

— Abwechslung ist die beste Erholung! — antwortete ich heiter. — Du wolltest doch Ruhe haben, oder? Dann genieß die Stille und die körperliche Arbeit.

Am dritten Tag nahm er Reißaus.

Am Freitagabend polterte er in unseren Flur: zerknittert, staubig, nach alten Brettern riechend und mit der Ausstrahlung eines Mannes, der eine Schlacht verloren hatte. Seine Reisetasche ließ er so dumpf auf die Dielen fallen, als hätte er darin Pflastersteine aus dem Schrebergarten mitgebracht.

— Ich habe Hunger wie ein Wolf, — verkündete Maximilian Krüger und streifte die Turnschuhe ab. — Was gibt es zum Abendessen?

Er rechnete offenbar damit, dass seine Strafe nun abgesessen war. Dass ich sofort beglückt zum Herd eilen, irgendeinen Eintopf aufwärmen, sämtliche Kränkungen vergessen und die Kinder jubelnd aus ihren Zimmern stürmen würden.

Ich kam aus der Küche und trocknete mir langsam die Hände an einem Geschirrtuch ab. Lautlos trat Emma Peters hinter mir in den Flur.

— Hallo, Papa, — sagte unsere Tochter mit einer Stimme, so glatt und kalt wie Eis. — Hast du dich gut von uns erholt?

Maximilian Krüger stockte. Sein vorbereitetes Lächeln, diese Mischung aus erschöpftem Heimkehrer und großzügigem Gutsherrn, fiel in sich zusammen und verschwand irgendwo unter seinem Kragen.

— Du bist nicht vor dem Lärm gegangen, Maximilian, — sagte ich und sah ihm fest in die Augen. — Du bist vor deiner Verantwortung davongelaufen. Und zurückgekommen bist du nicht zu deiner Familie, sondern zum Abendessen. Genau deshalb gibt es heute keins für dich.

Er öffnete schon den Mund, um sich aufzuregen, da klingelte mein Handy auf der Kommode. Auf dem Display stand: Gabriele Hoffmann. Ohne eine Sekunde zu zögern, schaltete ich den Lautsprecher ein.

— Laura! — zwitscherte meine Schwiegermutter munter aus dem Telefon.

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