„Und eben hast du meine Frau ein dummes Huhn genannt und in ihrer Wäsche herumgewühlt. Zieh dich an. Dann verschwindest du.“
In diesem Moment brach das Unwetter los. Sabine Schneider stieß einen Schrei aus, rau und schrill wie ein verletztes Tier, und holte mit ihrer Handtasche nach ihm aus.
„Du undankbares Gör! Ich habe dich großgezogen! Sie hat dir den Kopf verdreht, diese Person!“
Michael Hartmann sagte kein Wort mehr. Mit einer schnellen, sicheren Bewegung fasste er sie am Ellbogen und an der Schulter und drehte sie zur Tür. Es war keine brutale Gewalt, kein blinder Zorn — eher eine eiserne, unmissverständliche Entschlossenheit, gegen die es kein Ankommen gab. Sie strampelte, fauchte, stieß abgerissene Sätze über „Gift“ und „Verhexung“ hervor, während ihre Absätze kratzend über das Laminat schrammten.
Laura Kraus stand wie angewurzelt da, die Hand vor den Mund gepresst. Sie sah zu, wie ihr Mann, ihr sonst so sanfter, lachender Michael, ohne das kleinste Zögern jemanden aus ihrer Wohnung beförderte, den viele für unantastbar hielten: seine eigene Mutter. Er handelte ruhig, präzise und unerbittlich.
Als die Tür ins Schloss fiel, wurde ihr letzter hysterischer Aufschrei abgeschnitten. Danach breitete sich in der Wohnung eine Stille aus, so vollkommen und befreiend, dass sie fast körperlich spürbar war. Sie dröhnte in den Ohren wie ein lauter Ton.
Michael wandte sich um. Sein Atem ging schwer, und die Hand, mit der er seine Mutter festgehalten hatte, zitterte kaum merklich. Sein Blick suchte Lauras Gesicht ab, als rechne er mit Vorwurf, mit Angst, vielleicht sogar mit Abscheu.
„Alles in Ordnung mit dir?“, brachte er leise hervor.
Der Zorn war aus ihm gewichen. Auch die Härte. Zurück blieben nur Erschöpfung und Sorge.
Laura ging zu ihm. Nicht hastig, nicht fluchtartig — einfach Schritt für Schritt. Sie sah in diese vertrauten Augen, die jetzt so offen und schutzlos wirkten. Und ihr Herz, das eben noch vor Wut und Schrecken gerast war, füllte sich plötzlich mit einer warmen, stillen Verrücktheit, sodass sie beinahe gelacht hätte.
„Ja“, sagte sie leise und legte ihm die Hand auf die Brust. Unter ihren Fingern hämmerte sein Herz. Dann schlang sie die Arme fest um ihn, barg das Gesicht an seinem Hals und flüsterte, während Tränen und Lachen zugleich in ihrer Stimme bebten: „Danke, mein Held. Jetzt ist es wirklich unser Zuhause.“
