„Ich habe meine Tasche gepackt. Ich bleibe erst einmal bei meiner Mutter. Von diesem ganzen Wanderzirkus hier habe ich genug“ verkündete Maximilian Krüger kalt im Flur, während Emma und Theo wie angewurzelt dastanden

Diese selbstsüchtige Stille schien grausam und unentschuldbar
Geschichten

Und sogar der scheppert bei jeder Berührung. Also: gute Erholung im Kurhotel „Mama“.

Als die Wohnungstür hinter Maximilian Krüger mit einem beleidigten Knall ins Schloss fiel, breitete sich in der Wohnung eine Stille aus, die fast unheimlich wirkte. Ich ging in die Küche, um Saft aus dem Kühlschrank zu holen. Theo Hartmann saß am Tisch und kratzte gedankenverloren mit dem Finger über die Wachstischdecke.

„Mama“, fragte er plötzlich, ohne mich anzusehen, den Blick irgendwo an die Decke geheftet, „wenn ich laut bin, geht Papa dann jetzt immer weg?“

In diesem Moment blieb mir jede Ironie im Hals stecken. Der Spott war vorbei. Es ist eine Sache, mit einem erwachsenen Mann darum zu streiten, wer sich ausruhen darf. Eine ganz andere ist es, zuzusehen, wie das eigene Kind beginnt, sich an die Bequemlichkeitsgrenzen seines Vaters anzupassen. Ich trat zu Theo, legte ihm die Arme um die Schultern und sagte so ruhig und fest, wie ich konnte:

„Papa ist nicht gegangen, weil du zu laut bist. Er ist gegangen, weil er vergessen hat, wie man sich wie ein Erwachsener benimmt. Und darum kümmern wir uns.“

An diesem Abend bestellten wir Pizza. Ich stellte mich nicht an den Herd, um irgendein aufwendiges Ofengericht mit Fleisch, Käse und schlechtem Gewissen zu produzieren. Ich bügelte keine Hemden für den nächsten Tag. Und ich hörte auch kein mürrisches Brummen vom Sofa darüber, dass man sich in diesem Haus nach der Arbeit ja überhaupt nicht erholen könne. Stattdessen beendete ich in aller Ruhe meinen Auftrag am Laptop, sah kurz darauf die Überweisung auf dem Konto und begriff etwas höchst Merkwürdiges: Ohne diese männliche Anwesenheit, die pausenlos versorgt, beruhigt und umsorgt werden wollte, ließ es sich zu Hause leichter atmen. Unser Alltagsgebäude hatte zwar ein angeblich tragendes Teil verloren, stand aber plötzlich erstaunlich gerade.

Währenddessen erreichte die „Marsmission ohne Raumanzug“ in Gestalt von Maximilian Krüger ihr Ziel.

Gabriele Hoffmann, meine geschätzte Schwiegermutter, hatte ihren Sohn keineswegs aus blinder mütterlicher Rührung zu sich gerufen. Sie war eine Frau von beeindruckender Zweckmäßigkeit. Wenn der Sohn sich mit seiner Frau überworfen hatte und nun „vorübergehend familienfrei“ war, dann konnte man ihn schließlich sinnvoll einsetzen. Gabriele Hoffmanns Falle schnappte am folgenden Morgen mit der Unausweichlichkeit einer Guillotine zu.

LebensKlüber