Doch jede Mühe verlief im Nichts.
„Dir ist schon klar, dass du in diesem Haus nicht die Hausherrin bist?“, sagte Elisabeth Sommer gern, sobald sie mit Lena Mayer allein war. „Mein Sohn hätte etwas Besseres verdient. Du bist nur ein vorübergehender Irrtum.“
Maximilian Weiß hielt sich aus allem heraus. Seine immer gleiche Ausrede lautete: „Mama kommt mit Papas Tod noch immer nicht zurecht. Sei vernünftiger, sag einfach nichts.“ Für Lena waren diese Worte schlimmer als jeder offene Streit.
Er entschied sich für Bequemlichkeit. Seine Frau in Schutz zu nehmen hätte bedeutet, Elisabeths Wohlwollen zu verlieren — und damit auch die großzügigen Geldflüsse aus den Konten der väterlichen Firma, die inzwischen von seiner Mutter kontrolliert wurde.
Das Ende kam an einem regnerischen Novemberabend.
Lenas Mutter wurde fünfzig. Seit einem Monat hatte Lena diesen Tag vorbereitet, ein schönes Geschenk besorgt und sich extra früher von der Arbeit freigenommen.
Sie stand bereits im Flur, den Mantel übergeworfen, als vom oberen Stockwerk eine schneidende Stimme herabklang:
„Lena! Wo willst du denn hin?“
Elisabeth Sommer schritt würdevoll die Treppe hinunter.
„Meine Mutter hat Geburtstag, ich habe es doch gesagt. Maximilian und ich fahren jetzt los.“
„Maximilian fährt nirgendwohin. Er hat Kopfschmerzen. Und du bleibst ebenfalls hier. In einer Stunde kommt der Notar mit Unterlagen zu den Grundstücken. Du bereitest Tee vor und deckst im kleinen Salon.“
Lena erstarrte.
„Elisabeth Sommer, ich habe Sie vor einem Monat informiert. Ich fahre zu meinen Eltern. Tee können Sie sich selbst einschenken.“
Die Augen ihrer Schwiegermutter wurden schmal.
„Was hast du da gesagt? In diesem Haus tust du, was für unsere Familie notwendig ist. Andernfalls kannst du verschwinden, wohin du willst!“
Lena wandte den Blick zu ihrem Mann, der in diesem Moment aus dem Arbeitszimmer trat. Maximilian sah zur Seite.
„Lena, bitte. Fahr doch morgen zu deinen Leuten. Mama braucht Hilfe.“
Da riss in ihr etwas endgültig ab. Drei Jahre Erschöpfung, Kränkungen und Demütigungen verloren mit einem Schlag ihre Macht. Sie spürte weder Angst noch Schuld. Nur eine klare, stille Leere — wie unmittelbar vor einer Entscheidung, die längst überfällig war.
Langsam zog sie den Ehering vom Finger. Das Metall schlug hell auf die Marmorplatte der Konsole im Eingangsbereich.
„Wissen Sie, Elisabeth Sommer“, sagte Lena erstaunlich ruhig, „Sie haben recht. Ich bin hier nicht die Herrin. Und ich will Sie nie wiedersehen. Und du, Maximilian … bleib ruhig bei deiner Mami. Ihr beide seid wie füreinander geschaffen.“
Dann trat sie hinaus in den strömenden Regen, ohne auch nur nach einem Schirm zu greifen. In dieser Nacht verließ sie das riesige, kalte Haus für immer.
Elisabeth Sommer feierte ihren Triumph.
Die Scheidung wurde rasch abgewickelt. Kinder gab es keine, um Vermögen stritt Lena nicht. Sie schnitt diese Menschen einfach aus ihrem Leben heraus, als hätten sie nie dazugehört.
„Endlich ist diese mittellose Person weg!“, verkündete Elisabeth ihren Freundinnen am Telefon. „Für unseren Maxi finden wir eine passende Frau. Gebildet, charakterstark, aus anständigem Haus.“
Das Schicksal jedoch liebt die Ironie.
