„Wozu also warten?“ fragte er und schlug nach nur zwei Monaten vor, zusammenzuziehen — sie zögerte

Unvernünftig und tröstlich, trotzdem zutiefst verlockend.
Geschichten

Sonntags stellte er sich an den Herd. Ich hatte noch nie erlebt, dass ein Mann sich so ausdauernd, gelassen und beinahe liebevoll mit Essen beschäftigte. Seine Rote-Bete-Suppe schmeckte besser als meine, das gebe ich ohne Widerrede zu.

Dann kamen die Kleinigkeiten.

Zuerst ging es um seinen Sohn. Um zehn Uhr abends klingelte das Telefon, Andreas Winter verschwand in der Küche und sprach dort eine halbe Stunde lang. Als er zurückkam, wirkte er ganz gesammelt und bat mich, ihm „bis nächste Woche“ etwas zu leihen. Bei Jonas Huber sei irgendetwas mit dem Auto passiert. Es war keine große Summe, also machte ich kein Thema daraus.

Eine Woche später meldete sich Jonas wieder. Diesmal war es etwas anderes.

Ich rechnete nicht nach. Ich fing nur an, es zu registrieren.

Meine Tochter Emma Lehmann wohnt im Berliner Umland. Einmal im Monat kommt sie vorbei und bringt meinen Enkel mit. Noah Walter ist sechs, nennt mich „Oma Mia“ und besteht darauf, dass ich Pfannkuchen mit Löchern mache, nicht einfach nur runde.

Als Emma nach Andreas’ Einzug zum ersten Mal kam, war er zu Hause. Noah stürmte sofort auf ihn zu, um Bekanntschaft zu schließen; Angst vor Menschen kennt dieses Kind nicht, das hat er eindeutig von Emma. Er kletterte neben Andreas aufs Sofa und begann, ihm sein kleines Auto zu zeigen. Andreas betrachtete ihn dabei, als sähe er ein Möbelstück an. Nicht feindselig, nicht unfreundlich. Eher wie etwas, das kurz im Raum steht und bald wieder verschwindet.

Später fragte Emma mich leise in der Küche:

„Mama, mag er Kinder überhaupt?“

Ich antwortete, vermutlich sei er es einfach nicht gewohnt. Jonas sei ja längst erwachsen.

Emma nickte nur. Sie ist ein höflicher Mensch.

Der eigentliche Knacks kam im Juli.

Noah wurde krank, nichts Dramatisches, eine normale Erkältung, aber mit Fieber. Emma rief völlig aufgelöst an. Sie lag selbst flach, ihr Mann war auf Dienstreise. „Mama, kannst du kommen?“

Nach fünfzehn Minuten war meine Tasche gepackt. Andreas und ich hatten eigentlich Pläne: ein Abendessen, für das er schon lange einen Tisch in einem Restaurant am Fluss reservieren wollte.

Ich erklärte ihm, dass Emma nicht könne, Noah krank sei und ich hinfahren müsse.

Er sah mich an. Nicht wütend, eher mit diesem leichten, fast erstaunten Blick, als hätte ich etwas vollkommen Unlogisches gesagt.

LebensKlüber