Franziska gehörten dort nämlich nur der nackte Boden und ein alter, morscher Schuppen, Baujahr 2014.
Der japanische Akkuschrauber lag wie immer bereit.
Der Transporter kam eine Stunde später. Zwei Männer mit fleckigen Arbeitshosen standen vor dem Zaun und sahen schweigend zu, wie ich hinüberkletterte.
„Chefin, räumen wir hier etwa ein Haus aus?“, fragte der Ältere von beiden, Jonas Krüger.
Ich zog den blauen Koffer aus meiner Tasche. Mein treuer japanischer Akkuschrauber. Den hatte ich mir selbst gekauft, nachdem mir klar geworden war, dass man auf einen Mann mit einem befestigten Regal ungefähr so lange warten konnte wie auf Schnee im Juli.
„Wir holen mein Eigentum ab, Jonas. Für alles gibt es Belege. Rechnungen, Lieferscheine, Nachweise für die Konstruktionen. Also zügig.“
Ich begann beim kleinen Haus.
Surr. Die erste Schraube aus dem Türband.
Surr. Die zweite.
Die Tür, die ich erst im vergangenen Jahr hatte einsetzen lassen, gab nach. Teuer war sie gewesen, mit thermischer Trennung, schwer wie ein Tresor.
Jonas betrachtete die leere Öffnung und räusperte sich. „Und wenn die Polizei gerufen wird?“
„Dann sollen sie kommen. Ich habe für jeden Nagel eine Quittung. Die anderen haben nur nackte Wände.“
Wir bauten die Fenster aus. Der Kunststoff sträubte sich, der Bauschaum knackte trocken wie ein alter Knochen. Ich schnitt ihn selbst mit dem Messer frei und schürfte mir dabei die Finger auf.
Danach war das Gewächshaus an der Reihe. Fünfundvierzigtausend Euro. Premium-Polycarbonat.
Die Schrauben saßen festgerostet. Der Inbusschlüssel rutschte durch, meine Handfläche brannte vor Anstrengung.
„Ach, lassen wir das Ding doch, Chefin“, brummte der zweite Mann. „Daran sitzen wir ewig.“
Wortlos nahm ich die WD-40-Dose und sprühte die rostigen Gewinde ein.
„Ich nehme alles mit. Bis zur letzten Schraube. Dreh weiter.“
Ich bemerkte Jonas’ Blick. Ob darin Respekt lag oder Angst, konnte ich nicht sagen. Aber er griff wieder zum Schlüssel.
Es war wie ein Zurücksetzen auf Werkseinstellungen.
Das reißende Polycarbonat jammerte fast wie ein Schrei. Platte um Platte wurde gelöst und zu Rollen zusammengerollt.
„Die Pumpe aus dem Brunnen auch“, wies ich sie an. „Und die Anschlüsse. Jedes Verbindungsstück.“
Ella Krause trank hinter dem Zaun längst keinen Tee mehr. Sie klammerte sich an die Latten.
„Sophie! Du treibst sie noch in einen Anfall! Das ist doch Vandalismus!“
„Das ist Bestandsaufnahme, Ella. Franziska hat das Grundstück gekauft? Dann soll sie eben mit dem Grundstück wirtschaften.“
Ich nahm die Schaufel.
Der Boden war schwer und hart. Ich grub.
Zuerst die Johannisbeersträucher. Eine Zuchtsorte, die ich drei Jahre lang gepflegt hatte. In schwarze Säcke damit, die Wurzeln in feuchte Jute.
Dann die Hortensien. Auch die, die schon fest im Beet saßen.
Mein Kreuz begann zu ziehen, Schweiß lief mir in die Augen.
„Chefin, sollen wir die Laube auch auseinandernehmen?“
Ich sah hinüber zu ihr. Mein Bruder und ich hatten sie gebaut. Jedes einzelne Brett hatte ich eigenhändig dreimal lackiert. Ich erinnerte mich an den Geruch dieses Lacks, scharf und harzig, und daran, wie mir danach der Rücken beinahe auseinanderbrach.
