Daniel Friedrichs Gesichtszüge entgleisten, als sei der letzte Rest Selbstbeherrschung in ihm verdampft und habe etwas Rohes, Ungezügeltes freigelegt.
„Ich habe dir verboten, dich in meine Finanzen einzumischen!“, brüllte er, die Finger so fest zur Faust geballt, dass die Knöchel weiß hervortraten.
Was dann geschah, kam abrupt, fast automatisch – und Marlene Meyer kannte dieses Muster nur zu gut. Noch bevor er ausholte, wich sie zur Seite, eine instinktive Bewegung, die sie sich über die Jahre angeeignet hatte. Seine Faust traf nicht sie, sondern die Tür eines Küchenschranks. Das Holz krachte dumpf, als würde sich in diesem Geräusch die angestaute Spannung des Raumes entladen.
In diesem Moment schob sich die Küchentür langsam auf. Aus dem Halbdunkel trat eine weitere Gestalt hervor.
Dorothea Böhm, Daniels Mutter, blieb auf der Schwelle stehen. Ihre Anwesenheit wirkte kühl und berechnend – wie immer, wenn die Situation kurz vor dem Überkochen stand.
„Daniel, mein Junge, warum regst du dich so auf? Das ist doch bloß irgendeine weibliche Dummheit“, sagte sie mit gespielter Milde und musterte Marlene von oben bis unten. In ihrem Blick lag weder Mitgefühl noch Respekt, nur unverhohlene Geringschätzung.
„Ich habe dir von Anfang an gesagt, dass so ein Provinzmädchen nichts als Schwierigkeiten ins Haus bringt“, setzte sie nach. Ihre Stimme klang scharf wie Eis, jedes Wort sorgfältig gesetzt, um zu verletzen.
Daniel lehnte sich schwer atmend gegen die Wand. Er rang sichtbar um Fassung, doch die Anspannung stand ihm weiterhin in jeder Bewegung.
„Pack deine Sachen“, stieß er schließlich hervor, und seine Augen wurden hart. „Du hast drei Tage. Danach will ich dich hier nicht mehr sehen.“
Er machte eine kurze Pause, als spreche er ein Urteil. „Die Wohnung gehört mir. Die Kinder bleiben bei mir. Und du? Du hast weder Geld noch Arbeit – und schon gar keine Perspektive.“
Marlene schwieg einen Augenblick, reglos nach außen, doch in ihr begann bereits etwas zu arbeiten.
