„Du wirst am Wochenende eben ohne Wasser auskommen müssen – dann begreifst du vielleicht endlich, wer in diesem Haus der Mann ist“ sagte Sebastian herrisch, während er mit gepackter Reisetasche den Flur verließ

Männliche Unersetzlichkeit ist erbärmlich kurzlebig.
Geschichten

Gleich darunter stand noch der zweite Teil seines Plans: „Dann schluckt sie jeden Preis.“

Sebastian wollte mich also nicht bloß übers Wochenende ohne Wasser sitzen lassen, um anschließend als strahlender Retter auf seinem imaginären Schimmel aufzutauchen.

Er hatte die Materialien bei der Firma eines alten Schulfreundes bestellt — zum dreifachen Preis dessen, was sie tatsächlich wert waren.

Mit anderen Worten: Dieser selbst ernannte „Herr im Haus“ beabsichtigte nicht nur, mir eine Lehrstunde in angeblicher weiblicher Hilflosigkeit zu erteilen. Er wollte nebenbei auch noch rund 450 Euro aus unserem gemeinsamen Budget verschwinden lassen für Teile, die im nächsten Baumarkt kaum mehr als 150 Euro gekostet hätten.

Der letzte Rest Mitleid für meinen Mann löste sich in Luft auf. Von da an zählte nur noch nüchterne Rechnung.

Innerhalb von zwei Stunden fand ich einen Direktanbieter über einen Großhandel. Drei Minuten später war die Lieferung für Samstagmorgen vereinbart.

Weitere fünfzehn Minuten brauchte ich, um in einem regionalen Forum einen fähigen Handwerker aufzutreiben: Anton Albrecht, von allen nur Onkel Anton genannt. Er erklärte sich bereit, die Anlage zu montieren — für einen normalen Betrag und nicht für jene märchenhaften Summen, die Sebastian sonst gern mit der „Kompliziertheit männlicher Arbeit“ begründete.

Das Wochenende im Ferienhaus wurde nicht nur erfolgreich. Es bereitete mir eine beinahe unanständige, kalte Genugtuung.

Am Samstag brachte Anton Albrecht sämtliche Teile von der Liste mit, setzte die neue Pumpe ein, verlötete die Kunststoffleitungen neu, tauschte die Verbindungsstücke aus und brachte das System wieder zum Laufen.

Den alten Apparat, der angeblich „nicht mehr zu retten“ gewesen war, zerlegte er direkt vor meinen Augen. Die Ursache fand er nach wenigen Minuten: ein gelöster Kontakt. Mehr nicht. Danach nahm er das Gerät als Ersatzteilspender mit und drückte mir dafür noch 50 Euro in die Hand.

Am Sonntag gegen fünf Uhr abends duftete das ganze Grundstück nach frisch gemähtem Gras.

Die neue Pumpe arbeitete mit dem Eifer eines übermotivierten Lehrlings, während ich auf der Veranda saß und Quittungen, Garantiescheine und Lieferscheine ordentlich vor mir ausbreitete.

Das Bild war vollkommen. Ich wartete nur noch auf die Besucher.

Punkt sechs knarrte das Gartentor. Zwei Gestalten erschienen auf dem Weg.

Vorn marschierte meine Schwiegermutter Magdalena Lorenz, streng wie eine Prüfungskommission nach einer Naturkatastrophe. Hinter ihr schleppte sich Sebastian heran, mit dem leidenden Gesichtsausdruck eines erschöpften Atlas, der gerade die Welt geschultert hatte.

Offenbar hatten sie erwartet, Verwüstung vorzufinden: vertrocknete Beete, Chaos und mich, wie ich mit einem Schraubenschlüssel in der Hand hysterisch zusammenbrach.

„Na, Sophia?“ begann Magdalena Lorenz schon, bevor sie die Stufen zur Veranda erreicht hatte.

Ihre Stimme troff vor honigsüßem, klebrigem Gift.

LebensKlüber