„Sebastian Friedrich, sieh doch nur, ist das nicht wunderschön?“ sagte Hannah bewundernd vor der Juwelierauslage, er seufzte und zog sie behutsam weg, von Geldsorgen gezeichnet

Rührend und ungerecht zugleich: stille, erschöpfte Hingabe.
Geschichten

Es war ein Plan, der ihre Ehe irgendwie wiederbeleben sollte:

Blumen.

Abendessen.

Etwas Besonderes.

Sebastian Friedrich sah auf den dritten Punkt und verzog bitter den Mund.

„Etwas Besonderes“, murmelte er in die stille Küche hinein. „Klingt ja einfach.“

Vor seinem inneren Auge tauchten sofort diese Hochglanzszenen aus Liebesfilmen auf: ein vornehmes Restaurant, eine Frau im Abendkleid, ein Kellner mit weißem Tuch über dem Unterarm, ein Diamantring, der in einem Glas Champagner funkelte.

Ihre Wirklichkeit sah anders aus. Da gab es die Raten für den neuen Kühlschrank, die immer schlimmer werdenden Blutdruckprobleme seiner Mutter und einen Sohn in der sechsten Klasse, der seine eigenen Sachen nicht fand, selbst wenn man ihm mit dem Weltuntergang drohte.

„Papa, wo sind meine grauen Socken?“ Lukas Wagner stand plötzlich in der Küchentür, gähnte herzhaft und kratzte sich den zerzausten Hinterkopf.

Sebastian atmete hörbar aus, klappte den Block zu und sah seinen Sohn an.

„In der Kommode, Lukas. Genau dort, wo sie seit fünf Jahren liegen.“

„Sind sie nicht“, widersprach der Junge sofort und schüttelte stur den Kopf. „Ehrlich. Ich hab das ganze Fach durchwühlt.“

Ohne ein weiteres Wort ging Sebastian ins Kinderzimmer, zog die zweite Schublade der Kommode auf und nahm beim ersten Griff ein Paar graue Socken heraus, das ordentlich mitten im Fach lag.

„Zauberei“, stellte er trocken fest und reichte sie seinem Sohn. „Man muss nur die Augen aufmachen, dann findet man sogar Dinge.“

„Papa, was ist denn mit dir los?“ Lukas kniff die Augen zusammen, nun endgültig wach. „Du bist irgendwie… viel zu gut drauf für sieben Uhr morgens an einem Mittwoch. Ist irgendwas passiert?“

„Ja“, sagte Sebastian und klopfte ihm auf die Schulter. „Deine Mutter und ich haben heute Hochzeitstag. Also hör gut zu: Nach der Schule gehst du direkt zu Oma. Ich habe gestern Abend mit ihr gesprochen. Sie hat Kohlpasteten gebacken. Du bleibst über Nacht bei ihr und gehst morgen von dort aus zur Schule.“

„Wow!“ Lukas’ Augen wurden rund. „Macht ihr etwa einen romantischen Abend?“

„Ich versuche, deine Mutter aus ihrem Tief herauszuholen“, antwortete Sebastian ernst. „Und jetzt ab ins Bad. Waschen.“

In der Mittagspause verließ Sebastian das Büro, als hätte er einen geheimen Auftrag.

Zielstrebig steuerte er das Einkaufszentrum in der Nähe an und betrat dort ein Juweliergeschäft. Drinnen roch es nach teurem Parfüm, im Hintergrund lief leise Musik. Vor der Vitrine mit Silberschmuck blieb er stehen und fühlte sich plötzlich unbeholfen wie ein Schüler beim ersten Rendezvous.

„Kann ich Ihnen bei der Auswahl helfen?“ Eine junge Verkäuferin mit perfektem Lächeln trat lautlos neben ihn.

„Ja“, sagte Sebastian und räusperte sich. „Ich suche ein Armband. Schmal, aus Silber. Und es sollte ein kleines Herz daran sein.“

Die Verkäuferin legte mehrere Stücke auf eine samtbezogene Unterlage.

Sebastian erkannte es sofort. In fünfzehn Jahren hatte sich das Design kaum verändert: dieselbe feine Kette, dasselbe winzige Herz, darin ein hell glitzernder Zirkonia.

„Zu gewöhnlich, meinen Sie?“ fragte er mit einem schiefen Lächeln, ohne den Blick von dem Schmuckstück zu nehmen.

„Ein Klassiker wirkt nie gewöhnlich, wenn er von Herzen kommt“, erwiderte die Verkäuferin professionell.

„Dann packen Sie es bitte ein. In die schönste Schachtel, die Sie haben.“

Der Rest des Arbeitstages zog sich endlos in die Länge.

Um Punkt sechs am Abend hielt ihn schließlich nichts mehr an seinem Schreibtisch.

LebensKlüber