„Im Kofferraum stehen leere Behälter, wir müssen Suppe für die ganze Woche kochen“ — forderte Christina und ließ Anna erschöpft und gekränkt im Bett zurück

Diese unerträgliche Rücksichtslosigkeit ist zutiefst ungerecht.
Geschichten

Sebastian ließ sich mit einem dumpfen Seufzer auf den Stuhl fallen. Misstrauisch stach er mit der Gabel in einen der Sojafladen. Das Ding gab elastisch nach und antwortete mit einem leisen, festen Plopp.

„Was soll das denn sein?“ Seine Stimme klang plötzlich heiser. „Und wo ist das Schweinefleisch?“

„Sebastian, Schweinefleisch ist Gift für die Blutgefäße“, tadelte ich ihn sanft und verteilte dabei den dunklen Klettenwurzelsud auf die Becher. „Das hier ist reines pflanzliches Eiweiß. Bitte langsam essen. Jeden Bissen mindestens vierzigmal kauen.“

Christina nahm einen Löffel von der grünen Suppe. Kaum hatte die Flüssigkeit ihre Lippen berührt, schluckte sie krampfhaft, verzog das Gesicht und begann zu husten.

„Anna, Liebes… gibt es vielleicht Brot? Ganz normales? Weißes?“

„Hefe ist bei uns absolut tabu“, erklärte Lukas streng, während er sich mit demonstrativem Appetit einen Pflanzenbratling in den Mund schob. Zwischen uns huschte ein verschwörerischer Blick hin und her. Eine Stunde vor ihrer Ankunft hatten wir in der Stadt ausgiebig Steaks gegessen, also konnten wir uns diese kleine Aufführung problemlos leisten.

Das Abendessen zog sich dahin, begleitet vom Zirpen der Grillen draußen und den tiefen, leidenden Seufzern meiner Schwiegermutter. Sebastian bearbeitete die Sojafasern fast zehn Minuten lang, kaute und kaute, bis er schließlich behauptete, ihm sei schlecht, und sich ins Schlafzimmer zurückzog. Christina trank heißes Wasser ohne alles und starrte dabei mit tragischer Verzweiflung auf den makellos weißen, aber vollständig leeren Kühlschrank.

Der Samstagmorgen wurde zur echten Belastungsprobe. Zum Frühstück servierte ich einen Smoothie aus gekeimtem Weizen und roter Bete. Das Getränk schmeckte, als hätte man feuchte Erde püriert. Dazu reichte ich knüppelharte Kleie-Knäckebrote.

„Das nehme ich nicht in den Mund“, zischte Sebastian und wurde beim Anblick der dunkelroten Masse noch blasser. „Davon wird mir übel. Habt ihr wenigstens Nudeln?“

„Nur glutenfreie Bohnen-Nudeln aus Mungbohnen“, bot ich fürsorglich an. „Möchtest du welche? Sie brauchen allerdings vierzig Minuten.“

Christina saß mit eingefallenem Gesicht am Tisch. Ohne ihren gewohnten Kaffee mit Sahne und ohne süßes Gebäck wirkte sie geradezu verloren.

„Anna… und was gibt es zum Mittagessen?“, fragte sie leise, ohne auch nur zu versuchen, in das steinharte Knäckebrot zu beißen.

„Einen Festtagssalat!“, rief ich und klatschte begeistert in die Hände. „Roher Kürbis mit Ingwer und dazu gebackener Tofu. Und heute Abend laufen wir barfuß durchs nasse Gras, meditieren und sammeln Energie. Die Reinigung muss schließlich jede einzelne Zelle erreichen.“

Der Bruder meines Mannes hörte auf zu kauen. Langsam wandte er den Kopf zu seiner Mutter. In seinen Augen stand das fassungslose Staunen eines erwachsenen Mannes, dem man offenbar das Essen entzogen hatte.

LebensKlüber