Zwei Tage lang stand ich in der Küche. Am sechsten März kam ich um vier vom Berufskolleg nach Hause, ließ die Tasche mit den Heften einfach in die Ecke fallen und stellte mich an den Herd. Hefeteig für die Pasteten, Brühe für den Aspik, Rinderzunge in den Topf. Lukas tauchte gegen sechs auf, aß zu Abend und streckte sich anschließend auf dem Sofa aus.
»Sophie, soll ich dir vielleicht helfen?«
»Marinier das Fleisch. Ich habe es dir doch gezeigt.«
»Ich mache es sowieso falsch. Nachher musst du alles noch einmal machen.«
Er sagte das mit einer solchen Ruhe, als sei es völlig selbstverständlich, Hilfe zu verweigern, nur weil man keine Lust hatte, etwas zu lernen. Ich schwieg. Und legte das Fleisch selbst in die Marinade.
Am siebten waren die Salate an der Reihe, das Hauptgericht, die Torte. Sechs Böden für den Napoleon. Jeden einzelnen ausrollen, backen, abkühlen lassen. Die Creme musste extra gekocht werden. Um ein Uhr nachts war ich endlich damit fertig, die Schichten zu bestreichen. Meine Hände zitterten vor Erschöpfung, und am Morgen warteten trotzdem noch sechs weitere Stunden Arbeit auf mich.
Am achten deckte ich den Tisch für zwei Uhr. Tischdecke, Teller, Gläser. Lukas besorgte Blumen. Tulpen. Nicht für mich, sondern für seine Mutter.
Katharina Huber kam als Erste. Sie trat ein, ließ den Blick über den gedeckten Tisch wandern und fuhr mit dem Finger am Rand eines Tellers entlang.
»Hübsch«, sagte sie. »Lukasilein, das hast du gut gemacht.«
Lukasilein. Gut gemacht.
Ich stand daneben, mit Schürze, Mehl am Ärmel und dunklen Schatten unter den Augen, weil ich kaum geschlafen hatte. Katharina Huber drückte mir eine Tüte Mandarinen in die Hand.
»Für dich und Lukas. Alles Gute zum Frauentag.«
Eine Tüte Mandarinen. Zum achten März. Für mich die Tüte, für Lukas das Lob.
Beim Essen hob Onkel Matthias Böhm sein Glas.
»Auf den Hausherrn! Lukas, du verstehst es wirklich, Gäste zu empfangen!«
»Wir geben uns Mühe«, sagte Lukas und lächelte.
Schon wieder dieses Wir. Ich umklammerte die Gabel so fest, dass meine Fingerknöchel weiß hervortraten. Dann hielt ich es nicht mehr aus.
»Lukas, erzähl den Gästen doch mal, was du gekocht hast«, sagte ich. »Von den zehn Gerichten. Nenn wenigstens eines.«
Es wurde still. Matthias Böhm senkte sein Glas. Katharina Huber sah ihren Sohn an.
»Na ja, ich habe doch alles organisiert«, murmelte Lukas und drehte die Gabel zwischen den Fingern. »Die Torte habe ich gekauft.«
»Die Torte«, wiederholte ich. »Von zehn Gerichten hast du die Torte gekauft.«
Lukas schenkte sich Wasser ein. Jonas König, sein Bruder, räusperte sich und begann hastig, irgendetwas über das Wetter zu erzählen. Das Gespräch wurde zugedeckt wie ein Fleck auf der Tischdecke. Aber ich sah, wie Katharina Huber die Lippen zusammenpresste.
Nachdem die Gäste gegangen waren, spülte ich anderthalb Stunden lang Geschirr. Lukas lag auf dem Sofa.
»Sophie, es war ein schöner Feiertag. Mama war glücklich.«
Ich hängte die Schürze an den Haken. Dann betrachtete ich meine Hände: gerötet vom heißen Wasser, mit kurz geschnittenen Nägeln. Dozentin am Berufskolleg, vierundvierzig Seminararbeiten auf dem Schreibtisch, und meinen achten März hatte ich am Herd verbracht.
»Lukas.«
»Hm?«
»Beim nächsten Mal gehen wir bitte in ein Restaurant.«
»Mal sehen«, sagte er und schaltete um.
Bei Lukas bedeutete »mal sehen« immer »nein«.
Im April kam Lukas in die Küche, während ich Klassenarbeiten korrigierte. Er ließ sich auf einen Stuhl sinken, lehnte sich zurück und trommelte mit den Fingern auf die Tischplatte. Diese Geste kannte ich. Gleich würde eine Ankündigung kommen.
»Sophie, Mama hat im Juni Jubiläum. Fünfundsiebzig.«
Ich hob den Kopf.
»Ein runder Geburtstag. Das muss man ordentlich feiern«, erklärte er in einem Ton, als hätte er längst alles entschieden. »So zwanzig Leute. Bei uns. Wie immer.«
»Lukas, zwanzig Personen sind nicht einfach ›wie immer‹. Lass uns ein Restaurant buchen. Im Birkenhof ist die Küche gut.«
»Hast du eine Vorstellung, was das kostet? Für zwanzig Leute?«
»Und hast du eine Vorstellung, was Lebensmittel für zwanzig Leute kosten?«
»Das ist doch etwas anderes. Einkaufen ist billiger.«
»Billiger ist es nur, weil meine Arbeit nichts kostet.«
Er runzelte die Stirn. Entweder verstand er es wirklich nicht, oder er tat so.
»Sophie, es geht um meine Mutter. Das erlebt man nur einmal. Fünfundsiebzig.«
Ich wollte sagen, dass in den letzten acht Jahren jeder einzelne Anlass bei uns angeblich »nur einmal im Leben« gewesen war. Doch ich schwieg. Lukas war ohnehin schon aufgestanden und ging ins Wohnzimmer, um die Verwandtschaft anzurufen.
Drei Tage später hing ein neuer Zettel am Kühlschrank. Zwölf Gerichte. Ich las ihn von oben bis unten durch.
