„In Ordnung.“ sagte sie knapp, drehte das Wasser ab und verließ wortlos die Küche

Kalt berechnetes Schweigen, das tief verletzt.
Geschichten

Alexander Hartmann kam nach seiner Spätschicht nach Hause und ließ den Schlüsselbund auf die kleine Kommode im Flur fallen, als bestünde er aus Blei. In der Küche stand Sophie Sommer am Spülbecken, die Ärmel hochgekrempelt, Seifenschaum an den Händen. Ohne sie auch nur anzusehen, sagte er in nüchternem Ton:

„Ab Montag führen wir getrennte Kassen. Ich will endlich für ein Auto sparen, und du gibst dauernd Geld für irgendwelche Sachen aus.“

Sophie drehte sich um, trocknete sich langsam die Hände an einem Geschirrtuch. Kein erstauntes „Wieso?“, kein Vorwurf, keine Rechtfertigung. Sie nickte lediglich.

„In Ordnung.“

Alexander war innerlich auf Widerstand eingestellt gewesen – auf Tränen, hitzige Diskussionen, Vorwürfe. Doch sie stellte das Wasser ab, legte das Tuch ordentlich neben die Spüle und verließ wortlos den Raum. Er blieb zurück, sah ihr nach und spürte ein unerklärliches Unbehagen. Er hatte doch genau das bekommen, was er verlangt hatte.

Am folgenden Morgen erkundigte sie sich nicht, welchen Betrag er für Lebensmittel beisteuern würde. Sie bat auch nicht um Geld für eine neue Jacke für Mia Walter, ihre zwanzigjährige Tochter, die noch studierte. Alexander interpretierte ihr Schweigen als Einsicht. Endlich verstand sie, wie gerecht es war, wenn jeder für sich selbst Verantwortung trug. Zufrieden begann er, mögliche Sparbeträge zu kalkulieren.

Sophie arbeitete in einer kleinen Bäckerei. Ihr Wecker klingelte um fünf Uhr früh, und wenn sie heimkam, steckte Mehl unter ihren Fingernägeln. Ihr Lohn war bescheiden. Sie setzte sich hin, rechnete alles durch, teilte ihr Einkommen exakt in zwei Teile – für sich und für Mia. Alles, was Alexander betraf, strich sie konsequent aus der Liste. Sogar die Wurst, die er morgens so gern aß.

Am Samstagvormittag meldete sich Johanna Lange telefonisch.

„Mein Junge, ich komme heute vorbei. Gegen drei bin ich da.“

Alexander sagte sofort zu. Der Besuch seiner Mutter hatte für ihn immer etwas Feierliches – sie erschien mit Erwartungen an Herzlichkeit und Bewirtung. Nachdem er aufgelegt hatte, rief er in die Küche:

„Mama kommt um drei!“

Sophie saß am Esstisch, ein Notizbuch vor sich, und rechnete konzentriert. Sie hob kurz den Blick und nickte. Alexander wartete darauf, dass sie aufspringen und Vorbereitungen treffen würde. Doch sie wandte sich wieder ihren Zahlen zu. Seine Stirn legte sich in Falten.

„Willst du nichts kochen?“

„Wofür?“

„Wie wofür? Meine Mutter kommt!“

Langsam legte Sophie den Stift beiseite und sah ihn ohne jede Regung an.

„Deine Mutter. Also kümmerst du dich. Wir haben doch getrennte Kassen – dein Wunsch. Mia und ich gehen ins Kino und essen anschließend etwas. Für uns zwei.“

Sie stand auf, zog ihre Jacke an und rief nach ihrer Tochter. Mia trat aus ihrem Zimmer, warf ihrem Vater einen flüchtigen Blick zu und wandte sich ab. Kurz darauf fiel die Wohnungstür ins Schloss. Alexander blieb im Flur stehen, und ein kaltes Ziehen breitete sich in seinem Magen aus.

Punkt drei Uhr klingelte es. Johanna Lange trat ein, küsste ihren Sohn auf die Wange und sah sich um. Die Wohnung war ordentlich, doch ungewöhnlich still. Kein Duft von Gebratenem, kein geschäftiges Klappern aus der Küche.

„Wo ist Sophie?“

„Unterwegs. Mit Mia.“

Johanna ging zielstrebig zum Kühlschrank, öffnete ihn – und erstarrte. Mineralwasser, ein Glas Gewürzgurken, ein Stück Käse. Mehr nicht. Langsam drehte sie sich zu ihrem Sohn um.

„Alexander, wo ist denn das Essen?“

In diesem Moment hörte man den Schlüssel im Schloss. Sophie und Mia kamen herein, jede mit einer Tüte aus einem Café. Johanna wandte sich scharf zu ihnen.

„Sophie, was soll das? Warum ist nichts vorbereitet? Nicht einmal zu meiner Ankunft hast du gekocht?“

Sophie stellte ihre Tasche auf den Tisch, zog mit bedächtiger Ruhe die Jacke aus und begegnete dem Blick ihrer Schwiegermutter gelassen, beinahe teilnahmslos.

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