„Du hast das hinter meinem Rücken durchgezogen!“ rief Florian, die Faust auf den Tisch schlagend

Diese selbstsüchtige Dreistigkeit ist kaum zu fassen.
Geschichten

— Sag mal, Clara Peters, hast du komplett den Verstand verloren? — Florian Sommer knallte gleich im Flur seine Schlüssel auf die Kommode. Das Metall sprang zurück und klirrte gegen die Schale mit Kleingeld. — Wie konntest du die Wohnung verkaufen? Ich habe Hannah bereits zugesagt, dass sie nächste Woche dort einzieht!

— Du hast was? — Clara stellte ihre Tasse betont langsam auf den Tisch und tupfte mit einem Papiertuch sorgfältig den Kaffeering weg. — Habe ich richtig gehört? Du hast etwas versprochen? Meine Wohnung betreffend? Die, die meine Großmutter mir überschrieben hat, lange bevor du in meinem Leben aufgetaucht bist — mit dem Auftreten eines künftigen Großunternehmers und dem Einkommen eines Mannes, der seit Jahren behauptet, sein Durchbruch stehe unmittelbar bevor?

— Fang nicht wieder an! — fuhr er sie an und stapfte in die Küche. — Wir sind verheiratet. Was uns gehört, gehört uns beiden. Das weißt du ganz genau.

— Nein, Florian. — Sie sah ihn an und lächelte sogar, doch dieses Lächeln hätte Sahne gerinnen lassen. — Uns gemeinsam gehören die Hypothek, die Nebenkosten und dein Drang, Entscheidungen für alle zu treffen. Die Wohnung im Zentrum war mein Eigentum. Und ich allein habe entschieden, sie zu verkaufen.

— Du hast das hinter meinem Rücken durchgezogen! — Seine Hand krachte auf die Tischplatte. — Hannah steht vor dem Nichts. Der Vermieter hat die Miete erhöht, sie schafft das nicht allein. Ich musste ihr helfen.

— Musstest du das? — Clara lehnte sich zurück. — Rührende Loyalität. Und stört es dich kein bisschen, dass deine Hannah häufiger bei uns ein und aus geht als meine eigene Schwester? Dass sie unseren Kühlschrank plündert, sich von dir Fahrten bezahlen lässt und dabei die verlassene Waise spielt, obwohl ihre Eltern quicklebendig sind?

— Untersteh dich, so über sie zu reden! — presste er hervor, die Zähne fest aufeinander.

— Ach, ich verstehe sie einfach nicht, stimmt’s? — Clara nickte kühl. — Mein Alltag ist eben unerquicklich banal: arbeiten, Raten überweisen, einkaufen, Steuerkram erledigen, den Putzservice organisieren, den du angeblich bezahlen willst und dann doch vergisst. Hannah hingegen besitzt eine besondere Gabe. Sie kann schauen, als schulde ihr die Welt etwas. Nicht viele beherrschen das so perfekt.

— Dein Spott wieder, — murmelte er gereizt. — Du bist nur eifersüchtig auf jemanden, der Unterstützung braucht.

— Ich? Eifersüchtig? — Sie lachte trocken. — Auf die Frau, die du seit drei Jahren durch meine Küche führst und als „arme Schwester“ vorstellst? Florian, drückt dich dein Gewissen eigentlich gar nicht? Wobei — dafür müsste man erst eines haben.

Für den Bruchteil einer Sekunde verstummte er. Und genau in diesem Augenblick wusste Clara, dass sie ins Schwarze getroffen hatte.

— Was redest du da? — stieß er hastig aus. — Du steigerst dich wieder in irgendeine Fantasie hinein.

— Leider nein, — entgegnete sie nun ruhig, fast müde. — Serien mag ich nicht besonders. Zu konstruiert. Im echten Leben wird plumper gelogen. Zum Beispiel, wenn jemand sein Tablet ohne Passwort auf dem Sofa liegen lässt. Der Chat ist offen. Und dort steht dann nicht „Cousine“, sondern „meine Kleine“, „halte noch durch, ich regle das mit der Wohnung“, „Clara ahnt nichts“. Ich bin keine Detektivin, aber lesen kann ich.

— Du hast meine Sachen durchsucht? — Sofort wechselte er in den Angriff. — Geht’s noch? Hast du keinerlei Respekt vor Grenzen?

— Grenzen? — Sie erhob sich langsam. — Das sagt der Mann, der seine Geliebte in eine Wohnung setzen wollte, die ich von meiner Großmutter bekommen habe? Das ist wirklich amüsant. Fast möchte ich Beifall klatschen.

— Clara, es ist nicht so, wie du denkst.

