„So füttert man keinen Ehemann, du Nichtsnutz!“ schrie Mathilda Böhm und traf mit einer schweren, versilberten Suppenkelle mein Handgelenk

Erbarmungslose Demütigung, die das Herz zerreißt.
Geschichten

Drei Stunden Bedenkzeit.

Ich ging ins Wohnzimmer. Mathilda Böhm hatte es sich bereits häuslich eingerichtet – der Fernseher lief auf ohrenbetäubender Lautstärke. Eine dieser Nachmittagsrunden, in denen alle durcheinanderschrien und niemand zuhörte. Sie thronte ausgerechnet in meinem Lieblingssessel, die Hände selbstzufrieden über dem Bauch gefaltet. Ihr Gesichtsausdruck sagte deutlich: Sieg. Die Schwiegertochter aus der Küche verdrängt.

Ohne ein Wort trat ich zum Gerät und zog den Stecker aus der Dose. Mit einem leisen Zischen erlosch der Bildschirm. Die plötzliche Stille war so dicht, dass sie fast schmerzte.

„Was fällt dir ein, du hinterhältiges Ding?!“ Sie sprang auf, das Gesicht fleckig vor Wut, der Blick scharf wie Glas.

„In meinem Haus wirbelt höchstens Staub durch die Luft, Mathilda Böhm“, erwiderte ich ruhig. „Keine Löffel. Und keine Beleidigungen.“

Ich legte die violette Mappe auf den Couchtisch.

„Hier sind die Unterlagen. Sie haben gegen die Regeln dieses Haushalts verstoßen. Bis 23 Uhr ist Zeit. Alexander wird Ihnen beim Packen helfen.“

Ihr Blick glitt über die Papiere, dann zurück zu mir. Für einen Sekundenbruchteil blitzte Unsicherheit auf, doch sie erstickte sie sofort mit Empörung.

„Du setzt eine Mutter vor die Tür? In die Kälte? Alexander! Siehst du, wen du geheiratet hast? Eine Bürokratenratte! Ich kritisiere doch nur euren Borschtsch, damit ihr euch verbessert, und sie—“

„Das Taxi ist unterwegs“, unterbrach ich sie.

„Du hast es gewagt?!“

„Ja. Und wenn Sie nicht freiwillig gehen, wird es ungemütlicher.“

„Dann bleibe ich hier keine Minute mehr!“

„Genau das ist der Plan.“

Ab da wurde es unerquicklich. Im Film knallt jemand die Tür und verschwindet. In Wirklichkeit beginnt ein zäher Tanz. Mathilda Böhm stürmte durchs Zimmer, riss Kleider aus dem Schrank, warf sie dramatisch aufs Sofa. Alexander pendelte zwischen uns hin und her, murmelte etwas von Blutdruck und Aufregung, versuchte ihre Hände festzuhalten.

„Bitte, hör auf“, flehte er mich an. „Warten wir doch wenigstens bis morgen.“

Ich stand am Fenster. Unten an der Elbe gingen die Laternen an, ihr Licht spiegelte sich zitternd im dunklen Wasser.

„Zehn Minuten, Alexander.“

Plötzlich ließ sie sich auf den Koffer fallen und begann laut zu schluchzen – theatralisch, wie im Nachmittagsfernsehen.

„Mein Herz… ich bekomme einen Anfall! Ruf einen Arzt!“

Ich trat näher, ganz sachlich.

„Ihr Herz schlägt kräftig genug, Mathilda Böhm. Ihr Gesicht ist rot vor Zorn, nicht vor Schwäche. Entweder steigen Sie selbst ins Taxi oder ich rufe die Polizei und zeige ihnen die Kratzspur hier. Und das Video aus der Küche. Ja, ich habe eine Kamera installiert, nachdem Sie begonnen haben, meine Sachen umzuräumen.“

Die Tränen versiegten schlagartig. Ihre Augen waren trocken.

„Was für ein Mensch bist du…“, zischte sie.

„Die Eigentümerin.“

Das Packen zog sich. Aus Trotz kippte sie eine riesige Schachtel mit ihren Pfefferminzbonbons auf dem Parkett aus, jede einzelne Kugel rollte in alle Richtungen. Ich stellte kommentarlos ihre Reisetasche ins Treppenhaus und reichte ihr einen Besen.

Empörung schnappte nach Luft, doch sie sammelte die Bonbons auf. Ihre Hände zitterten nun nicht mehr vor Wut, sondern vor etwas anderem, als sie schließlich auch den zweiten Pantoffel in die Tasche stopfte.

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