Alexander Albrecht räusperte sich auffällig, beinahe wie auf einer Bühne, und verkündete mit der Stimme eines Mannes, der soeben eine außerordentlich kluge Entscheidung getroffen hatte:
„Ich habe nachgedacht. Meine Eltern bleiben besser dort, wo sie sind. Ich werde ihnen vor Ort eine gute Haushaltshilfe organisieren, das ist vernünftiger. In ihrem Alter ist ein Klimawechsel nicht gesund, außerdem kennen sie ihre Ärzte und sind an sie gewöhnt. Und du und ich können endlich unser eigenes Leben führen.“
Er sah mich prüfend an. Ganz offensichtlich rechnete er mit Dankbarkeit. Er wartete darauf, dass ich erleichtert aufatmete, mich freute und alles wieder in die alten Bahnen zurückkehrte.
Ich nahm wortlos einen Schluck Tee aus meiner Tasse und stellte sie anschließend auf den kleinen Tisch.
„Gut“, sagte ich.
Genauso ruhig, genauso unbeteiligt wie damals in der Küche. Nicht einmal ein Lächeln brachte ich zustande.
Alexander Albrecht zog die Stirn kraus. Mit der Fernbedienung schaltete er den Fernseher aus, warf sie neben sich aufs Sofa und beugte sich zu mir vor.
„Hör mal, ich verstehe das nicht“, sagte er, und seine Stimme bekam einen gereizten Klang. „Wir haben das doch geklärt. Ich bin dir entgegengekommen. Ich habe den Umzug abgeblasen! Und du sitzt hier mit diesem versteinerten Gesicht, als wäre überhaupt nichts passiert. Bist du nicht mal mehr wütend?“
„Nein“, erwiderte ich und wandte den Kopf zu ihm.
„Warum nicht? Ich weiß doch noch genau, wie du schon bei dem Gedanken an die Unterlagen gezittert hast. Jetzt habe ich alles selbst gestoppt, und von dir kommt nicht ein einziges freundliches Wort. Wie kann man nur so kalt sein?“
Er war tatsächlich überzeugt, im Recht zu sein. Für ihn war das Ganze offenbar nur ein Kräftemessen gewesen, das ohne Sieger geendet hatte. Für mich dagegen war es eine Prüfung gewesen, und er hatte sie auf ganzer Linie nicht bestanden.
Ich betrachtete sein empörtes Gesicht und konnte nicht anders. Meine Mundwinkel zuckten spöttisch.
„Worüber soll ich mich freuen, Alexander Albrecht?“, fragte ich langsam und sah ihm direkt in die Augen. „Darüber, dass dein Vater klüger war als du und sich strikt geweigert hat, sein Haus auf deinen Namen überschreiben zu lassen?“
„Ja, Alexander Albrecht, ich weiß alles“, fuhr ich mit unverändert ruhiger Stimme fort. „Dein Vater hat mich gestern Nachmittag angerufen. Es war ihm furchtbar unangenehm. Er hat sich lange bei mir dafür entschuldigt, dass er einen solchen Sohn großgezogen hat. Er hat mir erzählt, wie du deine Eltern möglichst schnell bei mir anmelden, ihr Grundstück verkaufen und den Erlös für deine eigenen Pläne verwenden wolltest.“
