„Kann mir mal jemand erklären, ob hier überhaupt noch Menschen wohnen, oder komme ich jeden Abend in ein leeres Loch zurück?!“ rief Daniel wütend, stampfte herein und schleuderte seinen Stiefel gegen das Schuhregal

Diese unerträgliche Selbstsucht ist zutiefst zerstörerisch.
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„Kann mir mal jemand erklären, ob hier überhaupt noch Menschen wohnen, oder komme ich jeden Abend in ein leeres Loch zurück?!“ Der wütende Schrei durchschnitt die Stille des Flurs, unmittelbar gefolgt vom dumpfen Aufprall eines schweren Stiefels, der gegen das Schuhregal geschleudert wurde.

Hannah Weiß erstarrte am Spülbecken. Sechzehn Ehejahre hatten sie gelehrt, Daniels Stimmung bereits am Klang des Schlüssels im Schloss zu erkennen. Heute hatte er sich mit auffallender Härte gedreht. Also war im Büro wieder etwas schiefgelaufen — und nach dem altbekannten Muster würde die Familie als Blitzableiter herhalten.

Sie trocknete sich sorgfältig die Hände am Küchentuch. Das Abendessen stand bereit, die Hausaufgaben ihres Sohnes waren kontrolliert, Daniels Hemd für morgen frisch gebügelt. Doch Hannah wusste nur zu gut: Wenn Daniel Dampf ablassen wollte, reichte schon eine schief liegende Serviette als Vorwand.

„Hallo. Wir sind hier. Noah macht in seinem Zimmer Algebra, und ich decke gerade den Tisch“, sagte sie mit ruhiger, fast neutraler Stimme, als sie in den Flur trat. „Wasch dir bitte die Hände, das Essen ist noch warm.“

„Noch warm, wie großzügig“, höhnte Daniel und schleuderte seine Jacke achtlos an der Garderobe vorbei. Er streifte die Schuhe ab, stieß die Hausschuhe mit dem Fuß zur Seite und stapfte in die Küche.

Hannah stellte ihm eine Portion Auflauf mit Fleisch vor. Daniel stocherte lustlos mit der Gabel darin herum, verzog angewidert das Gesicht und schob den Teller demonstrativ ein Stück von sich.

„Ich schufte wie ein Besessener, halte diesen ganzen Laden hier am Laufen, komme völlig erledigt nach Hause — und dann servierst du mir wieder so etwas? Gibt es hier kein ordentliches Stück Fleisch?“

„Im Kühlschrank sind Koteletts. Ich mache sie dir schnell heiß“, erwiderte Hannah sachlich.

Sie holte den Behälter heraus und stellte ihn in die Mikrowelle. Daniel trommelte ungeduldig mit den Fingern auf die Arbeitsplatte.

„Tust du mir jetzt etwa einen Gefallen? Zieh nicht so ein Gesicht. Eine Ehefrau sollte ihren Mann freundlich empfangen und nicht so schauen, als hätte ich mir Geld bei dir geliehen.“

„Ich bin einfach müde, Daniel. Es war auch für mich ein anstrengender Tag im Büro.“

„Müde? Ein bisschen Papierkram ordnen ist wohl kaum Schwerstarbeit. Ich habe mich heute mit Lieferanten herumgeschlagen, danach hat mich der Geschäftsführer eineinhalb Stunden lang zur Schnecke gemacht. Und wofür mache ich das alles? Für euch! Damit ihr es hier warm und bequem habt. Und was bekomme ich zurück? Nichts.“

Draußen, jenseits der Wohnungstür, duckte sich Daniel vor Vorgesetzten und passte sich fremden Spielregeln an. In den eigenen vier Wänden jedoch spielte er den unangefochtenen Herrscher. Sein Blick glitt prüfend durch die Küche und blieb schließlich an der geschlossenen Zimmertür hängen.

„Wo steckt eigentlich dieser Nichtsnutz? Noah! Sofort herkommen!“

Die Tür öffnete sich zögerlich. Ein Vierzehnjähriger trat langsam ein — groß gewachsen, mit einem Ernst im Gesicht, der nicht zu seinem Alter passen wollte. Noah Huber hielt die Hände in den Taschen seiner Jogginghose vergraben und sah seinen Vater von unten her an.

„Was ist?“, murmelte er leise.

„Nicht ‚Was ist?‘, sondern ‚Guten Abend, Vater‘!“, brüllte Daniel und schlug mit der flachen Hand hart auf den Tisch. Das Geschirr klirrte erschrocken.

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