„„Oh, das riecht gut. Kommst du klar?“ sagte Lukas abwesend, während Sophie sechs Stunden allein für zwölf Gäste kochte

Diese unfaire Gewohnheit zermürbt mein Herz.
Geschichten

Schweinebraten. Caesar-Salat. Makrelenroulade. Kartoffeln nach Bauernart. Honigtorte. Darunter noch sieben weitere Punkte, eng und hastig notiert, mit drei Ausrufezeichen hinter »Sülze!!!«

Zwölf Gerichte. Nicht zehn wie am Frauentag. Zwölf. Für zwanzig Personen. Lukas hatte einfach zwei weitere Sachen ergänzt, ohne mich auch nur zu fragen, ob ich sie zubereiten wollte. Genau genommen hatte er mich überhaupt nicht gefragt, ob ich an diesem Tag irgendetwas kochen wollte.

Ich holte den Taschenrechner. Mehl, Fleisch, Fisch, Gemüse, Schmand, Butter, Eier — zusammen etwa hundertachtzig Euro. Mindestens drei volle Tage in der Küche. Zwei davon hätte ich Nachhilfestunden geben können: fünf Euro pro Stunde, sechs Stunden täglich. Dreihundert Euro Einnahmen, die mir entgingen.

Am Abend rief Katharina Huber an.

»Sophie, Lukas hat gesagt, die Feier findet bei euch statt? Richtig festlich, wie im Restaurant? Ach, ich freue mich so! Ich habe es schon Mia Lang erzählt, und Nicole Möller, und Louisa Albrecht auch.«

Sie hatte es also erzählt. Allen. Zwanzig Leuten. Ich hatte noch nicht einmal zugesagt, aber das Festessen war längst verkündet.

»Katharina, wir sprechen noch darüber, wie wir es machen«, sagte ich vorsichtig.

»Ach was, Lukas meinte, es sei alles geklärt. Auf meinen Sohn kann man sich verlassen. Der ist verantwortungsbewusst.«

»Mich hat er allerdings nicht gefragt.«

Für einen Moment wurde es still. Katharina tat, als hätte sie den Satz nicht richtig verstanden.

»Sophie, du bist doch so tüchtig. Und kochen kannst du — ein Traum. Alle schwärmen jedes Mal davon.«

Ich beendete das Gespräch, rückte meine Brille zurecht und blieb neben dem Telefon stehen. Meine Hände zitterten leicht. Alle schwärmten. Nur schwärmten sie nie von mir, sondern von Lukas.

Später trat ich mit dem Taschenrechner zu ihm in die Küche.

»Hundertachtzig Euro für Lebensmittel. Drei Tage Arbeit. Wenn ich meine Nachhilfestunden mitrechne, die ausfallen, sind das weitere dreihundert Euro. Macht zusammen vierhundertachtzig Euro. Im Restaurant ›Zur Linde‹ kostet ein Essen für zwanzig Personen vierhundertfünfzig.«

Lukas sah erst auf die Anzeige des Rechners, dann zu mir hoch.

»Du rechnest jetzt ernsthaft aus, was meine Mutter kostet?«

»Ich rechne mein Geld aus. Und meine Zeit.«

»Sophie, bitte. Du kochst besser als jedes Restaurant. Mama wird überglücklich sein.«

Damit erhob er sich und verließ die Küche.

Ich blieb mit dem Taschenrechner in der Hand zurück. Acht Jahre. Fünf, manchmal sechs Feiern pro Jahr. Jedes Mal zehn bis zwölf Stunden am Herd. Zusammengerechnet waren das mehr als vierhundert Stunden zwischen Töpfen, Blechen und Salatschüsseln. Und nicht ein einziges ehrliches: »Danke, Sophie.« Nur immer: »Lukas, das hast du großartig gemacht.«

Am nächsten Tag meldete sich Lena Krüger, eine Kollegin aus dem Kolleg.

»Sophie, am Samstag läuft im Capitol der neue Film. Kommst du mit?«

»Welcher Samstag?«

»Dieser. Der einundzwanzigste.«

Der einundzwanzigste Juni. Katharina Hubers fünfundsiebzigster Geburtstag.

»Ich überlege es mir«, antwortete ich.

Und genau das tat ich.

Der Morgen des einundzwanzigsten brach an. Samstag. Ich wachte um sieben Uhr auf. Lukas war bereits auf den Beinen und bewegte sich gut gelaunt durch die Wohnung. Er hatte sich rasiert und ein frisches Hemd angezogen.

Um acht steckte er den Kopf in die Küche.

»Sophie, wann legst du los? Die Gäste kommen um drei.«

Ich saß am Tisch und hielt eine Tasse Tee in den Händen. Die Liste mit den zwölf Gerichten hing noch immer am Kühlschrank. Eingekauft hatte ich nichts.

»Lukas, wo sind die Lebensmittel?«, fragte er und riss die Kühlschranktür auf. Milch, Eier, Butter. Das, was immer da war.

»Ich habe keine Lebensmittel gekauft.«

»Wie bitte — nicht gekauft?«

Er drehte sich zu mir um. Die Arme gingen bereits auseinander, diese vertraute Geste, die jedes Gespräch in einen Vorwurf verwandelte.

»Sophie, in sieben Stunden stehen hier die Gäste!«

»Ich weiß.«

»Und wer soll kochen?«

Ich nahm einen Schluck Tee, stellte die Tasse sorgfältig auf die Untertasse zurück und sah ihn an.

»Du. Du wolltest zu Hause feiern. Du hast das Menü geschrieben. Du hast zwanzig Menschen eingeladen. Du hast deiner Mutter ein Festessen versprochen. Also kochst du auch.«

Zuerst wurde Lukas blass, dann stieg ihm die Röte ins Gesicht. Schließlich ließ er sich auf einen Stuhl sinken.

»Das ist ein Scherz.«

»Nein.«

»Sophie, das ist ein Jubiläum! Von meiner Mutter! Fünfundsiebzig!«

»Ich habe zweimal ein Restaurant vorgeschlagen. Du hast gesagt, es sei zu teuer. Du hast gesagt, ich würde das schon schaffen. Nur habe ich mich zu nichts verpflichtet.«

»Aber du hast doch immer gekocht!«

»Acht Jahre lang, Lukas. Zu jedem Feiertag. Und jedes Mal haben die Gäste sich bei dir bedankt.«

Er öffnete den Mund, schloss ihn wieder und setzte noch einmal an.

»Was soll ich denn jetzt machen?«

LebensKlüber