…dass in solchen Augenblicken selbst ein kaum wahrnehmbares Zucken entscheidend sein konnte.
Daniel Friedrich machte einen Schritt auf sie zu. Seine Nähe war so überwältigend, dass der Raum mit einem Mal beengt wirkte, als würde die Küche zusammenschrumpfen und ihnen die Luft abschnüren.
„Das interessiert mich überhaupt nicht!“, fuhr er sie an. Seine Stimme prallte hart von den gefliesten Wänden zurück, und in seinen Augen loderte eine Wut, die beinahe greifbar schien.
„Ist dir eigentlich klar, was du angerichtet hast?“ Er beugte sich weiter zu Marlene Meyer hinüber. Sie jedoch blieb reglos stehen, als hätte sie diese Szene schon unzählige Male erlebt, als würde sich lediglich ein vertrautes Drehbuch erneut abspulen.
„Ich leite einen großen Baukonzern. Wenn meine Kreditwürdigkeit auch nur einen Kratzer abbekommt, springen mir die Investoren sofort ab“, erklärte er mit zunehmend schriller werdender Stimme. Hinter der Lautstärke vibrierte jedoch etwas anderes – nackte Sorge, die er krampfhaft hinter Zorn verbarg.
Marlene wandte kurz den Blick ab, dann sah sie ihn wieder an. In ihren Augen lag der Ausdruck konzentrierter Überlegung, als hätte sie innerlich längst eine komplexe Rechnung aufgestellt und sei nun bei einem endgültigen Ergebnis angekommen.
Unter dem Küchentisch summte ihr Handy leise weiter. Das Display blieb dunkel, doch die Aufnahme lief – jedes Wort wurde gespeichert, sicher verwahrt für einen späteren Zeitpunkt.
„Die Vollmacht beim Notar hast du mir selbst erteilt, als wir das Feriengrundstück geregelt haben“, sagte sie ruhig und wich einen Schritt zurück in Richtung Spüle.
„Ich wollte meiner Schwester helfen. Sie brauchte dringend eine Operation, und du hast damals gesagt, ich solle es irgendwie möglich machen“, fügte sie hinzu, ohne ihre gefasste Tonlage zu verlieren, während sich in Daniels Gesicht bereits die nächste Welle unkontrollierter Erregung abzeichnete.
