„In dieser Wohnung werde ausschließlich ich leben!“ verkündete die Schwiegermutter selbstbewusst

Beschämend und erbarmungslos, wie Nähe als Anspruch verkauft.
Geschichten

„Mein Sohn hat erzählt, du hättest eine Dreizimmerwohnung mitten in der Stadt gekauft. In dieser Wohnung werde ausschließlich ich leben!“, verkündete die Schwiegermutter selbstbewusst.

Katharina Möller trat aus dem Bürogebäude ins Freie und steuerte mit müden Schritten auf ihren Wagen zu. Der Tag war anstrengend gewesen: drei Besprechungen mit Mandanten, ein Berg an Verträgen und dazu ein Telefon, das pausenlos geklingelt hatte. Seit fünf Jahren arbeitete sie als Juristin in einem großen Unternehmen und hatte sich längst an dieses Tempo gewöhnt.

Schon als Studentin hatte Katharina zielstrebig gewirkt. Damals jobbte sie neben dem Studium, um finanziell unabhängig zu sein und ihren Eltern nicht auf der Tasche zu liegen. Dabei hätten Sebastian Walter und Elisabeth Bergmann, die gemeinsam eine erfolgreiche Baustoffhandelskette führten, ihrer einzigen Tochter ohne Weiteres ein komfortables Leben ermöglichen können. Doch Katharina wollte sich alles selbst erarbeiten.

Vor drei Jahren heiratete sie Alexander Schmitt, einen Softwareentwickler in einer IT-Firma. Kennengelernt hatten sie sich auf einer Firmenfeier über gemeinsame Bekannte. Sein ruhiges Lächeln und seine Fähigkeit, aufmerksam zuzuhören, hatten sie sofort beeindruckt. Später merkte sie allerdings, dass diese Nachgiebigkeit nicht nur ihr galt, sondern auch seiner Mutter Andrea Lehmann. In der Anfangszeit ihrer Beziehung hatte Katharina diesem Umstand jedoch kaum Beachtung geschenkt.

Nach der Hochzeit zogen sie in eine gemietete Zweizimmerwohnung am Stadtrand. Die Wohnung war ordentlich, aber nichts Besonderes. Katharina träumte von einem eigenen Zuhause. Schon mit ihrem ersten Gehalt begann sie, konsequent Geld zurückzulegen: Jeden Monat wanderte ein Drittel ihres Einkommens auf ein separates Sparkonto für die Anzahlung. Alexander legte ebenfalls etwas beiseite, allerdings deutlich weniger. Er erklärte, er unterstütze seine Mutter und seinen jüngeren Bruder Paul Peters finanziell.

Nach drei Jahren hatte Katharina rund 2 Millionen Euro angespart. Alexander brachte lediglich etwa 500.000 Euro ein. Sie hielt ihm das nie vor; sie wusste, dass jeder Mensch andere Prioritäten setzte. Als sie jedoch ernsthaft vom Wohnungskauf sprach, überraschte Sebastian Walter sie beim Sonntagsessen mit einem unerwarteten Angebot.

„Kathi, deine Mutter und ich haben beschlossen, dir 3 Millionen Euro für die Wohnung dazuzugeben“, sagte er ruhig. „Du bist unser einziges Kind. Wir möchten, dass du gut und sicher lebst. In deinem Alter noch zur Miete zu wohnen, das passt einfach nicht.“

Katharina fiel ihren Eltern gerührt um den Hals, Tränen der Dankbarkeit in den Augen. Mit dieser Summe eröffnete sich plötzlich die Möglichkeit, etwas wirklich Hochwertiges zu finden.

Einen Monat lang durchforstete sie Anzeigen, besichtigte Objekte und fuhr quer durch die Stadt. Schließlich entdeckte sie das perfekte Angebot: eine Dreizimmerwohnung in einem Neubau im Herzen der Innenstadt, achtzig Quadratmeter, lichtdurchflutet, mit durchdachtem Grundriss. Der Kaufpreis lag bei 9 Millionen Euro. Den Restbetrag konnte man zu günstigen Konditionen finanzieren.

„Alex, schau dir das an! Ist sie nicht fantastisch?“ Begeistert hielt sie ihm ihr Handy mit den Fotos hin. „Drei Zimmer, eine große Wohnküche, zwei Bäder! Stell dir vor, wie wir dort leben könnten.“

Alexander betrachtete die Bilder aufmerksam und nickte anerkennend.

„Sieht wirklich toll aus. Aber … auf wessen Namen soll sie laufen?“

Katharina schwieg einen Moment. Über diese Frage hatte sie bereits gründlich nachgedacht.

„Alexander, ich möchte, dass die Wohnung auf meinen Namen eingetragen wird. Das Geld kommt von meinen Eltern, es ist ihr persönliches Geschenk an mich. Deshalb wäre es mir lieber, wenn ich offiziell als Eigentümerin eingetragen werde. Einfach zur Sicherheit.“

Er zog die Stirn in Falten.

„Heißt das, ich wohne dann praktisch in deiner Wohnung? Wie ein Untermieter?“

„Unsinn“, entgegnete sie ruhig. „Du bist mein Mann. Natürlich wird es unser gemeinsames Zuhause sein. Es geht nur um die juristische Seite. Bitte versteh das.“

Alexander atmete tief durch. Man sah ihm an, dass ihm diese Lösung nicht gefiel. Doch er widersprach nicht weiter.

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