„„Oh, das riecht gut. Kommst du klar?“ sagte Lukas abwesend, während Sophie sechs Stunden allein für zwölf Gäste kochte

Diese unfaire Gewohnheit zermürbt mein Herz.
Geschichten

»Sophie, am Samstag bekommen wir Besuch.«

Ich stellte die Pfanne auf den Herd und drehte mich um. Lukas Baumann saß am Küchentisch, wischte auf seinem Handy herum und sah nicht einmal auf.

»Was für Besuch?«

»Tante Sandra Sommer. Geburtstag. Ich habe gesagt, wir feiern bei uns. Es werden so zwölf Leute.«

Tante Sandra war eine Freundin seiner Mutter. In meinem ganzen Leben hatte ich sie vielleicht viermal gesehen. Aber Lukas hatte längst entschieden. So, wie er immer entschied: für uns beide. Vor allem für mich.

Seit sechsundzwanzig Jahren sind wir verheiratet. In den ersten achtzehn davon fiel mir kaum auf, wie dieses Muster funktionierte. Lukas lud ein, ich kochte. Lukas versprach etwas, ich setzte es um. Alles lief wie von selbst, aus Gewohnheit. Ich unterrichte an einem Berufskolleg, betreue drei Gruppen und korrigiere Seminararbeiten oft bis Mitternacht. Und am Wochenende stehe ich am Herd, weil Lukas irgendwem ein Fest zugesagt hat.

Vor acht Jahren wurde daraus ein richtiges System.

An jenem Samstag stand ich um sechs Uhr morgens auf. Tante Sandra mochte Sülze, das hatte Lukas mir am Abend vorher mitgeteilt. Außerdem sollte es Zungensalat geben, eine Hühnerpastete, zwei warme Gerichte und gefüllte Pfannkuchen. Die Zunge brauchte drei Stunden, die Sülze vier. Also setzte ich beide Töpfe auf und begann mit dem Teig für die Pastete.

Lukas wachte gegen zehn auf. Er steckte den Kopf in die Küche und schnupperte.

»Oh, das riecht gut. Kommst du klar?«

»Lukas, schneid wenigstens das Brot.«

»Ich fahre den Kuchen holen. Welchen soll ich nehmen?«

»Irgendeinen.«

Er war anderthalb Stunden weg. Zurück kam er mit einer Torte und einer Flasche Wein, stellte beides auf den Tisch und verschwand vor den Fernseher. Ich häutete inzwischen die Zunge, formte die Pastete und schnitt die Salate. Sechs Stunden ohne Pause. Mein Rücken brummte, die Beine waren vom langen Stehen schwer und geschwollen.

Am Tisch hob Tante Sandra ihr Glas.

»Lukas, vielen Dank. Was für eine Tafel!«

Lukas nickte. Bescheiden, aber mit dieser würdevollen Miene.

»Wir haben uns Mühe gegeben«, sagte er.

Dann wandte sich Tante Sandra an mich.

»Sophie, hast du mitgeholfen?«

Fast wäre mir der Teller aus der Hand gerutscht. Mitgeholfen. Sechs Stunden am Herd waren also »mitgeholfen«.

»Lukas, erzähl doch, wie du drei Stunden lang das Fleisch mariniert hast«, sagte ich.

Er sah mich an und wurde rot. Tante Sandra blickte erst zu ihm, dann zu mir, dann wieder zu ihm.

»Na ja, wir haben das zusammen gemacht«, murmelte Lukas und wechselte hastig das Thema.

Nach dem Essen spülte ich länger als eine Stunde. Zwölf Teller, Gläser, Töpfe, ein Backblech. Lukas schaute im Wohnzimmer Fußball.

»War doch ein schöner Abend!«, rief er. »Alle sind zufrieden.«

Ich trocknete den letzten Teller ab und hängte das Handtuch auf. Zufrieden, ja. Alle außer mir. Aber Lukas bemerkte es nicht. Oder er wollte es nicht bemerken.

Eine Woche später lehnte er sich auf seinem Stuhl zurück und verkündete, dass wir den achten März ebenfalls zu Hause feiern würden.

»Mama kommt. Und Jonas König mit seiner Frau. Außerdem Onkel Matthias Böhm.«

»Lukas, könnten wir nicht in ein Restaurant gehen? Ich bin müde.«

Er sah mich an, als hätte ich etwas völlig Abwegiges vorgeschlagen.

»Warum Geld ausgeben? Du kochst doch großartig.«

Ja, ich koche gut. Das stimmt. Aber das bedeutet nicht, dass ich meinen eigenen Feiertag an der Spüle verbringen möchte.

Am Kühlschrank hing plötzlich eine Liste. Lukas hatte sie mit der Hand auf ein Blatt aus seinem Notizblock geschrieben: »8. März. Menü«. Zehn Punkte. Kartoffelsalat, Hering im Schichtsalat, Rinderzunge in Aspik, Fleisch nach französischer Art, gefüllte Paprika, Kohlpiroggen, Pfannkuchen mit rotem Fisch, Rote-Bete-Salat, Napoleon-Torte, Aufschnitt.

Zehn Gerichte. Für zwölf Personen. Ich rechnete nach: Lebensmittel für etwa 140 Euro. Zwei Tage Vorbereitung, jeweils sechs Stunden. Zusammen also zwölf Stunden meiner Zeit. Mein freier Tag. Mein Fest.

Ich ging zu Lukas.

»Könntest du wenigstens das Fleisch marinieren? Daran ist nichts Schwieriges. Senf, Salz, Pfeffer.«

»Sophie, du weißt doch, dass ich das nicht kann.«

»Du hast es nie versucht.«

»Ich verderbe es nur. Und am Ende bist du dann wütend.«

Er breitete die Arme aus. Diese großen Hände, die er ständig hilflos zur Seite streckte, als wollten sie sagen: Was soll ich denn machen? Und die genau deshalb nie etwas machten.

LebensKlüber