Er erinnerte sich nur verschwommen. Sie waren gemeinsam beim Notar gewesen. Er hatte unterschrieben, ohne groß nachzufragen.
— Hast du das alles von langer Hand vorbereitet? — brachte Leon schließlich hervor.
Julia Huber schüttelte ruhig den Kopf.
— Nein, Leon. Ich habe lediglich dafür gesorgt, dass ich abgesichert bin. Ich habe gesehen, wie du dich verändert hast. Wie dein Blick jedes Mal an meiner Gehaltsabrechnung hängen blieb. Wie du angefangen hast, mit meinem Einkommen zu rechnen.
— Aber wir sind doch eine Familie!
— Wir waren eine. Bis zu dem Moment, als du beschlossen hast, dass ich dein Besitz bin. Eine Geldbörse auf zwei Beinen.
— Das stimmt nicht! — Leon machte einen Schritt auf sie zu. — Das kannst du nicht ernst meinen! Acht Jahre, Julia! Acht Jahre!
Sie wich zurück, bis sie fast am Fenster stand.
— Seit einem Jahr ertrage ich deine Spitzen. Deine Bemerkungen darüber, dass eine Frau nicht erfolgreicher sein dürfe als ihr Mann. Deine missgünstigen Kommentare jedes Mal, wenn ich beruflich weiterkam.
— Ich war nicht neidisch!
— Ach nein? Bei jeder Gehaltserhöhung hast du einen Aufstand gemacht. Du hast behauptet, mein Chef hätte es auf mich abgesehen. Dass ich mich hochschleime, Andeutungen mache…
— Vergiss doch endlich die Vergangenheit! — Leon fuhr sich verzweifelt durch die Haare. — Julia, bitte! Ich kann mich ändern!
— Zu spät. Und weißt du was? Fast bin ich Markus Walter und Laura Krause dankbar.
— Was haben die denn damit zu tun?
— Sie wollten dich aufziehen. Laura hat mich gestern angerufen, halb lachend, halb fassungslos. Sie erzählte, sie und Markus hätten dir eingeredet, ich müsse dir künftig mein Gehalt aushändigen. Ein Scherz. Und du? Du hast es geglaubt. Bist nach Hause gestürmt und hast Forderungen gestellt.
Leon erstarrte. In seinen Schläfen pochte es, sein Blick verschwamm.
— Das… das war nicht ernst gemeint?
— Natürlich nicht. Bei ihnen läuft es genau andersherum. Markus überweist sein Gehalt an Laura, sie verwaltet alles. Weil sie besser mit Geld umgehen kann als er.
In diesem Moment vibrierte sein Handy. Auf dem Display erschien der Name Markus Walter.
— Geh ran, — sagte Julia kühl. — Hören wir doch, was er zu sagen hat.
Mit zitternden Fingern nahm Leon den Anruf an.
— Ja…?
— Leo! Na, hat dir Julia ihr Gehalt schon überlassen? — dröhnte Markus’ amüsierte Stimme.
Leon schwieg.
— Wir kriegen uns hier kaum ein vor Lachen! Laura meinte noch: „Meinst du, er fällt darauf rein?“ Und ich hab gesagt: „Quatsch, Leon ist doch nicht blöd!“ Sie wettete, dass du sofort nach Hause rennst und Theater machst. Also — wer hat gewonnen?
Leon schleuderte das Telefon auf den Boden. Julia hob es auf, drückte es aus und legte es auf die Kommode.
— Siehst du, Leon? Wegen eines dummen Scherzes hast du unsere Ehe selbst zertrümmert.
Er sank auf die Knie.
— Julia… es tut mir leid. Ich war ein Idiot. Ein kompletter Idiot.
— Ja, töricht warst du. Aber das ist nicht das Entscheidende. Entscheidend ist, dass du mir dein wahres Gesicht gezeigt hast. Gierig. Kleinlich. Voller Neid.
— Ich ändere mich, ich schwöre es!
— Nein. Das wirst du nicht. Und weißt du, warum ich mir da so sicher bin? Weil du längst Schulden gemacht hast.
Sein Gesicht verlor jede Farbe.
— Woher… woher weißt du das?
— Mir sind deine neuen Anschaffungen aufgefallen. Also habe ich nachgeforscht. Du hast einen Ratenkredit über zweihunderttausend Euro aufgenommen. Und zusätzlich eine Kreditkarte mit einem Limit von hundertfünfzigtausend.
— Ich wollte alles sofort zurückzahlen! Sobald du mir dein Gehalt gibst!
— Genau das ist der Punkt. Du hast mein Geld bereits ausgegeben, bevor es überhaupt auf deinem Konto war. Eine Spielkonsole, irgendwelche technischen Spielereien… Leon, das ist doch krankhaft.
Er saß da, den Kopf in den Händen. In seinem Inneren brach alles zusammen. Die erste Rate war in einer Woche fällig, und er hatte keinen Cent. Die Wohnung gehörte nicht ihm. Und die Frau, die er für sanft und fügsam gehalten hatte, stand ihm nun völlig fremd gegenüber.
— Lass uns einen Deal machen, — krächzte er. — Ich ziehe aus. Aber du hilfst mir bei den Krediten.
— Nein, — antwortete Julia ohne Zögern. — Keinen einzigen Euro. Du hast die Schulden gemacht, also wirst du sie auch begleichen.
— Aber das ist doch wegen dir!
Sie lachte kurz und kalt auf.
— Wegen mir? Nein, Leon. Wegen deiner Habgier und deiner Dummheit. Du hast dem erstbesten Gerede geglaubt, statt mit mir wie ein erwachsener Mensch zu sprechen.
— Weißt du was? — Er sprang auf, die Wut kehrte in seine Augen zurück. — Du glaubst wohl,
