„Haben Sie nun begriffen, Sophia Lang, dass ein Mann im Haus der Kopf der ganzen Sache ist? Eine Frau ohne Ehemann verliert doch schon die Fassung, sobald irgendwo ein Nagel schief sitzt. Sebastian hat sich solche Sorgen gemacht, wirklich, das ganze Wochenende fand er keine Ruhe.“
Genau in diesem Augenblick drang aus dem offenen Wohnzimmerfenster, wo der für den Sommer herübergebrachte Käfig stand, ein munteres, krächzendes Schnarren von Theo Bergmann:
„Kopf ist weg! Wasser ist da! Kopf ist weg!“
Magdalena Lorenz verstummte so abrupt, als hätte man einer Sängerin mitten im Auftritt die Tonspur abgedreht.
Sebastian Mayer reckte den Hals. Sein Blick blieb an dem neuen Wasserhahn an der Hauswand hängen, aus dem in der Sonne ein fröhliches, glitzerndes Tropfen fiel.
Eine Familie ist manchmal wie ein Boot: Einer rudert leise, während der andere lautstark die Strömung beschimpft und sich dabei aufrichtig für den Kapitän hält.
„Aber nein, Magdalena Lorenz“, sagte ich und machte mir nicht einmal die Mühe, aus dem Sessel aufzustehen. „Von Hilflosigkeit kann keine Rede sein. Kommen Sie ruhig herein, setzen Sie sich. Wasser haben wir, die Rohre sind erneuert, und der Druck ist besser als vorher.“
„Wie bitte… erneuert?“ Sebastian blinzelte, als hätte ich ihm eine unverständliche Fremdsprache zugemutet. „Wer hat das gemacht? Du verstehst doch überhaupt nichts davon! Dich haben sie garantiert übers Ohr gehauen!“
Theo Bergmann witterte sein Publikum. Er rückte näher an die Gitterstäbe, neigte den Kopf und legte mit der nächsten Tirade los, wobei er Sebastians Tonfall bis in die kleinste selbstgefällige Nuance kopierte:
„Kommt angekrochen! Geht unter ohne mich! Soll sie’s merken! Soll sie’s merken! Sofakrieger!“
Sebastian wurde kreidebleich. Magdalena Lorenz fuhr verwirrt zum Fenster herum.
„Sebastian, was plappert dieser Vogel da?“
„Der… der hat das sicher aus dem Fernsehen aufgeschnappt“, stammelte Sebastian kläglich und wich bereits einen Schritt in Richtung Gartentor zurück.
Seine aufgeblasene Würde zerfiel sichtbar und machte einer sehr echten Panik Platz.
Doch der gefiederte Ankläger war noch lange nicht fertig.
„Mama sagen! Mama sagen! Sophia schafft das nicht!“, krächzte Theo Bergmann triumphierend und ließ danach ein widerliches, glucksendes Lachen hören, in dem man unverkennbar Sebastians Gelächter nach einer Flasche Bier erkannte.
Auf der Veranda wurde es so still, dass sogar das Summen einer Hummel über dem Blumenbeet deutlich zu hören war.
Magdalena Lorenz’ Gesicht färbte sich tiefrot. Endlich schien ihr aufzugehen, wie weit der Plan ihres Sohnes wirklich gereicht hatte: Er hatte sich nicht „gesorgt“. Er hatte gezielt sabotiert, um sich anschließend vor ihren Augen auf meine Kosten groß aufzuspielen.
„Und jetzt hören Sie mir bitte gut zu.“
