„…und dabei fest einkalkuliert, dass ich deinen Lebensstil finanziere?“, beendete Julia ruhig den Satz und warf ihm die leere Reisetasche zu, die dumpf vor seinen Füßen landete.
Alexander schluckte hörbar. Sein Blick huschte zwischen ihr und seiner Mutter hin und her.
„Julia, was soll das? Setzt du mich jetzt ernsthaft wegen eines Autos vor die Tür? Wegen ein bisschen Blech?“
„Es geht nicht um das Fahrzeug“, erwiderte sie gelassen. „Es geht darum, dass du mich wie eine bequeme Absicherung behandelst. Wie ein Konto mit Dauerfreigabe – schließlich sind wir ja verheiratet.“
Ohne Hast ging sie in den Flur, öffnete den unteren Schrank und zog genau die Tasche hervor, die sie vor Jahren für Kurzreisen gekauft hatte. Sie stellte sie vor ihn.
„Pack das Nötigste ein. Laptop, Rasierer, ein paar Sachen zum Wechseln. Den Rest sortiere ich in Kartons. Du kannst unter der Woche jemanden schicken, der sie abholt.“
Alexander blinzelte fassungslos. In seiner Vorstellung hätte sie vielleicht geschimpft, womöglich bis morgen geschwiegen – doch am Ende hätte sie sich beruhigt. So lief es doch sonst auch. Ein bisschen Drama, dann Einlenken.
„Komm schon, Julia, übertreib nicht“, versuchte er es mit einem schiefen Lächeln, das sofort in sich zusammenfiel. „Ich fahre morgen zurück zum Händler. Vielleicht nehmen sie den Wagen wieder.“
„Unmöglich“, sagte sie knapp und schüttelte den Kopf. „Sobald du vom Hof gefahren bist, hat er an Wert verloren. Dazu kommen Versicherung und Gebühren. Wenn du ihn jetzt zurückgibst, bleibst du auf einem Berg Schulden sitzen – ohne Auto. Dieses Loch hast du dir selbst gegraben. Also steig auch allein hinein.“
„Alexander, steh auf!“, zischte Sabine Roth, während sie ihren Mantel vom Haken riss. Ihr Gesicht war fleckig vor Zorn. „Mach dich doch nicht lächerlich vor dieser berechnenden Person! Mit so einem Charakter will dich ohnehin keiner behalten. Du findest eine vernünftige Frau – freundlich, fürsorglich!“
„Ganz bestimmt“, entgegnete Julia kühl und lehnte sich an den Türrahmen. „Und diese freundliche Frau darf dann Benzin, Versicherungen und Mittagessen bezahlen. Sie haben doch eine gemütliche Zwei-Zimmer-Wohnung, Frau Roth. Ihr Sohn kann vorübergehend bei Ihnen wohnen. Familie unterstützt sich doch – investieren Sie ruhig weiter in seinen Status.“
Das Packen verlief hektisch und unerquicklich. Sabine Roth ließ Schranktüren krachen, stieß demonstrativ Seufzer aus und murmelte halblaute Beleidigungen. Alexander sagte kaum noch etwas. Von seiner eben noch zur Schau gestellten Selbstsicherheit war nichts übrig. Hastig stopfte er T-Shirts in die Tasche, während er den Autoschlüssel umklammerte – ein Stück Plastik, das sich plötzlich schwer und sinnlos anfühlte.
Endlich fiel die Wohnungstür ins Schloss. Julia drehte zweimal den Schlüssel herum. Klick. Klick. Dieses schlichte Geräusch wirkte befreiender als jede Diskussion.
Sie ging zurück in die Küche. Die Schüsseln mit der inzwischen aufgequollenen Pasta standen noch auf dem Tisch. Von draußen drang das angestrengte Brummen eines starken Motors herauf – Alexander manövrierte den neuen Wagen mühsam durch den engen Hof. Kurz spiegelten sich rote Rücklichter in den Fenstern, dann verschwand der schwarze SUV um die Ecke.
Julia nahm ihre Gabel, löste ein Stück der saftigen Forelle und sah zu dem Corgi hinunter, der unter dem Tisch hervorkroch und mit seinem Stummelschwanz wedelte. Eine ungewohnte Ruhe breitete sich aus. Die Räume wirkten größer, heller – als hätten sie nur darauf gewartet, wieder ganz ihr zu gehören.
