„Jetzt weiß ich wenigstens, wo ich in der Stadt unterkomme!“ — verkündete die Schwiegermutter mit hörbarer Zufriedenheit, Emilia spürte, wie sich ihre Schultern anspannten

Diese selbstzufriedene Bemerkung fühlte sich zutiefst ungerecht an.
Geschichten

— Mein Sohn hat wirklich Glück gehabt — kaum verheiratet, schon besitzt er eine Wohnung! Jetzt habe ich also auch einen Platz in der Stadt, wenn ich komme! — verkündete die Mutter ihres Mannes mit hörbarer Zufriedenheit.

Emilia Walter stand am Fenster und beobachtete, wie die ersten Schneeflocken des Jahres lautlos auf den Dächern der Nachbarhäuser liegen blieben. Die Wohnung war das Erbe ihres Großvaters: zwei geräumige Zimmer in einem alten Backsteinhaus, hohe Decken, knarrendes Parkett. Mehr als drei Jahrzehnte hatte ihr Großvater hier gelebt, und in jedem Winkel schien seine Gegenwart noch zu spüren zu sein — in den Bücherregalen, die er eigenhändig gezimmert hatte, im schweren Schreibtisch am Fenster, im abgetretenen Teppich im Wohnzimmer.

Nach der Hochzeit war der Umzug hierher selbstverständlich gewesen. Die kleine Einzimmerwohnung am Stadtrand, die sie zuvor gemietet hatten, war ihnen längst zu eng geworden. Hier dagegen gab es Platz — zwei richtige Zimmer, keine Miete, lediglich Nebenkosten. Ihr Mann hatte ohne Widerstand zugestimmt. Innerhalb eines Wochenendes waren alle Kartons hinübergetragen.

Eine Woche später luden sie seine Eltern zum Abendessen ein. Emilia deckte sorgfältig den Tisch und holte das alte Porzellan ihres Großvaters aus dem Schrank. Zunächst verlief alles harmonisch: Man sprach über die Arbeit, über das Wetter, darüber, wie schnell das Jahr vergangen war.

Dann lehnte sich die Schwiegermutter zurück, ließ den Blick durch den Raum schweifen und sagte mit einem zufriedenen Lächeln:

— Mein Sohn hat es gut getroffen — geheiratet und sofort eine Wohnung dazu bekommen! Jetzt weiß ich wenigstens, wo ich in der Stadt unterkomme!

Die Bemerkung klang beiläufig, fast scherzhaft. Doch Emilia spürte, wie sich ihre Schultern unwillkürlich anspannten. Die Schwiegermutter lächelte weiter und schenkte sich Tee nach. Der Schwiegervater nickte zustimmend und widmete sich seinem Salat. Ihr Mann reagierte überhaupt nicht, als wäre nichts Besonderes gesagt worden.

Emilia senkte den Blick auf ihren Teller. Sie wollte den Abend nicht verderben. Vielleicht war es nur ungeschickt formuliert. Vielleicht meinte sie es gar nicht so.

Und doch blieb der Satz wie ein Splitter in ihr stecken.

Ein paar Tage später rief die Schwiegermutter an und kündigte an, kurz vorbeizuschauen — sie bringe selbstgemachte Marmelade. Sie erschien gegen Mittag und blieb bis in den Abend. In der Küche stellte sie Fragen zu den Nachbarn, erteilte Ratschläge zur Möbelstellung im Flur und begutachtete jede Ecke.

— Gemütlich ist es ja, aber die Blumen sollten ans andere Fenster. So bekommen sie mehr Licht — meinte sie und rückte den Ficus eigenmächtig zurecht.

Nachdem der Besuch gegangen war, stellte Emilia den Blumentopf schweigend an seinen ursprünglichen Platz zurück.

Drei Tage darauf stand die Schwiegermutter erneut vor der Tür, diesmal mit schweren Einkaufstaschen.

— Ich dachte, ich helfe euch ein wenig. Junge Leute haben doch immer knapp bei Kasse — erklärte sie, während sie Nudeln, Konserven und Getreidepackungen auf dem Tisch ausbreitete.

Emilia bedankte sich höflich, obwohl der Kühlschrank bereits gut gefüllt war. Wieder blieb die Schwiegermutter bis spät abends. Als ihr Mann von der Arbeit kam, aß er, schaltete den Fernseher ein, und seine Mutter setzte sich neben ihn, um die Nachrichten zu kommentieren. Emilia stand währenddessen in der Küche, spülte Geschirr und lauschte den Stimmen aus dem Wohnzimmer.

Mit der Zeit häuften sich die Besuche. Aus einmal wöchentlich wurden zwei, dann drei Mal. Bald kam die Schwiegermutter morgens und ging erst spät in der Nacht. Manchmal erklärte sie, es sei zu dunkel, um noch ins Dorf zurückzufahren, und blieb über Nacht. Emilia richtete ihr das Sofa im Wohnzimmer her.

Eines Tages brachte sie ein eigenes Kopfkissen mit.

— Ich schlafe nur auf meinem. Auf fremden kann ich nicht ruhen — sagte sie und legte es demonstrativ auf die Couch.

Beim nächsten Mal tauchten Hausschuhe auf, die sie ordentlich neben die Schuhe ihres Sohnes im Flur stellte.

— Bequemer so, als sie ständig in einer Tüte mitzuschleppen — bemerkte sie.

Emilia schwieg. Die Hausschuhe blieben.

Als der Winter begann, war die Schwiegermutter beinahe täglich da. Mit Taschen voller Zutaten erschien sie unangekündigt und begann zu kochen. Wenn Emilia von der Arbeit heimkam, standen Töpfe auf dem Herd, schmutziges Geschirr stapelte sich im Spülbecken, und am Tisch saß die Schwiegermutter mit einer Tasse Tee.

— Ich war früher hier und dachte, ich koche euch eine Suppe. Männer brauchen etwas Warmes im Magen — sagte sie jedes Mal.

Ihr Mann freute sich darüber, lobte das Essen und dankte seiner Mutter überschwänglich. Emilia aß schweigend.

Eines Abends, als ihr Mann länger im Büro bleiben musste, fasste Emilia sich ein Herz.

— Hören Sie, vielleicht wäre es besser, wenn Sie nicht ganz so oft kämen. Wir kommen eigentlich gut allein zurecht.

Die Schwiegermutter hob die Augenbrauen.

— Nicht so oft? Ich besuche meinen Sohn. Ist das jetzt verboten?

— Nein, natürlich nicht. Aber wir brauchen auch etwas Privatsphäre.

— Privatsphäre? — wiederholte sie mit einem dünnen Lächeln. — Mein Sohn wohnt hier. Also komme ich zu ihm, nicht zu dir.

Unter dem Tisch ballte Emilia die Hände.

— Diese Wohnung gehört mir. Ich habe sie geerbt.

— Und wo lebt dein Mann? Hier. Also hat er genauso ein Recht darauf. Und ich habe das Recht, meinen Sohn zu sehen.

Das Gespräch drehte sich im Kreis. Schließlich verließ die Schwiegermutter spätabends die Wohnung und schlug die Tür hinter sich zu. Emilia blieb in der Küche zurück und blickte in den verschneiten Hof hinaus, den große Flocken in eine weiße Decke hüllten.

Als ihr Mann endlich heimkam, erzählte sie ihm alles. Insgeheim hoffte sie, dass er sie unterstützen und seiner Mutter erklären würde, dass ihre Besuche künftig seltener werden sollten.

Fortsetzung des Artikels

LebensKlüber