„Sollen sie doch kommen.“ sagte Laura mit ruhigem, entschlossenem Lächeln

Unverschämt, rücksichtslos — und trotzdem mutig entschieden.
Geschichten

Auf dem Blatt standen nüchterne Zahlen.

„Was soll das sein?“

„Die Abrechnung. Drei Übernachtungen. Sieben Personen. Dreißigtausend Euro.“

Sandra nahm das Papier an sich. Ihr Blick glitt langsam über die Zeilen, beinahe bedächtig – als hoffte sie insgeheim, die Summe würde sich beim zweiten Hinsehen in Luft auflösen.

„Das meinst du nicht ernst.“

„Doch. Ganz genau so.“

„Laura …“ Ihr Ton veränderte sich. Er war nicht mehr die freundlich-übertriebene Stimme für Außenstehende, sondern die, die sie in der Familie benutzte. „Wir sind verwandt. Wir gehören zusammen. Weißt du eigentlich, was das bedeutet?“

„Natürlich weiß ich das. Deshalb habe ich gleich am ersten Abend gesagt, was es kostet.“

„Du hast nichts gesagt – du hast uns einfach vor vollendete Tatsachen gestellt!“

„Du hast mich auch nicht gefragt, ob es passt. Du hast angerufen und angekündigt, dass ihr kommt. Insofern stehen wir quitt.“

Sandra schob den Stuhl zurück und erhob sich. Jetzt fiel jede Maske.

„Keinen Cent werden wir bezahlen. Das ist lächerlich. Wir fahren heute noch, und irgendwann wirst du bereuen, dass du so mit deiner eigenen Familie umgegangen bist.“

Laura nickte nur und griff zu ihrem Handy.

Alexander Köhler erschien keine vierzig Minuten später. Gebräunt, unter dem Arm eine schmale Mappe, in einem T‑Shirt mit dem Logo des örtlichen Yachtclubs. Sein Gesichtsausdruck verriet die Geduld eines Mannes, der Unordnung nur in begrenztem Maß toleriert.

„Guten Tag“, sagte er knapp, nachdem er den Raum mit einem sachlichen Blick erfasst hatte. „Ich bin der Eigentümer dieser Wohnung. Einen Mietvertrag habe ich ausschließlich mit Frau Sommer und Herrn Walter geschlossen.“ Ein kurzes Nicken in ihre Richtung. „Ihre Namen tauchen dort nicht auf. Eine Zustimmung zu Ihrem Aufenthalt liegt nicht vor. Für drei Nächte steht die Zahlung aus. Ich erwarte, dass die Wohnung innerhalb einer Stunde geräumt wird.“

„Also bitte“, setzte Sandra an, „so etwas nennt man doch nicht—“

„Das nennt man Nutzung ohne Vertrag und ohne Bezahlung“, unterbrach Alexander ruhig.

Sandra wandte sich hilfesuchend zu ihrem Mann. „Noah?“

Noah Lehmann sah erst den Vermieter an, dann seine Frau. Ohne ein weiteres Wort stand er auf und begann, die verstreuten Sachen zusammenzusuchen.

Das Packen zog sich hin. Sabine Meier saß auf ihrem Koffer wie auf einem Wartehocker am Bahnhof und stieß in regelmäßigen Abständen einen tiefen Seufzer aus – fast im Minutentakt. Milo Engel hatte längst sein Smartphone gezückt und ein Hotelzimmer drei Straßen weiter gebucht; dem Preis nach zu urteilen keines der günstigeren. Die Kinder fragten noch zweimal, ob sie wenigstens kurz an den Strand dürften.

Als schließlich auch die letzte Tasche über die Schwelle getragen worden war, blieb Sandra im Türrahmen stehen. Sie sah Laura an mit einem Ausdruck, in dem nicht mehr zu erkennen war, wo die Kränkung endete und die Wut begann.

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