— Natürlich nicht. — Sie schnaubte leise. — Das Standardrepertoire: „Du verstehst das falsch“, „Es sieht nur so aus“, „Wir sind einfach eng befreundet“. Also, der Einfachheit halber: schläfst du mit ihr?

Schweigen.

— Hast du ihr die Wohnung zugesagt?

Er wich ihrem Blick aus.

— Fließt Geld von unserem Konto zu ihr?

— Ich habe ihr geholfen! — explodierte er. — Sie steckte in Schwierigkeiten!

— Die einzige „Schwierigkeit“ warst du, — erwiderte Clara hart. — Ein bequemer, großzügiger und zugleich feiger Versorger. Für manche Frauen ein wahres Glückslos.

— Übertreib nicht.

— Übertrieben hast du, und zwar schon vor Jahren. Ich habe nur zu lange so getan, als führten wir eine intakte Ehe. In Wirklichkeit? Ich stemme die Hypothek, du erzählst mir von einem angeblich bahnbrechenden Projekt. Ich nehme Zusatzjobs an, während du Hannah ein neues Smartphone schenkst, weil ihres „kaputt“ ist. Ich spare an mir selbst, und du finanzierst ihre Kurse, die sie schneller abbricht, als ich die Quittung abheften kann.

— Du musst wirklich jeden Cent nachrechnen! — fauchte er.

— Ja. Einer von uns musste es ja tun. Du hast ausschließlich gezählt, was dir angeblich fehlt.

Er trat näher, baute sich vor ihr auf, wie er es immer tat, wenn Lautstärke Argumente ersetzen sollte.

— Hör gut zu. Ich habe ihr diese Wohnung versprochen. Also will ich wissen, wo das Geld aus dem Verkauf ist.

— Auf meinem privaten Konto, — sagte Clara ohne jede Regung. — Die Wohnung war mein voreheliches Eigentum. Ich durfte sie verkaufen, und der Erlös gehört mir. Sämtliche Unterlagen liegen bereit. Falls du einen Prozess anstrebst — bitte sehr.

— Du hast dich also beraten lassen? — Seine Augen verengten sich.

— Allerdings. Während du den edlen Beschützer gespielt hast, habe ich mit einem Anwalt gesprochen und das Familienrecht studiert. Überraschend aufschlussreich. Deutlich nützlicher als deine Luftschlösser.

— Willst du dich scheiden lassen? — brachte er mühsam hervor.

— Was dachtest du? Dass ich eure Nachrichten einrahme? — Sie breitete die Hände aus. — Natürlich reiche ich die Scheidung ein. Morgen schon. Die Eigentumswohnung, die wir gemeinsam abbezahlen, wird verkauft. Restschuld tilgen, Überschuss teilen. Sauber und korrekt. Fast schon zu fair für jemanden, der mich jahrelang für einfältig hielt.

— Du kannst doch nicht alles zerstören! Wegen eines Fehlers!

— Ein Fehler ist es, wenn man Salz statt Zucker nimmt. Drei Jahre Lügen, Überweisungen, angebliche Geschäftsreisen und der Plan, die Geliebte in mein Eigentum zu setzen — das ist kein Versehen. Das ist ein Lebenskonzept.

— Du trägst Mitschuld! — schrie er. — Immer müde, immer kritisch! Mit dir fühlt sich Zuhause an wie im Büro: Listen, Tabellen, Budgetpläne! Du bist längst keine Frau mehr!

Mehrere Sekunden musterte sie ihn schweigend. Dann trat sie dicht an ihn heran.

— Und du bist schon lange kein Ehemann mehr, Florian, — sagte sie leise. — Du warst nur noch Mitfahrer. Ohne Ticket. Auf meine Kosten.

Er öffnete den Mund, doch es kam nichts.

— Pack deine Sachen, — fügte Clara hinzu. — Bis heute Abend. Ohne Drama. Ich bin neunundvierzig, ich muss morgen früh ins Büro, und für dein plötzliches „Wie konnte das passieren?“ fehlt mir die Geduld.

— Wohin soll ich denn gehen?

— Zu Hannah, — antwortete sie achselzuckend. — Oder wohin auch immer Männer gehen, die fremde Wohnungen fremden Frauen versprechen. Vielleicht habt ihr dafür einen Stammtisch.

— Das wirst du bereuen, — sagte er dumpf.

— Ich habe bereits bereut. Für ein ganzes Jahrzehnt.

Er verschwand ins Schlafzimmer und begann, Schranktüren zu schlagen. Clara blieb in der Küche zurück, stützte sich mit beiden Händen auf den Tisch und schloss die Augen. In ihr fühlte es sich weder triumphal noch befreiend an, sondern eher wie

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