„Dann war es zu wenig. Oder du arbeitest einfach schlampig.“ sagte Elisabeth Sommers eisig, während Lena mit zitternden Händen die Terrine abstellte

Erniedrigend, ungerecht, kaltherzig — schwer zu ertragen.
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„Staub an den Fußleisten im Wohnzimmer. Hast du schon wieder nur mit klarem Wasser gewischt statt mit dem Spezialreiniger?“

Elisabeth Sommers Stimme durchschnitt die behagliche Stille des Esszimmers wie eine Klinge. Lena Mayer blieb in der Tür stehen, die schwere Suppenterrine aus Porzellan in beiden Händen. Der heiße Dampf brannte ihr an den Fingern, doch sie wagte kaum, sich zu bewegen.

„Ich habe das Mittel hineingegeben, Elisabeth Sommer. Genau so, wie Sie es mir gezeigt haben“, erwiderte Lena leise und senkte den Blick.

„Dann war es zu wenig. Oder du arbeitest einfach schlampig. Stell die Terrine ab. Und wehe, du tropfst auf das Tischtuch.“

Behutsam trat Lena an den gewaltigen Eichentisch. Die makellos weiße, gestärkte Decke wirkte auf sie wie ein vermintes Feld.

Die tiefen Teller mit dem goldenen Rand standen exakt an ihren Plätzen und spiegelten das Licht des Kristalllüsters. Neben jedem Gedeck lagen polierte Löffel aus Neusilber und schwere Messer in strenger Ordnung. Lena setzte die Terrine in die Mitte und bemühte sich, das Zittern ihrer Hände zu verbergen.

Ihr Mann, Maximilian Weiß, saß am Kopfende des Tisches und scrollte vertieft durch die Nachrichten auf seinem Handy. Nicht einmal den Blick hob er, um seiner Frau beizustehen.

„Maximilian, erklär deiner Gattin bitte, dass man in einem anständigen Haus um Punkt sieben zu Abend isst und nicht um Viertel nach sieben“, sagte die Schwiegermutter eisig, während sie die Leinenserviette auf ihrem Schoß glattstrich.

„Lena, ehrlich, versuch einfach, pünktlicher zu sein“, murmelte er, ohne sich vom Bildschirm zu lösen.

Lena schluckte die Kränkung wortlos hinunter.

Für einen Moment geriet ihre Welt ins Wanken. Sie. Schon wieder. Schuld.

Die riesige dreistöckige Villa in der vornehmen Wohnanlage galt als ganzer Stolz der Familie. Erbaut hatte sie Thomas Böhm, Lenas verstorbener Schwiegervater. Er war ein strenger, aber gerechter Mann gewesen und hatte im Haus stets auf Ordnung geachtet.

Solange Thomas Böhm lebte, benahm sich Elisabeth Sommer zumindest erträglich. Sie gab die fromme, würdige Matrone, kochte Marmelade ein und ließ nur gelegentlich eine giftige Bemerkung gegen ihre Schwiegertochter fallen.

Doch ein Jahr nach der Hochzeit von Lena und Maximilian erlitt der Schwiegervater einen schweren Herzinfarkt. Thomas Böhm starb. Nach dem Gesetz wurde das Haus zwischen Elisabeth Sommer und ihrem Sohn Maximilian aufgeteilt. Jeder erhielt genau die Hälfte.

Nur interessierte diese juristische Tatsache im Alltag niemanden. Elisabeth Sommer führte sich auf, als gehöre ihr die Villa allein und uneingeschränkt. Die Macht im Haus lag nun vollständig in ihren Händen.

Von diesem Moment an begann sie, Lena systematisch hinauszudrängen.

Elisabeth Sommer fand an allem etwas auszusetzen. Lena ging falsch, atmete falsch, kochte falsch. Das Mädchen aus einer einfachen Lehrerfamilie erschien der hochmütigen Schwiegermutter als nicht standesgemäß.

Lena bemühte sich aufrichtig, Frieden zu schaffen. Drei lange Jahre lebte sie fast wie eine Dienstbotin. Sie stand um sechs Uhr morgens auf, um frische Quarkpfannkuchen zu backen. Die gewaltigen Panoramafenster putzte sie selbst, weil Elisabeth Sommer die Haushaltshilfe unter dem Vorwand der Sparsamkeit entlassen hatte. Im Garten pflanzte sie Rosen, rieb sich die Handflächen wund und versuchte verzweifelt, es allen recht zu machen und sich wenigstens den Hauch eines Lächelns zu verdienen.

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