„Sie kriegt sowieso nichts mit“ sagte er verächtlich, während ich wie angewurzelt die Aufnahme einschaltete

Diese herzlose Gleichgültigkeit schockierte mich zutiefst.
Geschichten

und sein unendliches: „Hannah, wo ist mein blaues Hemd schon wieder?“ Und nun war ich also die hölzerne Ehefrau. Und für die Wohnung gab es offenbar bereits einen Interessenten.

Ich ließ mich auf die Bettkante sinken und starrte auf meine Hände. In den Hautfalten klebte noch der feine Staub vom Buchweizen. Dann fiel mein Blick auf den Ehering: schmal, matt geworden, an den Rändern abgerieben. Paul hatte ihn mir damals geschenkt, als wir noch im Studentenwohnheim hausten und Nudeln mit Ketchup als Abendessen galten. Für einen Augenblick wollte ich ihn vom Finger reißen und hinaus auf die Straße schleudern. Doch ich tat es nicht. Stattdessen holte ich tief Luft, genau wie meine Mutter es mir beigebracht hatte: „Hannah, wenn dich jemand verletzt, zähl erst bis zehn. Danach entscheidest du, was du machst.“

Ich zählte bis zwanzig. Dann stand ich auf, spritzte mir eiskaltes Wasser ins Gesicht und zog aus der Schublade mein altes Notizheft. Zwischen vergilbten Telefonnummern fand ich die Nummer vom Bürgeramt; ich hatte sie damals notiert, als ich für meine Mutter den Schwerbehindertenausweis beantragte.

In der Leitung dudelte eine endlose Warteschleifenmelodie. Schließlich meldete sich eine Frau und erklärte mir, dass man eine Sperre für grundbuchrelevante Vorgänge zwar auch über das Serviceportal beantragen könne, persönlich sei es jedoch sicherer und schneller. Ich sagte, ich käme vorbei. Sofort.

Es war ungefähr drei Uhr nachmittags. Aus der Küche drang Lärm; Erik Kraus hantierte dort herum, vermutlich briet er sich Eier. Ich ging in den Flur und zog meinen Mantel an.

„Wohin willst du?“, fragte er, ohne sich umzudrehen. In der Pfanne zischte es.

„Brot holen. Fürs Abendessen ist nichts mehr da.“

„Ach so. Dann bring mir gleich Zigaretten mit.“

Ich ging. Im Aufzug zitterte ich am ganzen Körper. Nicht vor Angst. Eher, weil mir erst jetzt klar wurde, was ich gerade tat. Vierundzwanzig Jahre lang hatte ich kaum eine Entscheidung getroffen, ohne vorher auf seine Zustimmung zu warten. Sogar die Tapetenfarbe hatten wir gemeinsam ausgesucht, und hinterher hatte er nur gesagt: „Beige ist doch sterbenslangweilig, Grün wäre besser gewesen.“ Ich hatte geschwiegen.

Im Bürgeramt war fast niemand. Die junge Frau am Schalter prüfte meine Unterlagen lange und aufmerksam.

„Sie sind sicher, dass Sie diese Sperre eintragen lassen möchten? Ohne Ihr persönliches Erscheinen kann dann niemand die Wohnung verkaufen, verschenken oder übertragen. Auch nicht mit Vollmacht.“

„Ganz sicher.“

Ihre Finger flogen über die Tastatur. Eine Viertelstunde später stand ich wieder draußen, ein Blatt Papier in der Hand. Ich schob es in die Innentasche meines Mantels, dorthin, wo auch das Handy mit der Aufnahme lag.

Nach Hause kam ich mit einem Laib Brot und einer Packung seiner Lieblingszigaretten. Erik lag auf dem Sofa und sah einen Actionfilm. Ich ging in die Küche und stellte den Wasserkocher an. In der Pfanne klebten angebrannte Reste von Rührei. Ich spülte sie ab. Aus Gewohnheit.

Gegen sieben klingelte es. Erik sprang auf und zog hastig sein T-Shirt glatt.

„Ah, das ist für mich. Hannah, setz schon mal Tee auf, es kommt ein anständiger Mensch.“

Ich nickte.

Kurz darauf trat ein Mann um die fünfzig in den Flur, teurer Mantel, Aktentasche in der Hand. Erik wurde plötzlich geschäftig und setzte sein breitestes Lächeln auf.

„Darf ich vorstellen: Maximilian Möller, Immobilienmakler. Wir klären gerade die Sache mit der Wohnung.“

Ich trat aus der Küche und trocknete mir die Hände am Geschirrtuch.

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