Das Geld dafür sollte dann in deinen schicken neuen Geländewagen fließen. Nur hat dein Vater dein kleines Manöver durchschaut und dich vor die Tür gesetzt. Also hör auf, dich als fürsorglichen Wohltäter aufzuspielen, der sich angeblich um Blutdruck, Wetter und fremde Lebensumstände sorgt. Dir wurde schlicht der Geldhahn zugedreht.“
Alexander sprang vom Sofa hoch. Die selbstsichere Maske fiel ihm in einem einzigen Augenblick vom Gesicht. Zurück blieb nur die hektische Unruhe eines Menschen, der auf frischer Tat ertappt worden war.
„Du hast das völlig falsch verstanden! Mein Vater ist alt, der bringt alles durcheinander. Das waren doch nur Überlegungen, nichts Konkretes…“
„Welche Art von Überlegungen das waren, interessiert mich nicht mehr“, unterbrach ich ihn ruhig. Auch ich erhob mich. „Ich bin müde, Alexander. Müde von deinen Lügen, deinen Drohungen, deinen Spielchen. Das hier war schon lange keine Ehe mehr. Es war Ausnutzung. Und als du mit der Scheidung herumgeschrien hast, dachtest du wahrscheinlich, du würdest mich damit gefügig machen. In Wahrheit hast du mir endlich den Ausgang gezeigt.“
„Hannah Werner, jetzt übertreib nicht. Was für eine Scheidung? Wir sind erwachsene Menschen…“ Er machte einen Schritt auf mich zu und wollte nach meiner Hand greifen, doch ich wich zurück.
„Eben weil ich erwachsen bin, verschwende ich keine weitere Minute meines Lebens an dich. Ich habe nicht darauf gewartet, dass du dich irgendwann besinnst. Den Antrag beim Familiengericht habe ich noch am selben Abend über das Online-Portal eingereicht, direkt nachdem du mir dein Ultimatum gestellt hast. Eine Benachrichtigung müsste längst bei dir angekommen sein. Schade nur, dass du offenbar so sehr mit der Auswahl deines neuen Autos beschäftigt warst, dass du nicht einmal deine E-Mails liest.“
Ich ging in den Flur, öffnete den Einbauschrank und zog zwei große Koffer hervor. Sie waren bereits gepackt; ich hatte sie am Nachmittag vorbereitet, während er bei der Arbeit gewesen war.
„Deine Sachen sind vollständig drin. Nur deine Zahnbürste liegt noch im Bad, die kannst du mitnehmen. Und die Schlüssel zu meiner Wohnung legst du bitte auf die Kommode.“
Er blieb mitten im Flur stehen, fassungslos und kleinlaut. Sein Blick wanderte von den geschlossenen Reißverschlüssen der Koffer zu meinem vollkommen ruhigen Gesicht. Da begriff er endlich: Das war kein Anfall, kein Streit, keine Szene. Das war das Ende. Der Faden, an dem er mich jahrelang hatte ziehen wollen, war einfach gerissen.
Zehn Minuten später fiel die Tür hinter ihm ins Schloss. In der Wohnung blieben nur die Schatten meiner gestrigen Angst zurück.
