„Wozu also warten?“ fragte er und schlug nach nur zwei Monaten vor, zusammenzuziehen — sie zögerte

Unvernünftig und tröstlich, trotzdem zutiefst verlockend.
Geschichten

Andreas Winter trat im März in mein Leben. Draußen fiel nasser Schnee, überall lag grauer Matsch, und ich stand an der Kasse im Supermarkt und wühlte verzweifelt in meiner Handtasche nach der Kundenkarte. Hinter mir seufzte die Schlange bereits hörbar. Er war der zweite in der Reihe und sagte nur: „Lassen Sie sich Zeit, alles gut.“ Einfach so. Ohne genervten Unterton.

Ich drehte mich um. Etwa fünfundfünfzig, Mantel, ein ganz normales Gesicht — aber sein Lächeln war warm. Kein höfliches Pflichtlächeln.

Vor dem Ausgang kamen wir ins Gespräch. Dabei stellte sich heraus, dass wir fast Nachbarn waren, nur ein paar Häuser voneinander entfernt. Er war seit drei Jahren Witwer. Ich lebte seit acht Jahren geschieden.

Eine Woche später lud er mich zu einer Ausstellung ein.

Als ich meiner Freundin Sandra Otto davon erzählte, fragte sie sofort: „Und? Hat er eine eigene Wohnung?“

Sandra ist bei uns die Nüchterne.

Eine Wohnung hatte er. Ein Auto ebenfalls. Und Arbeit auch, irgendetwas im Bauwesen, ich fragte nicht genauer nach. Damals hielt ich das für nebensächlich. Wichtiger schien mir etwas anderes: Er hörte zu. Nicht nebenbei, sondern wirklich.

Er merkte sich Kleinigkeiten. Einmal sagte ich beiläufig, ich möge Kirschkuchen lieber als Apfelkuchen — für mich ein entscheidender Unterschied, Apfelkuchen wirkt immer so trostlos. Beim nächsten Treffen brachte er Kirschkuchen mit. Aus der Bäckerei in der Friedrichstraße, die ich nur ein einziges Mal am Rand erwähnt hatte.

Genau damit hatte er mich. Solche Gesten bringen einen immer aus dem Gleichgewicht.

Im Mai schlug er vor, zusammenzuziehen.

Wir kannten uns gerade einmal zwei Monate. Ich hatte noch nicht einmal richtig begriffen, ob ich seinen Geruch mochte.

„Mia Lang, wir sind doch keine zwanzig mehr“, sagte er. „Wozu also warten?“

Die Logik klang unangreifbar. Ich nickte.

Auf dem Heimweg dachte ich dann: Moment mal. Das geht viel zu schnell. Zwei Monate sind praktisch nichts.

Trotzdem rief ich ihn an und sagte: „Lass es uns versuchen.“

Er zog zu mir. In seiner Wohnung lebten irgendwelche Verwandten, und es sei ihm unangenehm, sie hinauszuwerfen, „sie haben sich gerade erst eingerichtet“. Nun gut. Meine Dreizimmerwohnung war groß genug, Platz gab es.

Die ersten zwei Wochen fühlten sich an wie im Film.

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